Donnerstag, 17.05.2012
Länder wollen bundesweiten Antibiotika-Aktionsplan
Mainz/Berlin - Die Länder machen sich für einen bundesweiten Aktionsplan gegen Antibiotika in der Tierhaltung stark.
Sie fordern von Bundesagrarministerin Ilse
Aigner (CSU), dass Antibiotika in der Tierhaltung nur noch in therapeutisch notwendigen Einzelfällen verwendet werden dürfen, nicht systematisch zur Mast. Das teilten die Agrarministerien von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz am Donnerstag nach einem Treffen von Ländervertretern in Berlin mit. Die Staatssekretäre verlangten demnach auch eine zentrale Datenbank für den Antibiotika-Einsatz in Betrieben und eine komplette Kontrolle der Vertriebswege von Tierarzneimitteln bis zur Hausapotheke.
Auch
Aigner will die Bestimmungen für den Medikamenteneinsatz in der Tiermast verschärfen. Nach einem Gesetzentwurf ihres Ressorts sollen etwa die Regeln zur Anwendungsdauer und Dosierung verschärft werden. Sie hatte die Länder zur konsequenten Überwachung und Ahndung von Verstößen aufgefordert. Nach dem Willen der Länder soll das Recht für Tierärzte, Arzneimittel an Tierhalter zu verkaufen, überprüft werden. Die Tierhalter sollen sich außerdem verpflichten, bei hohem Antibiotika-Einsatz mit einem Tierarzt ein Konzept für eine bessere Tiergesundheit zu erstellen.
NRW-Minister Johannes Remmel (Grüne) forderte von
Aigner eine zügige Umsetzung. "Jahrelang ist von der Geflügelwirtschaft und der Bundesregierung aus Union und FDP immer wieder versichert worden, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast nur die Ausnahme sei." Er sei aber die Regel. Bis zu 96 Prozent der Masttiere werden mit Antibiotika behandelt - das hatten Studien in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gezeigt. Über Lebensmittel können Menschen Keime aufnehmen, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Das kann dazu führen, dass die Arznei auch bei ihnen nicht anschlägt. Die Amtschefs verlangen von der Bundesregierung nach Angaben aus Mainz auch eine Strategie gegen Lebensmittelverschwendung.
dpa
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