Bundesweit 75.000 Ausbildungsplätze in der deutschen Wirtschaft können in diesem Jahr nicht besetzt werden. Und auch private Forstunternehmen bekommen den Nachwuchsmangel zu spüren.
Lohnunternehmer Hermann Scheper aus Frisoythe, Ostfriesland, versuchte sich am Harvester-Simulator der AfL im vergangenen Jahr auf der Grünen Woche.
© Hoppe
Mit neuen Konzepten soll nun die Ausbildung im Forst attraktiver und effektiver werden.Die Arbeitsgemeinschaft forstlicher Lohnunternehmer (AfL) arbeitet gemeinsam mit den Landesforsten als Partner an solchen Lösungen. Als positiver Schritt wird allgemein die Verlegung der Berufsfachschule für Forstwirtschaft (BBS II) von Northeim ins Niedersächsische forstliche Bildungszentrum (NfBz) Münchehof gewertet. Im vergangenem August sei der erste Forstwirte-Jahrgang in der Außenstelle in Münchehof unterrichtet worden, sagte Hans-Ulrich Stolzenburg vom NfBz bei einer AfL-Versammlung in Holle-Grasdorf. Über 30 der neuen (zurzeit über 40) Azubis würden während des Blockunterrichts sogar im Internat untergebracht. Als Reaktion auf die technischen Anforderungen an die Azubis in Münchehof werde der Anteil der Großmaschinenausbildung erhöht, unter anderem mit einem neuen Harvester Ponsse Ergo (Achtrad-Maschine mit Parallelkran).
Auf eine Besonderheit der Ausbildung machte Dr. Karl Schumann, stellvertretender Schulleiter des NfBz aufmerksam: die Chance auf eine vierwöchige praktische Maschinenfahrer-Ausbildungen in Finnland und Schweden, die das Leonardo-Projekt der EU biete. Für 2012 seien 20 Plätze vorgesehen (acht weniger als im Vorjahr). Damit verbunden die Garantie für alle Azubis auf einen Zuschuss der EU zur Abdeckung aller Reisekosten sowie des Aufenthalts durch Sponsoring-Mittel aus dem Qualifonds (Qff).
„Bei aller öffentlichen Unterstützung: Ausbildung ist Unternehmersache“, betonte der Vorsitzende der AfL Niedersachsen, Michael Haarhaus, im Gespräch mit der LAND & Forst. Der Verband sehe besonders die privaten Forstunternehmen in der Pflicht zur Ausbildung des Berufsnachwuchses. „Als forstliche Dienstleister sind wir die zuverlässigen Partner für die Waldbesitzer.“ Ein Muss sowohl bei der Forstwirte- als auch Forstmaschinenfahrer-Ausbildung sei es, diese im dualen System laufen zu lassen.
Grundsätzlich sei Ausbildung für die Betriebe eine Investition in die Zukunft, die ihren Preis habe, mahnt der AfL-Vorsitzende. Unter dem Strich bedeute das: Im ersten Lehrjahr sind 540 Euro für einen Azubi aufzubringen, 610 im zweiten und 680 Euro im dritten Ausbildungsjahr, zuzüglich der Lohnnebenkosten. Ausbildung sichere der Branche und dem Waldbesitzer Fachkräfte, die zukünftig verstärkt benötigen würden“. Der zurzeit gültige Rahmenplan für die Forstwirte-Ausbildung lasse „viel Spielraum für Gestaltung“, sodass keine weiteren Änderungen am Berufsbild erforderlich seien.
Mit hochwertigen Hightech-Arbeitsplätzen auf Großmaschinen biete die Branche attraktive Möglichkeiten. Zwar könne nicht jeder Ausbildungsbetrieb auch jedes Tätigkeitsfeld des Berufsbildes abdecken, schränkt er ein, „doch dafür gibt es erprobte Kooperationen zum Beispiel auch mit den Landesforsten, um unsere jungen Leute zu schulen“.
Vorabinformationen zur Ausbildung von Forstwirten und Forstmaschinenfahrern sowie über Fördermöglichkeiten sind zu finden unter: