Milch zur freien Aufnahme für Kälber im zarten Alter von zwei Tagen, geht das? Es funktioniert sogar gut, die Kleinen saufen fleißig und das bis zu 14 l Vollmilch am Tag.
Wilfried Kahrs stallt nach zwei bis drei Wochen einige Kälber in Großraumiglus ein.
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Wilfried Kahrs bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn Thorsten und seiner Familie einen Futterbaubetrieb in Glinde im Kreis Rotenburg. Seit fünf Jahren werden Lehrlinge in der Landwirtschaft ausgebildet. Der Hof hat 125 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben 70 ha Grünland (davon 10 ha mit extensiver Bewirtschaftung) werden auf dem Acker 55 ha Silomais angebaut.
Zum Tierbestand zählen 140 Kühe mit der entsprechenden Nachzucht und 130 Bullen; sie erzielen Tageszunahmen von 1.100 g. Die Kühe werden in zwei Gruppen mit Voll-TMR gefüttert. Allein 5.400 kg Milch kommen aus dem Grundfutter. Seit den 80er Jahren hält Familie Kahrs die Kühe im Boxenlaufstall mit 70 Plätzen. 2008 wurde ein neuer Laufstall mit 120 Liegeplätzen und 20er Swing-over Melkstand errichtet. Die Milchleistung der inzwischen 140 Kühe kletterte nach dem Stallneubau von 8.800 l Milch auf nunmehr 11.000 l Milch mit 3,9 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Durch die Aufstockung entfällt der Zukauf von Bullenkälbern. Damit einhergehend verringerten sich die Probleme mit Grippe und Durchfall.
Für die Kälber gibt es vom ersten Tag an Außenklimahaltung in Iglus, auch bei zweistelligen Minusgraden. Jedes Iglu wird nach der Ausstallung mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und steht dann eine Woche leer. Nach zwei bis drei Wochen erfolgt eine Umstallung in Großraumiglus oder in einen Kälberstall im Altgebäude. Zur Förderung der Kälbergesundheit gibt es Grippeimpfungen für den Nachwuchs: direkt nach der Geburt die erste, eine zweite erfolgt nach acht Wochen. Die Trockensteher erhalten eine Mutterschutzimpfung.
Die ersten drei Tage gibt es für die Neugeborenen Biestmilch, ab dem zweiten Tag zur freien Verfügung. Natürlich erfolgt die erste Gabe von Kolostralmich möglichst bald nach der Geburt. Thorsten Kahrs hatte in einem Kälberseminar erfahren, dass eine ad libitum-Tränke in den ersten Lebenswochen einen positiven Einfluss auf die spätere Leistungsentwicklung (tägliche Zunahmen, Futterverwertung, Milchleistung) haben soll. In verschiedenen Versuchen gaben die Färsen mehr Milch, die in den ersten Lebenswochen mit einer höheren Energiemenge versorgt wurden. Und so werden die Kälber seit April satt gefüttert.
Nach der Biestmilchphase gibt es Vollmilch. Getränkt wird morgens und abends, die Kälber saufen im Schnitt 10 bis 12 l täglich, einige sogar bis zu 14 l. Die Tränkeeimer sind fast immer sauber, eher selten finden sich Reste von bis zu 3 l Milch. Nach einer Woche gibt es zusätzlich Wasser, Körnermais als Energieträger, Strohmehl für die Struktur und Kälberkorn als Kraftfutter.
Im Großraumiglu oder Kälberstall gibt es dann bis zu 6 l Milchaustauscher mit 25 % Magermilchpulver. Mit einem Lebensalter von 50 Tagen, nämlich wenn sie richtig anfangen zu fressen, wird zwei Wochen lang abgetränkt. Nach einem halben Jahr folgt eine erneute Umstallung auf Spaltenboden.
Künftig sollen bis zu 80 Kälber ihr Domizil in einem Holsteiner Kälberstall mit Stroheinstreu und Buchten für jeweils zehn Kälber finden. Dann müssen sie nicht mehr nach dem Aufenthalt im Iglu in verschiedenen Ställen untergebracht werden, sondern können es sich in einem Stall mit großzügiger Stroh- und Futterachse bequem machen. Das spart dann vor allen Dingen Handarbeit. Getränkt werden die Kälber dann mit einem Milchtaxi und neuseeländischen Tränkeeimern. Kahrs will mit dem neuen Außenklimastall nicht nur die Arbeitswirtschaft optimieren, sondern durch ein Mehr an Kälberkomfort auch die Verluste vom Kalb bis zur Färse von derzeit 7 % absenken.