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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Zuckerrüben » Neue Dimensionen ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Zuckerrüben | 22.12.2011 Redaktion Land und Forst

Die Rübe stößt in neue Dimensionen vor

Die Zuckerrübenanbauer haben nach einer längeren Durststrecke in diesem Jahr wieder allen Grund zur Freude. Hohe Erträge, sehr hohe Zuckergehalte und die Rübenpreise werden wieder spürbar angehoben.
Die Rübenkampagne läuft in diesem Herbst auch wegen der günstigen Witterung nahezu reibungslos. © Raupert
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Die Rübenkampagne läuft in diesem Herbst auch wegen der günstigen Witterung nahezu reibungslos.
© Raupert
Die Nordzucker geht in dieser Kampagne von einem Durchschnittsertrag von über 70 t Rüben aus. Aufgrund der hohen Zuckergehalte rechnet man in Braunschweig im Mittel mit knapp 13 t/ha Zuckerertrag, was gegenüber dem Vorjahr mit nur 10 t/ha eine beträchtliche Steigerung ist. Dieser Mittelwert, der 2011 auch Einzelwerte von über 18 t/ha Zucker aufweist, zeigt das hohe Potenzial der Zuckerrübe.

Nach eher kargen Erlösjahren, die im Wesentlichen von Preiskürzungen im Zuge der Zuckermarktreform geprägt waren, verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Rübe im Vergleich zu Raps und Weizen wieder. Aktuelle Entwicklungen auf dem Zuckermarkt zeigte auf der Informationstagung der ARGE NORD in der vergangenen Woche in Schladen Dr. Clemens Becker, ZAV Niedersachsen-Mitte, auf. Seinen Angaben zur Folge ist Zucker mittlerweile ein globaler Wachstumsmarkt. Bis zum Jahr 2020 werde der Verbrauch von dedrzeit 170 Mio. t auf rund 200 Mio. t Zucker steigen, berichtete Becker. Das bedeute, dass man in den nächsten Jahren rund 30 Mio. t Zucker mehr produzieren müsse. Dies entspreche etwa der Produktion von Brasilien mit rund 35 Mio. t Zucker/Jahr oder der zweifachen EU-Erzeugung mit etwa 18 Mio. t Zucker im Jahr.

Attraktive Preise

Sehr positiv haben sich auch die Weltmarktpreise für Zucker entwickelt, die nach dem Tiefpunkt im Jahr 2006 mit rund 200 €/t aktuell auf 500 bis 600 €/t angestiegen sind. Interessanter sei jedoch das Zuckerpreisniveau im Inland. Von 650 bis 680 €/t vor dem Start der Zuckermarktordnung in 2006 sei es erst auf 470 bis 480 €/t abgesackt, um in 2011 wieder auf 570 €/t anzusteigen. Erfreulich sei, dass sich der Zuckerpreis vom EU-Referenzpreis in Höhe von 404 €/t gelöst habe. Auch der Preis für Bioethanol zeige sich mit 60 bis 65 Ct/l wieder erholt.

Von diesem Aufschwung wollen nun auch die Rübenanbauer profitieren. Die Nordzucker hat darüber bereits mit dem DNZ verhandelt und ein Preisangebot abgegeben. Danach soll der Grundpreis für Quotenrüben von 26,29 auf 30 €/t bei 16 % Zuckergehalt steigen. Inklusive aller Nebenleistungen errechnet sich daraus bei 18 % Zuckergehalt ein Rübenpreis von rund 40 €/t reine Rüben. Ferner ist angeboten worden, alle Überrüben zum Quotenmindestpreis von 26,29 €/t zu bezahlen, was bei 18 % Zucker inklusive aller Nebenleistungen etwa 35 €/t entspricht.
 
„Dies ist aber bisher nur ein Vorschlag der Nordzucker“, stellte Dr. Becker in Schla-
den klar. Der DNZ habe dies zwar positiv aufgenommen, sehe aber durchaus noch Potenzial nach oben. Weitere Verhandlungen im Januar sollen hier endgültig den Spielraum ausloten. Die Rübenanbauer pochen jedoch auf weitere Zuschläge, die weit über die bisher zugesagten 30 €/t Grundpreis hinausgehen. Aus dem Umfeld sind in diesem Zusammenhang Preise von 37 bis 40 €/t zu hören.

Angesichts der guten Erlöse wird sich in diesem Jahr der Vortrag von Rüben nicht rechnen. Bei Überrübenpreisen von 35 €/t mache dies keinen Sinn, betonte Becker. Außerdem wurde angemerkt, dass die Anbauer, die sich für fünf Jahre vertraglich zur Produktion von Bioethanolrüben verpflichtet haben, ebenfalls von der Preisanhebung profitieren sollten. „Die Landwirte, die dem Unternehmen auch eine gewisse Produktionssicherheit gegeben haben, müssen ebenso am Preisauftrieb beteiligt werden“, hieß es in Schladen.

Dr. Becker hielt fest, dass man auf dem Nordzucker-Angebot aufbauen kann. Weiterhin strebe man in den Verhandlungen an, ein transparentes und nachvollziehbares Berechnungsschema für alle Rübenpreise fest zu installieren und die Rübenanbauer am Erfolg mitzubeteiligen. „Wir wollen wissen, wie sich die Verkaufserlöse für Zucker, Ethanol und Nebenprodukte zusammensetzen und daraus einen fairen Preis ableiten“, zeigte Becker den Weg auf. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Rübe gegenüber Raps und Weizen dauerhaft zu stärken.

Die Rübenpreise 2012 sieht Becker ebenfalls auf einem hohen Niveau, da sich die Märkte für Zucker weiterhin erfreulich entwickeln würden. Inklusive aller Nebenleistungen könnten sich für Quotenrüben inklusive der Nebenleistungen 2012 Preise zwischen 33 und 35 €/t ergeben. Ein gutes Signal der Nordzucker sei es, den Überrübenpreis für 2012 auf mindestens 22,50 €/t bei 16 % Zuckergehalt für 20 % des abzurechnenden Quotenrübenlieferrechts zu erhöhen. Bei 18 % Zuckergehalt würde sich daraus inklusive aller Nebenleistungen ein Preis von 31 bis 32 €/t errechnen. Auch für die einjährigen Industrievertragsrüben könne ein Preis von 33 bis 35 €/t angenommen werden. Dies seien gute Gründe,  in 2012  mindestens die Fläche von 2011 beizubehalten.

Gutes Ergebnis bei besonderer Witterung und sehr früher Aussaat
 

Matthias Schulte, in Schladen für die Rübenbeschaffung verantwortlich, berichtete von einer hervorragenden Verarbeitungssaison. Bei einer Kampagnelänge von 123 bis 132 Tagen würden in Clauen und Schladen etwa 1,4 Mio. t, in Uelzen 2,48 Mio. t, in Wanzleben 1,9 Mio. t und in Nordstemmen 2,11 Mio. t Zuckerrüben verarbeitet. Das Lieferende peile die Nordzucker zwischen dem 11. und 15. Januar an, wobei Clauen und Nordstemmen das Schlusslicht bilden. Schulte erwartet im Durchschnitt einen Rübenertrag von etwa 70 t/ha und einen Zuckerertrag von knapp 13 t/ha. Dieses gute Ergebnis sei auf die besondere Witterung und die sehr frühe Aussaat zurückzuführen. Das Verarbeitungsniveau bewegt sich in den Werken über die gesamte Kampagne zwischen 102 % (Clauen, Uelzen) und 109 % (Nordstemmen).

Schulte appellierte an die Berater und Landwirte, die sich in 2011 stark ausbreitende Rotfäule im Auge zu behalten. Da sich die Krankheit nicht chemisch bekämpfen ließe, sollte man stärker auf die Fruchtfolge und eine gute Bodenstruktur achten. Allein im Raum Schladen seien 350 ha betroffen. Belastete Parzellen sollten zukünftig auch mithilfe der Berater vor Ort genau erfasst werden.

Die Nordzucker hat sich nach Angaben von Dr. Andreas Windt das Ziel gesetzt, die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus kontinuierlich zu verbessern. Um den Rückstand auf den Winterraps aufzuholen, seien aber dringend Ertragssteigerungen bzw. höhere Zuckererträge notwendig. Positiv sein, dass die Zuckerrübe im direkten Vergleich mit Raps weniger starke Ertragsschwankungen aufweise. Die Ertragsstabilität müsse jedoch noch durch weitere Faktoren verbessert werden.

In diesem Zusammenhang nannte Windt die seit dem Jahr 2010 laufenden Roderfahrerschulungen und das Ernteverlustmonitoring. So seien auf einem Versuchsschlag in 2011 erstmals alle Rübenteile erfasst worden, die nicht in den Roder gelangt waren. Erste Erkenntnisse zeigen, dass die Verluste deutlich geringer sind als ursprünglich angenommen. Konkrete Ergebnisse sollen in den Winterversammlungen vorgestellt werden.

20 t/ha keine Utopie

Mithilfe von Anbauversuchen zur Ertragssteigerung bzw. Kostensenkung soll die Ertragsstabilität verbessert werden. So sollen z. B. durch den Anbau schossfester Sorten die Potenziale von Frühsaaten getestet werden. Auch Aussaaten im Quadratverband (30 x 30 cm) oder eine Reihen-/Unterfußdüngung mit NPK-Düngern sollen zeigen, ob dadurch Mehrerträge erzielt werden können. Fortschritte erhofft man sich auch durch weitere Verfeinerungen der Schlitzsaat. Mithilfe eines Herbstschlitzes will man das Verfahren auch auf schweren Böden etablieren, Kosten bei der Bodenbearbeitung senken und die Tragfähigkeit der Böden erhöhen.

20 t/ha Zuckerertrag sind in dieser Kampagne bereits erreicht worden. Laut Windt haben 83 Betriebe mit Schlägen über 20 t/ha Zuckerertrag bereits die Schallmauer durchbrochen. 138 Anbauer weisen Schläge mit über 19 t/ha und 236 Anbauer Schläge mit über 18 t/ha Zuckerertrag auf. Fazit: Die Zuckerrübe ist unter den diesjährigen Ertrags- und Preisbedingungen wieder hoch wettbewerbsfähig. Um das Ertragsniveau dauerhaft hoch zu halten, müsse jedoch die Produktionstechnik weiter verbessert werden.

Etwa 90 % des zur Aussaat 2012 benötigten Saatgutes sind laut Windt bereits durch den Frühbezug geordert worden. Das gesamte Saatgut sei zu 100 % Rhizomania tolerant. 30 % der bestellten Ware weise zudem eine Nematodentoleranz auf. Schladen und Clauen stechen hier mit 65 % bzw. 58 % NT-Anteil heraus, in Nordstemmen gebe es mit bisher nur 25 % NT-Anteil noch einen größeren Nachholbedarf, stellte der Anbauberater fest. Um hier Gewissheit für die eigenen Flächen zu erhalten, sei auch 2012 wieder das Nematodenmonitoring fest eingeplant.

Auf der Informationsveranstaltung berichtete der Geschäftsführer der ARGE NORD, Gero Schlinker, zur aktuellen Sortenentwicklung. Aufgrund mehrjähriger Versuchsergebnisse empfahl Schlinker unter den Rhizomania toleranten Sorten insbesondere Sabrina, Benno und Isabelle als Sorten mit gutem BZE-Gehalt. Wer auf hohe Zuckergehalte setze, sollte Lukas wählen. SY Belana und Isabelle weisen dagegen eine gute Toleranz gegenüber Blattkrankheiten auf. Von den neuen Sorten empfahl Schlinker aufgrund des hohen Ertrages und der guten Qualität Julius, Annika und Artus.
 
An Bedeutung habe auch die Nematodentoleranz hinzugewonnen. In diesem Segment empfahl Schlinker bei Nematodenbefall besonders Belladonna und Hella. Bei eher geringem Befall sei auch die Sorte Adrianna eine gute Wahl. Unter den neuen Sorten würden sich die Kristallina und Kepler zum Ausprobieren eignen.

Erstmalig hat die ARGE NORD in 2011 auch einen Sortenversuch Biomasse gestartet. Insgesamt waren hier 19 Sorten am Start, wobei auch eine Futterrübensorte mit bewertet worden ist. Die Versuche haben laut Schlinker gezeigt, dass man in diesem Bereich nicht nur auf den Ertrag schielen sollte. So habe die Futterrübensorte in dieser Kennziffer zwar die beste Leistung gebracht, beim Methanertragsei sie jedoch auf den letzten Platz zurückgefallen.
Die Ergebnisse belegen, dass sich der Trockensubstanzgehalt vom Zuckergehalt ableiten lässt. Rübensorten mit hohen Zuckererträgen liefern laut Schlinker zurzeit immer noch die höchsten Gaserträge. „Aus diesem Grund sind die besten Zuckerrübensorten auch die besten Biogassorten“, betonte  Schlinker.

Werner Raupert
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