Donnerstag, 17.05.2012
Mineraldünger ist zu teuer
Die Feldarbeiten stehen an und noch immer zögern viele Landwirte mit Düngereinkauf: Internationale Spotmarktpreise und die Abgabepreise an die Landwirtschaft liegen sehr weit auseinander.
Mineraldünger ist innerhalb der letzten 24 Monate in Deutschland um 30 Prozent teurer geworden.
© agrar-press
Während die Spotmarktpreise in den letzten Wochen deutlich nachgegeben haben, blieben die Abgabepreise an die Landwirte relativ stabil. Für die meisten Mineraldünger gewähren die Händler kaum Preisnachlässe, denn überwiegend haben Sie diese Ware teurer eingekauft. Lediglich für Harnstoff und für AHL-Dünger hat es zwischenzeitlich moderate Preisabschläge gegeben.
Wachsende Lagerbestände
Dabei bleibt der Preis- und Angebotsdruck auf internationaler Ebene
zunächst einmal bestehen und die meisten großen Hersteller kürzen ihre
Produktion, um das Angebot der Nachfrage anzupassen. Die trifft sowohl
auf die verschiedenen Stickstoffdünger als auch auf Phosphor und Kali
zu. Aus Nordamerika melden die großen Phosphor- und Kalihersteller
Potash-Group und Mosaic sogar die größten Bestände seit 2009 und
drosseln ihre Produktion weiter.
Nur Harnstoff etwas teurer
Die Spotmarktpreise zeigen für die kommenden Monate meist weiter nach
unten und auch die Lagerbestände sind weiter angewachsen. Lediglich bei Harnstoff haben die Preise an den wichtigsten Handelsplätzen zuletzt
etwas angezogen. Sowohl in Yuzhny (Schwarzes Meer) als auch in Ägypten
und im Mittleren Osten mussten die Händler für kurzfristig georderte
Ware Aufschläge zahlen. Am Schwarzen Meer kostete der Harnstoff am 20.
Februar zwischen 380 und 390 US-Dollar je Tonne (USD/t) und beim Einkauf in Ägypten mussten
europäische Einkäufer bis 455 USD/t zahlen. Diese Preise lagen rund 15
bis 20 USD/t höher als zum Beginn des Monates.
Mineraldünger ist zu teuer
Dafür gaben die Preise
für
Stickstoff jedoch weiter nach und lagen zum Teil bereits unter den
Harnstoffnotierungen. Auch die Preise für
AHL-Dünger und für die
verschiedenen Phosphordünger zeigen sich an den internationalen
Spotmärkten weiter schwach. In vielen europäischen Ländern sind die
AHL-Tanks an den Häfen und Verladeplätzen sehr gut gefüllt.
Etwas
nachgegeben haben jetzt auch die Spotmarktpreise für Kali (KCL). An den
Exporthäfen in Kanada kostete KCL Mitte Februar rund 10 bis 15 USD/t
weniger als Ende Januar.
Kurzfristig wenig Veränderung
Kurzfristig wird es für Landwirte jedoch schwer werden, deutliche
Preisnachlässe im Einkauf zu erreichen. Mittelfristig werden sich
Spotmarktpreise und Abgabepreise an die Landwirte jedoch annähern
müssen. Vieles wird dabei von der weiteren Entwicklung der
Getreidepreise und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen.
Derzeit übersteigt das Angebot beziehungsweise die Produktion bei den meisten
Düngerarten jedoch die Nachfrage und die Hersteller haben mit
Überkapazitäten zu kämpfen. Hier wird sich der Handel wohl erst bei
weiteren Preiszugeständnissen an die Landwirte beleben.
Notwendig wäre
künftig zudem eine größere Transparenz an den Mineraldüngermärkten
sowie Absicherungsmodelle für Landwirte und Händler. Dies wäre
beispielsweise durch Terminkontrakte möglich.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
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