Die deutschen Eierproduzenten blicken auf ein sehr schwieriges Jahr 2011 zurück. Wir geben nachfolgend einen Rückblick.
Sieht einen positiven Trend für den deutschen Eiermarkt: Dietmar Tepe, Geschäftsführer der Deutschen Frühstücksei.
© Tepe
Trotz stark steigender Erzeugerkosten bewegten sich die Eierpreise am freien Markt in der Regel deutlich unter den beiden Vorjahreswerten. Insbesondere Eier aus Bodenhaltung standen preislich stark unter Druck.
Auch der Eiermarkt vor Ostern und Weihnachten konnte im abgelaufenen Jahr 2011 kaum befriedigen. Zudem belastete die Dioxin-Problematik die Legehennehalter, die vor- und nachgelagerten Bereiche und vor allen Dingen die Mischfutterindustrie. Die Verbraucherverunsicherung trug sicherlich auch dazu bei, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in 2011 schätzungsweise um ein Ei auf 213 Stück zurückgegangen ist. Setzt man die prognostizierte deutsche Konsumeiererzeugung für 2011 in Relation zu einem leicht niedrigeren Verbrauch, so errechnet sich für Deutschland ein Selbstversorgungsgrad von etwa 64 %.
Im Jahr 2010 erreichte der Selbstversorgungsgrad für Eier in Deutschland nur einen Wert von 55 %. Die hiesige Produktion ist demzufolge 2011 wieder spürbar gestiegen und wird voraussichtlich im laufenden Jahr weiter wachsen. Ein besonders starker Zuwachs erfolgte in Niedersachsen sowie in Sachsen. Nach den Produktionseinbrüchen in 2009 und 2010 schlüpften in den EU-Ländern, die bereits frühzeitig auf alternative Haltungssysteme umgestellt haben wie Deutschland und Österreich, in den ersten drei Quartalen 2011 mehr Küken als im Jahr zuvor.
In den Ländern, die derzeit ihre Haltungssysteme umstellen, verringern sich die aktuellen Schlupf- und Einstallraten deutlich, so dass demzufolge auch die künftige EU-Eierproduktion sinken wird. Besonders hohe Rückgänge der Henneneinstallungen sind derzeit in Tschechien, Frankreich, Polen und den Benelux-Ländern zu beobachten. Deshalb gibt es augenblicklich nur ungenaue Schätzungen, wie viel Prozent der innerhalb der EU-27 gehaltenen rund 350 Mio. Hennen noch in konventionellen Käfigen stehen. Insider beziffern die Zahl auf 80 bis 100 Mio. Tiere. Die Umrüstung auf alternative Haltungssysteme ist allerdings im Gange.
Wie die EU-Kommission mitteilte, befinden sich noch in Frankreich, Polen, Belgien, Spanien, Italien, Portugal, den Niederlanden, Lettland, Griechenland, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Zypern und Malta Betriebe mit herkömmlichem Haltungssystem. Ob es zu einer Verknappung von ordnungsgemäß erzeugten Eiern kommt, bleibt abzuwarten. Des Weiteren ist noch nicht klar erkennbar, ob der deutsche Lebensmitteleinzelhandel künftig die nicht mehr rechtmäßig produzierten Eier auslistet und aus den Verkaufsregalen nimmt.
Zusammenfassend darf für 2012 erwartet werden, dass die europäische Eierproduktion vor allem in den ersten Monaten zurückgehen wird. Auf der anderen Seite wird sich der Anstieg der deutschen Erzeugung, der bereits im Jahre 2011 stattgefunden hat, moderat fortsetzen, so dass der Importbedarf an Eiern weiter sinken wird. Somit ist zu hoffen, dass zunächst ein erfreulicheres Ostergeschäft im Jahre 2012 den Eiermarkt stabilisieren kann. Die EU wird im Laufe des Jahres darauf drängen, dass alle Hennen aus den konventionellen Käfigen ausgestallt werden, so dass spätestens zum Jahreswechsel 2012/13 ein EU-weit kleineres Angebot Spielräume für deutlich höhere Eierpreise ermöglichen wird.
Dr. Albert Hortmann-Scholten, LWK Niedersachsen