Der Brand einer Hähnchenmastanlage im Juli in Alvesse, Landkreis Peine, ist eindeutig auf Brandstiftung zurückzuführen. Das teilte jetzt die Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel mit. Nach einem Gutachten des Landeskriminalamtes (LKA) wurden selbst gebaute Spreng- und Brandvorrichtungen benutzt, um die damals noch im Bau befindliche Anlage vorsätzlich in Brand zu setzen.
Bei dem Anschlag im Juli brannte eines von zwei fast fertigen Stallgebäuden völlig aus. Es entstand hoher Sachschaden. Foto: Stephan
„Damit hat sich unser Verdacht endgültig bestätigt“, sagt Natascha Aust, Sprecherin der Polizeiinspektion. Die Polizei habe bereits früh in diese Richtung ermittelt, nachdem schon die ersten Gutachter technische Defekte, beispielsweise durch die Photovoltaikanlage, als Ursache ausgeschlossen hatten. Beim Brand im Juli war ein Stall der Anlage komplett zerstört worden, es entstand ein Schaden von rund 500.000 Euro.
Am vergangenen Wochenende gab es im Landkreis Peine erneut einen Brandanschlag auf den Rohbau eines Geflügelstalles (siehe Seite 4 dieser Ausgabe). Über den neuerlichen Vorfall in Mehrum bei Hohenhameln äußerte sich das Landvolk Braunschweiger Land gegen-über der LAND & Forst-Redaktion bestürzt. „Unsere Landwirte sind wütend darüber, dass Rechtsstaatlichkeit und der Schutz des Eigentums bei einigen so wenig zählt“, beschreibt Geschäftsführerin Manuela Schneider die Stimmung.
Anfang der Woche hat sich die radikale Tierschutzorganisation „animal liberation front“ (ALF) in einer E-Mail zu dem Anschlag bekannt. In dem Schreiben heißt es laut dpa: „Allen Landwirten raten wir: Finger weg von Mastanlagen! Sie brennen leicht ab…“ Die Polizei gehe dem nach, versichert Polizeisprecherin Aust. Auch im Fall Alvesse habe es ein Bekennerschreiben gegeben, die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen jedoch von einem anderen Absender aus.
„Derartige Rechtsbrüche, wie sie mit dem jüngsten Bekennerschreiben zugegeben werden, darf der Staat nicht zulassen“, kommentierte Landvolkpräsident Werner Hilse den aktuellen Brandanschlag. Er erwarte von Innenminister Uwe Schünemann, alles zu unternehmen, um die Sicherheit der bäuerlichen Familien zu gewährleisten. Die Landwirte würden genehmigte Bauvorhaben umsetzen und auf den Schutz ihres Eigentums vertrauen. „Kritik an einem Projekt ist kein Freibrief für Rechtsverstöße. Bürgerinitiativen sollten sich von den zynischen Äußerungen der ALF distanzieren“, sagte Hilse.
Die Polizei des Landkreises rät allen Betreibern von Hähnchenmastanlagen, möglichst frühzeitig Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. „Wir hoffen aber auch auf die Mithilfe der Bevölkerung“, sagt Natascha Aust. Wer verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Nähe solcher Anlagen bemerkt hat oder bemerken sollte, kann sich an die nächstgelegene Polizeidienststelle wenden.