Beim Thema Feuerwehr bekommen Kinder und Erwachsene auch heute noch glänzende Augen. Im Feuerwehrmuseum Jever wird die Geschichte der Brandbekämpfung spannend und erlebnisreich präsentiert.
Der frühere Stadtbrandmeister von Jever, Helmer Schönheim, kann zu fast jedem Ausstellungsstück eine persönliche Geschichte erzählen.
© Peters
Ein roter Hahn an der Fassade und ein historischer Brandmelder zeigen auf den ersten Blick, was die Besucher im ehemaligen Güterschuppen am Bahnhof Jever erwartet: Das „wohl einzige Feuerwehrmuseum mit Gleisanschluss“, wie die „Feuerwehr-Oldtimerfreunde Jever“ stolz verkünden. In Eigenleistung hat der Trägerverein das Gebäude komplett entkernt und zu einem Raritätenkabinett des Lösch- und Rettungswesens ausgebaut.
Seit der Eröffnung im Jahr 2004 haben mehr als 25.000 interessierte Gäste die Ausstellung besucht. Darunter auch viele Kindergärten und Schulklassen. Hier erleben sie Feuerwehrgeschichte zum Anfassen. Mehr noch. Die Führungen finden durch „echte“ ehemalige Feuerwehrmänner statt. Helmer Schönheim zum Beispiel war früher Stadtbrandmeister in Jever. Und sein Vereinskamerad „Joki“ Fischer stand jahrelang als Hauptlöschmeister an der Spritze. Sie wissen, wovon sie sprechen.
Helmer Schönheim fängt seine Führungen gern beim Signalwesen an. So wurde die Feuerwehr anno 1776 statt mit Sirenen noch durch Kanonenschüsse vom Schlossturm alarmiert. Alle Glocken läuteten und Turmbläser zeigten die Richtung der Brandstelle an. Gelöscht wurde „von Hand“. „Alle Jever Bürger waren verpflichtet, an den so genannten Pütten, den Brunnen für die Trinkwasserversorgung, Eimer mit Löschwasser bereit zu halten“.
Hinter einem original Arbeitsplatz der Leitstelle Friesland aus den 80er/90er Jahren führt er die Gruppe weiter durch eine lückenlose Galerie der Nachrichtentechnik. Vom Brandhorn über die früher im ganzen Stadtgebiet verteilten Feuermelder bis hin zur heutigen Funk- und Meldetechnik ist alles noch voll funktionsfähig und kann selbst ausprobiert werden.
Die Handdruckspritze von 1890, selbst ansaugend und mit Rollschläuchen ausgestattet, gehört zu den Paradestücken des Museums. Gezogen wurde sie von Hand oder von Pferden, eine Kerzenbeleuchtung wies bei Nacht den Weg. In Vitrinen wecken metallglänzende Helme und Uniformen, Sicherheitsgurte, Atemschutzgeräte, Schläuche und Strahlrohre das Interesse. „Vieles stammt aus persönlichen Sammlungen“, erklärt Helmer Schönheim, „oft nach dem Motto: Ich hab da was auf dem Dachboden, könnt Ihr das brauchen?“
Langsam aber sicher platzt das Museum aus allen Nähten. Mit etwas Glück kann der Verein, der demnächst in den Oldenburgischen Feuerwehrverband übergeht, zum Jahresende einen Erweiterungsbau mit Schlauchturm und großer Fahrzeughalle eröffnen. Neunzehn liebevoll restaurierte Oldies bekommen dann endlich ihren großen Auftritt. Darunter ein offenes Chevrolet Löschfahrzeug, Baujahr 1937, ein Daimler Benz Drehleiterwagen von 1943 und der LF 16, mit dem alles begann.
Joki Fischer weiß es noch genau: „Das alte Löschgruppenfahrzeug wurde damals von der Ortswehr ausgemustert. Einige Kameraden haben es gekauft und restauriert. Als es fertig war, mussten wir es irgendwie unterbringen.“ Er schmunzelt: „Also haben wir ein Museum gegründet!“