Die Preisschwächen zum Jahresauftakt waren offensichtlich nur von vorübergehender Natur. Bereits Mitte Januar setzten sich auf dem deutschen Rindfleischmarkt die positiven Preistendenzen fort.
Infolge der hohen Rindfleischpreise hat sich die Nachfrage nach Rindfleisch zurückentwickelt.
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Die europäischen Erzeugerpreise für Rindfleisch haben sich im vergangenen Jahr nochmals deutlich nach oben bewegt. Hintergrund war die Einschränkung des Rindfleischangebotes in Kombination mit einer teilweise belebten Nachfrage. Die sehr feste Preisentwicklung der vergangenen Jahre ist vor allen Dingen auf die rege Exportnachfrage der Türkei zurückzuführen.
Nach vorläufigen Zahlen hat sich bereits im Jahr 2010 die Türkei mit einem Exportvolumen von 20.500 t knapp vor Russland geschoben, welches im letzten Jahr 20.000 t vom deutschen Rindfleisch eingeführt hat. Damit hat Deutschland seine Rindfleischausfuhren in Drittländer, d. h. nicht EU-Länder, um nahezu 50 % gesteigert. Mit Blick auf das laufende Jahr scheinen die Rahmenbedingungen nach wie vor günstig zu sein. Positiv wird allseits bewertet, dass Russland seit dem 1.Januar 2012 dem WTO Abkommen beigetreten ist. Hiermit ist der Wegfall der so genannten Länderquoten verbunden, wodurch theoretisch höhere Absatzmengen möglich werden. Russland ist immer noch von der Dürre im Krisenjahr 2009 nachhaltig betroffen.
Aufgrund einer massiven Futterpreisverteuerung hat sich der russische Rindfleischmarkt 2010 mengenmäßig sehr negativ entwickelt. Der russische Selbstversorgungsgrad für Rindfleisch wird derzeit auf unter 70 % geschätzt. Bedingt durch die Missernte, ist immer noch eine rückläufige Entwicklung der Rinderbestände zu beobachten. Der russische Markt benötigt weiterhin Importe bei frischen und gekühlten Rindfleisch.
Die wichtigsten Zulieferländer sind augenblicklich Litauen, Deutschland, Australien sowie die USA. Infolge der hohen Rindfleischpreise hat sich allerdings die Nachfrage nach Rindfleisch zurückentwickelt. Inzwischen hat auch die russische Regierung in den Markt eingegriffen und dafür gesorgt, dass Futtergetreide wieder preisgünstiger wird. Außerdem plant die Regierung Förderprogramme zur Ankurbelung der Rindfleischerzeugung. Der EU-Prognoseausschuss für Rindfleisch sagt eine deutlich rückläufige Produktion für die 27er Union voraus. Es wird erwartet, dass die Rindfleischerzeugung um 300.000 t auf 8 Mio. t Schlachtgewicht oder umgerechnet 2,8 % zurückfällt. Besonders stark werden die Erzeugungsmengen im Vereinigten Königreich (minus 0,6 %), in Irland (minus 4,9 %) und in Frankreich (minus 4,3 %) zurückgehen. Einzig Italien und Polen werden eine leichte Ausweitung ihrer Produktion erreichen können. Bedingt durch diese Entwicklungen wird die EU immer stärker zum Zuschussgebiet für Rindfleisch. Gleichzeitig wird eine negative Eurokursentwicklung die Drittlandsexporte weiter beflügeln. Insbesondere schwächere Qualitäten werden in Drittländer ausgeführt. Auf den internationalen Märkten wird Rindfleisch ebenfalls weiter ein knappes und hochpreisiges Gut sein.
Kurz vor Weihnachten 2011 wurde erneut über Ausbrüche von Maul- und Klauenseuche in Paraguay berichtet. Damit bleibt einer der größten und wichtigsten Rindfleischexporteure bis weit in das Jahr 2013 vom Handel mit der Europäischen Union ausgeschlossen. Preisdämpfend dürfte allerdings ein erwarteter geringerer Rindfleischverbrauch sein. Denn vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Konsumentenpreise wird in vielen Ländern ein leichter Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs bei Rindfleisch erwartet.
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Dr. Albert Hortmann-Scholten,
LWK Niedersachsen