Dr. Peter Feiffer beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Ernte von Getreide. Seine Erfahrungen ist gefragt, zumal das Wetter immer unberechenbarer wird. Welche Tipps hat er für die Ernte 2011?
Sie waren bekannt dafür „das Erntewetter gemacht“ zu haben - also, was haben wir zu erwarten?
Ja, das habe ich mir tatsächlich über 50 Jahre lang getraut und meine Trefferquote mit meinen Hinweisen war beachtlich. Aber seit den letzten Jahren spielt die Witterung verrückt und ist auch regional sehr „unzuverlässig“.
Bekommen wir eine Trockenernte?
Wir werden eine Ernte mit Trockenschäden haben, aber dass sie trocken verläuft, bezweifle ich sehr. Die Niederschlagssumme ist über die Jahre nicht weniger geworden und alles was bisher an Wasser nicht kam, wird kommen. Und das könnte im ungünstigsten Fall in die Erntezeit fallen wie 2010.
Wie sollte man sich vorbereiten?
Die gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Wenn die Druschstunden durch die Witterung knapp werden, muss alles an Kapazität mobilisiert werden. Dazu gehören Absprachen mit den Dienstleistern, mit Nachbarn oder Händlern. Wo kann man zusätzliche Leistung im Fall eines Falles herbekommen? Wenn man darüber nachdenkt, wenn der Regen kommt, ist meist alles verplant. Viele Landwirte holen zu ihrer eigenen Mähdrescherkapazität einen Dienstleister dazu. Das ist kein Luxusgebahren, wie die Nachbarn oft meinen. Denn jeder Tag, den der Dienstleister die Ernte verkürzt, bringt dem Betrieb so viele Zeitvorteile, die den Gegenwert von etwa 0,5 % Gesamtverlusteinsparung ausmachen. Das heißt, der Dienstleister macht sich mit jedem Hektar bezahlt und das umso mehr in einem schwierigen Jahr.
Was gehört noch zur Vorbereitung?
Ein erstklassig vorbereiteter Mähdrescher der in den 120 bis 200 Erntestunden durchlaufen muss. Jede Minute Stillstand kostet zwischen 5 und 7 €. Hier darf man nicht am falschen Fleck sparen.Wir sehen das beispielsweise an den abgenutzten Schlagleisten. Sie würden noch eine Kampagne gehen, aber sie sollen nicht nur laufen, sondern auch leisten. Bei feuchten Erntebedingungen oder bei Zwiewuchs braucht man Durchzugskraft, sonst verliert der Mähdrescher schnell an Leistung. Ein Leistungsschub bringt auch ein guter Mähdrescherfahrer. Da liegen manchmal Welten dazwischen.
Im vorigen Jahr haben viele Landwirte bei höheren Kornfeuchten mit der Ernte gezögert.
Ja, das war ein Fehler. Lieber hätte man 4 % zurückgetrocknet und 20 €/t bezahlt als Qualitätsverluste von über 50 €/t durch zu langes Warten hinzunehmen. Aber diesen Witterungsverlauf konnte nun keiner ahnen. Denn im Normaljahr, sofern es so etwas noch gibt, trocknet die Sonne am billigsten und auch das Dreschen geht wesentlich schneller, verlustärmer und komplikationsloser, wenn es trockener ist. Also, keine Panik. Ich denke, auch der Handel hat daraus gelernt und ist kompromissbereiter in schwierigen Erntesituationen.
Im vorigen Jahr war es irgendwann egal, wie viel Verluste aus dem Mähdrescher fielen, Hauptsache runter. Was ist der richtige Mittelweg?
Verluste sind emotional aufgeladen - mein Ertrag liegt dort im Schwad! Aber gerade die Dreschwerks- und Reinigungsverluste bestimmen ja das Erntetempo. Wenn man hier zu zaghaft herangeht, spart man zwar etwas ein, wirft aber ein Vielfaches an anderer Stelle weg. Immerhin haben wir 16 Verlustarten, die fast alle mit einem schnellen Erntefortgang gesenkt werden können. Wer unter Zeitdruck steht lässt 1,5 % bis zu 2 % aus dem Mähdrescher fallen, wenn er dadurch die Leistung um 20 bis 30 % erhöhen kann, ansonsten gilt die Faustzahl von 1 %.