Den Weizenmarkt 2011 als Wettermarkt stellte der Getreidereferent des Landvolks Niedersachsen, Werner Bosse, beim jüngsten Braunschweiger Getreidemarkt in Peine vor.
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Warum die Erzeuger optimistisch in die Zukunft sehen können, erläuterte der Getreidereferent des Landvolks Niedersachsen, Werner Bosse, beim jüngsten Braunschweiger Getreidemarkt in Peine. Bei seinem Blick auf das Erntejahr 2011 stellte Werner Bosse die Besonderheiten in den Vordergrund. So hätten allein die Wetterkapriolen in diesem Jahr für einiges Kopfzerbrechen bei den Landwirten gesorgt und immer wieder zu korrigierten Prognosen geführt. „Das Frühjahr war zu warm und zu trocken, der Sommer zu nass und der Herbst zu trocken“, skizzierte Bosse die Situation 2011 im Vergleich zum langjährigen Mittel. Anders als erwartet hätten die Landwirte zwar eine durchschnittliche Ernte eingefahren. Im Schnitt sei in Niedersachsen jedoch nur dann eine gute Ernte mit ansprechenden Erträgen zu erwarten, wenn es viel regne. Dementsprechend sei der Weizenmarkt in 2011 auch ein Wettermarkt. Die Erzeuger hätten die erhöhten Preise im trockenen Frühjahr für umfgangreiche Kontraktabschlüsse genutzt, lobte Bosse. Dieses führe zu einer verbesserten Mischkalkulation, bewirke natürlich auch eine gewisse Marktruhe, wenn die Kontrakte abgewickelt werden. „Längerfristig wird die Ertragssicherung aufgrund veränderter klimatischer Rahmenbedingungen für die niedersächsischen Landwirte immer wichtiger“, betonte Bosse und kündigte Gespräche des Landvolks mit Feldberegnern und Wasserversorgern an.
Mittlerweile gebe es eine weltweite Verknüpfung der Märkte. Anders als in anderen Jahren ist 2011 die weltweite Erzeugungskurve seit Erntebeginn kontinuierlich gestiegen. „Die Produktion hat nunmehr den weltweiten Verbrauch erreicht, die entsprechenden Entspannungstendenzen spiegeln sich in sinkenden Preisen wider“, sagte Bosse. Im längerfristigen Vergleich befänden sich die Weizenpreise jedoch noch immer in einer Mittellage. Am Markt für Futtergetreide sei die Versorgungslage dagegen deutlich angespannter, die Produktion läge, bei nicht vorhandenem Lagerbestand, deutlich unter dem Verbrauch, erklärte er.
Bosse machte auch die enge Verknüpfung der Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie der Produktionskosten und Frachtraten deutlich. Diese Märkte seien zum Teil für die Landwirte schwer zu beobachten; sie alle fänden aber einen Widerhall an den Terminbörsen. „Landwirte setzen immer stärker um, was der Verband schon lange empfiehlt. Sie haben auf die Terminmärkte geschaut und ihren Preis für den Kassamarkt davon abgeleitet“, lobte Bosse. Dabei habe sich der Kassamarkt in diesem Jahr oberhalb des Terminmarktes bewegt, während in Normaljahren eher ein Preisabschlag zum Terminmarkt von zehn bis 20 Euro zu beobachten sei. Der
Landwirt könne zurzeit also „Matif Plus“ verhandeln. Das gelte ebenso für Raps. Einen weiteren Hinweis auf stärkere Märkte gab Bosse mit der anhaltenden Backwardation an den Terminbörsen.
Die derzeitige Wirtschaftskrise wirke sich natürlich auch auf die Landwirtschaft aus. Wenn die Menschen das Vertrauen in Geld als Wertaufbewahrung verlören, beginne der Run in Sachwerte. Zu denen würden generell auch Agrarrohstoffe zählen. Daher zeigte er sich für die zukünftigen Weizenpreise eher optimistisch.
Zum Abschluss warf Bosse einen Blick auf die Börsenstruktur an den US-Märkten. Dort könne man die Pflichtmeldungen der großen Börsenteilnehmer nutzen, um Anhaltspunkte für die weitere Marktentwicklung zu gewinnen. So verhalten sich die Commercials, die Profis an den Getreidemärkten, eher antizyklisch und haben in der jetzigen Phase sinkender Preise kräftige Kaufpositionen eröffnet. Spekulanten wie Hedgefonds verhalten sich eher prozyklisch, da sie sich auf Computermodelle verlassen. „Daher gelten sie auch als hirntot“, sagte Bosse zum Vergnügen seiner Zuhörer. Die Bauern sollten sicher die Commercials zum Vorbild nehmen. Zurzeit gebe es einige Anhaltspunkte für positive Aussichten. Es empfehle sich eine kontinuierliche Bedienung des Marktes, sobald sich die Gelegenheit bietet.
Katja Schukies