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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Getreide » Herbizide ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Getreide | 01.02.2012 Redaktion Land und Forst

Wintergetreide: Resistenzvorbeugung ist Pflicht

Eine der ersten Pflanzenschutzaktionen im Frühjahr ist die Unkrautbekämpfung im Wintergetreide. Bei der Planung dieser Maßnahmen sind einige grundlegende Dinge zu berücksichtigen.

Aufgrund des milden Winters präsentierten sich auch später gedrillte Winterweizenbestände in einem hervorragenden Zustand. Die Frage ist es, wie die Bestände die aktuellen tiefen Minustemperaturen und Kahlfröste verkraften. © Raupert
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Aufgrund des milden Winters präsentierten sich auch später gedrillte Winterweizenbestände in einem hervorragenden Zustand. Die Frage ist es, wie die Bestände die aktuellen tiefen Minustemperaturen und Kahlfröste verkraften.
© Raupert
Die Zusammensetzung und Größe der Verunkrautung, etwaige Herbizidvorlagen im Herbst und was immer mehr Gewicht bekommt, die Frage von Wirkungsunsicherheiten oder sogar Resistenzen auf den einzelnen Standorten. Gerade die Resistenzentwicklung bei Ungräsern und Unkräutern bereitet vielen Landwirten zunehmend Sorgen. Waren bisher eher Resistenzen bei Windhalm und Ackerfuchsschwanz bekannt, nehmen sie nun auch bei Weidelgräsern, echter Kamille und anderen Unkräutern zu. Dieser Entwicklung gilt es sowohl durch pflanzenbauliche Maßnahmen als auch durch einen konsequenten Wirkstoffwechsel entschieden entgegenzuwirken.

Windhalmbekämpfung

Viele Flächen konnten aufgrund der milden und trockenen Witterung im Herbst mit einem Herbizid behandelt werden. Die Erfahrung zeigt, dass selbst bei Trockenheit die Flufenacet haltigen Produkte wie Bacara forte, Cadou, Herold und Malibu sicher auf Windhalm wirken. Trotzdem sollten auch diese Flächen auf eine mögliche Restverunkrautung kontrolliert werden.

In diesem Winter zeigt sich der Windhalm auf den bisher unbehandelten Flächen gut entwickelt. Überdurchschnittliche Temperaturen im November, Dezember und Januar führten zu einem stetigen Wachstum beim Getreide, aber auch bei den Ungräsern und Unkräutern. Neben der Entwicklung des Windhalms spielt die Schlaghistorie eine entscheidende Rolle für die Produktauswahl. Somit sind vor der Anwendung in Winterweizen, Roggen und Triticale drei Fragen zu klären:
  • Wie groß ist der Windhalm?
  • Welche Produktgruppen habe ich in den vergangenen Jahren eingesetzt?
  • Wurden bereits Wirkungsminderungen auf Einzelschlägen beobachtet?
Handelt es sich z.B. um einen sehr späten Winterweizen nach Körnermais oder nach Zuckerrüben, ist in vielen Fällen die Anwendung von Arelon Top plus Mischpartner eine preiswerte Möglichkeit, den Windhalm zu kontrollieren. Diese Kombinationen werden oft mit AHL ausgebracht. Weitere Herbizidmischungen, die in AHL eingesetzt werden können, zeigt Grafik 1. Soll in Triticale IPU eingesetzt werden, ist auf Azur bzw. Isofox auszuweichen, da für Arelon Top keine Zulassung besteht.

Generell sind folgende Auflagen der Isoproturon haltigen Produkte zu beachten:
  • NG410: Keine Anwendung auf Böden mit einem mittleren Tongehalt größer/gleich 30 % und
  • NG411: Keine Anwendung auf den Bodenarten reiner Sand, schwach schluffiger Sand und schwach toniger Sand mit einem Corg.-Gehalt kleiner als 1 %.
Der Einsatz auf dränierten Flächen ist mit Azur und Isofox vor dem 1. März möglich. Dort, wo IPU nicht mehr wirkt oder der Windhalm schon in der Bestockung ist, kann zum Beispiel Broadway eingesetzt werden. Mit der Windhalmaufwandmenge von 130 g/ha erreicht man zusätzlich eine ausreichende Wirkung auf Unkräuter. Neben Broadway stehen zur Windhalmbekämpfung aus der Gruppe der ALS-Hemmer noch Caliban Top, Husar OD und Monitor zur Verfügung. Broadway überzeugte in den vergangenen beiden Jahren mit einer größeren Wirkungsreserve.

Wirkstoffwechsel

Auf Schlägen, wo z. B. Broadway nicht mehr ausreichend wirkt, im vergangenen Jahr ein ALS-Hemmer zum Einsatz kam oder der Windhalm stark bestockt ist, sollte zur Resistenzvermeidung ein Wirkstoffwechsel mit Axial 50 EC bzw. Axial Komplett erfolgen (Empfehlungen in Grafik 2). Alle Produkte sind ab Vegetationsbeginn einzusetzen. Den geringsten Temperaturanspruch hat Axial mit weniger als 5 °C. Das heißt, dass durchaus Anfang März die ersten Herbizidanwendungen erfolgen können, wenn nicht lang anhaltende Wechselfröste vorhergesagt werden. Aufgrund der dann meist höheren Bodenfeuchte und daraus resultierenden höheren Luftfeuchte im Bestand, ist eine bessere Wirkung zu erwarten.

Axial Komplett hat über das eingemischte Primus eine recht gute Breitenwirkung, nur bei einem hohen Ehrenpreis- und Stiefmütterchenbesatz ist eine Zusatzbehandlung erforderlich. Axial 50 EC hat nur eine Gräserwirkung und benötigt daher gegen Dikotyle einen Mischpartner. Wie der Tabelle 2 zu entnehmen ist, stehen zum Axial nur wenige Mischpartner zur Verfügung.

Minderwirkung droht

Viele gängige Sulfonylharnstoffe können beim Axial eine Minderwirkung auf Windhalm hervorrufen. Unter günstigen Einsatzbedingungen (hohe Luftfeuchte, geringer Besatz) können zum frühen Zeitpunkt Alliance (maximal 60 g/ha), Biathlon oder Primus zugemischt werden. Ab 8  °C sind Starane XL, Ariane C oder Aniten Super möglich. Sonst sollte Axial, gerade bei großem Windhalm oder wenn in der Vergangenheit im Frühjahr schon Minderwirkungen beobachtet wurden, zur Gräserbekämpfung solo, also ohne Mischpartner ausgebracht werden.

Die Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz wird zunehmend schwieriger. Selbst unter guten Bedingungen erreichen im Herbst in Winterweizen, Winterroggen und Triticale angewendete Bodenherbizide selten eine Wirkung  von über 90 %. Das bedeutet, dass bei einer Bodenherbizidvorlage der Besatz zwar deutlich reduziert wird, aber im Frühjahr meistens eine Nachbehandlung erforderlich ist. Auch beim Fuchsschwanz gilt es, situationsbedingt zu entscheiden. Welches Herbizid zum Einsatz kommen soll, ist vom Entwicklungsstand und von der Schlaghistorie abhängig.

Aufgrund des bisher milden Winters bleiben in vielen Fällen Traxos und Atlantis WG zur Bekämpfung übrig. Für Attribut und Caliban Duo ist der Ackerfuchsschwanz in der Regel zu weit entwickelt. Ist zum Beispiel die Fläche im vergangenen Jahr mit Traxos (ACCase-Hemmer) behandelt worden, ist in diesem Frühjahr Atlantis WG (ALS-Hemmer) einzusetzen, und umgekehrt! Handelt es sich um einen „normalen“ Ackerfuchsschwanz ohne Resistenzen, wird eine Aufwandmenge von 0,3 bis 0,4 kg Atlantis WG /ha ausreichen (Grafik 3).

Wenn es in der Vergangenheit bereits Wirkungsminderungen gab, ist die maximale Aufwandmenge von 0,5 kg/ha + 30 l/ha AHL erforderlich. Da Traxos einen geringen Temperaturanspruch hat, kann es bereits sehr früh eingesetzt werden. Atlantis wiederum sollte erst nach Vegetationsbeginn bei Temperaturen über 5 °C gespritzt werden, Nachtfröste unter minus 2 °C sollten nicht mehr auftreten. Wird Atlantis mit 0,3 bis 0,4 kg/ha eingesetzt, gibt es eine breite Palette von Zumischpartnern, die die Wirkung auf Unkräuter abrunden. Da bei Atlantis in Kombination mit hohen Wuchsstoffmengen Minderwirkungen auftreten können und die Mischung mit Fox oder Artus zu starken Kulturaufhellungen führt, werden diese Mischungen (Tabelle 2) nicht empfohlen. Traxos sollte sowieso am besten solo eingesetzt werden, da bezüglich der Minderwirkungen auf Gräser der gleiche Zusammenhang gilt, wie für das Axial. Falls es doch in Mischung angewendet werden soll, sind mit Starane XL und Ariance C die Antagonismen am geringsten.

Ungras in Wintergerste

Die Wintergerste wird in der Regel im Herbst behandelt. Wie auch bei den anderen Getreidearten, sind hier die mit Flufenacet behandelten Windhalmflächen nur in Ausnahmefällen nachzuspritzen. Falls dieses dennoch erforderlich sein sollte, ist Axial 50 EC mit 0,9 l/ha einzusetzen. Für die Nachbehandlung von Ackerfuchsschwanzflächen stehen nur Axial 50 EC mit 1,2 l/ha und Ralon Super mit 1,0 l/ha + Monfast 0,02 %ig zur Verfügung. Beide Produkte sollten aufgrund möglicher Antagonismen nicht mit weiteren Herbiziden gemischt werden.

Auf mehrjährig pfluglos bewirtschafteten Flächen kann es in Winterweizen, Winterroggen und Triticale zu hohen Trespenbesätzen kommen. Vielfach handelt es sich um die Taube Trespe, aber auch die Roggentrespe. Neben den ackerbaulichen Möglichkeiten der sehr flachen Stoppelbearbeitung, dem Pflugeinsatz sofern möglich und dem Einsatz von Glyphosaten zur Aussaat, gibt es mittlerweile vier Herbizide mit einer Zulassung zur Trespenbekämpfung im Getreide. Diese sind Attribut, Monitor, Atlantis WG und Atlantis OD. Auch Broadway hat eine gute Nebenwirkung auf dieses Ungras.

Früh bekämpfen

Die Trespe ist möglichst früh schon in der Bestockung zu bekämpfen. Die beste Wirkung erreicht man mit einer Splittinganwendung von Attribut im Frühjahr. Zu Vegetationsbeginn werden 60 g/ha und nach etwa 14 Tagen weitere 40 g/ha Attribut ausgebracht. Wenn zusätzlich ein hoher Ackerfuchsschwanzdruck vorherrscht, sollte einmal mit 0,5 kg/ha Atlantis WG + 1,0 l/ha Genapol + 30 l/ha AHL gearbeitet werden, um gleichzeitig den Fuchsschwanz sicher zu kontrollieren. Da beide Lösungen nur in Winterweizen möglich sind, kann alternativ in Roggen und Triticale Attribut mit 60 g/ha vorgelegt werden, um dann den Bestand nach rund 14 Tagen mit 130 g/ha Broadway nachzubehandeln. In Wintergerste gibt es zurzeit keine geeigneten Produkte, um die Trespe zu unterdrücken.

Da die im Herbst eingesetzten Herbizide in den meisten Fällen auf Diflufenican basieren, haben sie je nach Aufwandmenge und weiteren Wirkstoffen eine recht gute Breitenwirkung. Ist dennoch eine Nachbehandlung erforderlich, ist der Tabelle 2 zu entnehmen, welche Produkte das geeignete Wirkungsspektrum zur gezielten Nachbehandlung haben. Die Sulfonylharnstoffe  können ab Vegetationsbeginn zum Einsatz kommen. Ariane C, Starane XL und Aniten Super sind ab etwa 8 °C einzusetzen. Der Einsatz der Wuchsstoffe ist bei Temperaturen von mindestens 12 °C, besser ab 15 °C durchzuführen.

Da es auch bei den Unkräutern zu Resistenzbildungen kommen kann, sollte hier überlegt werden, ob es unbedingt ein Sulfonyl bzw. ALS-Hemmer sein muss? So lässt sich Kamille z. B. auch mit IPU bekämpfen. Für frühe Einsätze in AHL gibt die rechte Spalte in der Tabelle 2 Auskünfte, ob eine Mischung mit AHL möglich ist. Bei vielen Herbiziden unterstützt AHL die Wirkung; unter anderem ist dieses beim Primus sehr deutlich.  

Ergänzend zu der Herbizidübersicht gibt es bei einigen Produkten Probleme, die gerade in trockenen Frühjahren zu Nachbauschäden in der folgenden Kultur führen können. In Tabelle 4 sind Produkte aufgeführt, die davon besonders betroffen sind.

Auch 2012 steht die Verhinderung weiterer Resistenzentwicklungen bei der Entscheidung über Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung an erster Stelle. Hohe Wirkungsgrade werden durch eine angepasste Mittelwahl und einen Wirkstoffwechsel in der Fruchtfolge erzielt. Bei bestimmten Mittelkombinationen sind Minderwirkungen (Antagonismen) möglich, eine getrennte Ausbringung der Präparate ist dann unumgänglich. Unnötige Herbizidmaßnahmen sollten natürlich unterbleiben, um die Mittel zu schonen, da in den nächsten Jahren keine neuen Wirkstoffgruppen bzw. Herbizide auf den Markt kommen werden.
 
Grafiken und Tabellen zum Herunterladen:
  • Grafik 1:     Gräserherbizide in 150 bis 200 l/ha AHL
  • Grafik 2:    Windhalmbekämpfung
  • Grafik 3:    Ackerfuchsschwanzbekämpfung im Frühjahr
  • Tab.1 und 2:    Frühjahrsherbizide gegen Ungräser
  • Tab.3:    Packs in Getreide - Frühjahr 2012
  • Tab.4:    Wichtige Nachbaueinschränkungen

 

Eckhard Seemann, Dr. Bernhard Werner, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover
Lesen Sie hierzu auch
  • Recht Tabu: Herbizide auf Gehwegen und Zufahrten
  • Bio Stallbaulösungen, Bioenergie-Tour, Unkrautbekämpfung
  • Video Vegetationsreport 2012: Rapsblüten richtig spritzen
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