Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde zuletzt mehrfach auf harte Proben gestellt. In der allhährlichen Kammerversammlung zog die LWK Bilanz.
In der Oldenburger Weser-Ems-Halle nahmen die Mitglieder der Kammer die Berichte des Präsidenten und des Kammerdirektors entgegen. Den öffentlichen Teil verfolgten zahlreiche Gäste.
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Den durch die Dioxin-Debatte betroffenen Landwirten gaben die Kammerexperten in unzähligen Telefonaten, auf Fachveranstaltungen und über die Fachpresse helfende Hinweise und Ratschläge. Nur wenige Wochen später halfen sie von den Ehec-Warnungen gebeutelten Gemüsebauern mit einer 24-Stunden-Einsatzbereitschaft, Schäden schnell und effektiv zu erfassen und legten so die Grundlage für spätere Entschädigungszahlungen.
Beratung wird abgerufen
„Das war in beiden Fällen Kundennähe in Bestform!“, urteilte Vizepräsident Gerhard Schwetje, der am Donnerstag voriger Woche in Vertretung des erkrankten Präsidenten Arendt Meyer zu Wehdel den Bericht über das abgelaufene Kammerjahr an die in Oldenburg tagende Kammerversammlung erstattete. Schwetje wandte sich dem Medikamenteneinsatz zu, einem weiteren derzeit kontrovers diskutierten Thema. „Positiv ist, dass viele Betriebe mit niedrigen Tierarztkosten und wenig Arzneimitteln auskommen,“ sagte er. Er verwies auf die Beratungsangebote zur Reduzierung der Tierarztkosten: „Sie können jederzeit angefordert werden, und sie werden angefordert.“
Mit Blick auf den Niedersächsischen Tierschutzplan führte er aus, dass die Planungen für die neue Lehr- und Versuchsanstalt in Echem so ausgelegt sind, dass dort auch neue Methoden der Tierhaltung dem Praxistest unterzogen werden können. Diese Erkenntnisse werden dann sogleich über die Aus- und Fortbildung neu-tral an die Betriebe weitergegeben. Kritisch setzte sich der Vizepräsident mit der Tatsache auseinander, dass bei Stallbauvorhaben immer wieder „erhöhte bis überhöhte fachrechtliche Anforderungen“ gestellt würden, für die es zum Teil keine rechtliche Grundlage gebe. Die Zahl der Genehmigungen gehe zurück, die Verfahren würden langwieriger und teuer - das könne es nicht sein, beklagte Schwetje.
Um Nachwuchs ringen
Vizepräsident Heinrich Grupe rückte als Berichterstatter der Wahlgruppe 2 die Nachwuchsgewinnung sowie die Aus- und Weiterbildung in den Mittelpunkt. „Wenn wir zirka 41.700 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen haben und rund 28.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unseren Bildungsveranstaltungen begrüßen dürfen, dann erreichen wir rechnerisch jeden zweiten Betrieb“, veranschaulich-te Grupe die Rolle der Kammer als größtem Bildungsträger im „grünen Bereich“ des Landes. Zudem verwies er auf die von den deutschen Landwirtschaftskammern gemeinsam unterhaltene Agrarjobbörse. Den bundesweit geschätzt 15.000 freien Stellen im Agrarbereich - in Niedersachsen anteilig 3.000 - stünden zwei Millionen Arbeitslose gegenüber. „Diese Zahlen sollen deutlich machen, dass wir allein um unseren Bedarf im Agrarbereich decken zu können, mit Nachdruck nach Lösungen suchen müssen“, sagte Grupe.
Termin zu 98 % gehalten
Für Jürgen Otzen war diese Kammerversammlung etwas Besonderes: Da er im nächsten Frühjahr planmäßig in den Ruhestand tritt, erstattete er zum letzten Mal den Bericht des Kammerdirektors. Den größten Aufgabenblock bildete weiterhin die Agrarförderung. Wiederum waren knapp 50.000 Anträge auf Direktzahlungen zu bearbeiten, dazu kamen 10.500 NAU/BAU-Anträge und 1.500 KoopNat-Anträge.
Erklärtes Ziel war es, in diesem Jahr die Direktzahlungen vorzeitig zum 15. Dezember auszureichen. „Leider ist der Prüfaufwand wegen immer verfeinerter Vorgaben und präziserer technischer Möglichkeiten erneut größer geworden, so dass wir trotz Personalverstärkung die 100-prozentige Auszahlung zu diesem Termin nicht für alle Betriebe erreichen werden“, bedauerte der Kammerdirektor. Etwa 800 Antragsteller werden ihre Zahlungen erst im Januar erhalten. Dass rund 98 Prozent der Landwirte noch vor dem Weihnachtsfest entsprechende Eingänge auf ihrem Betriebskonto feststellen werden, bezeichnete Otzen angesichts der strengen Vorgaben aus Brüssel als bemerkenswerte Leistung aller beteiligten Mitarbeiter.
Der Kammerdirektor informierte des Weiteren darüber, dass die Kammer weiter auf der Suche nach Partnern im Versuchswesen ist. Neu aufgenommen wurde die Zusammenarbeit mit der Universität Rostock, mit Haus Düsse gibt es zurzeit einen gemeinsamen Versuch in der Putenhaltung und mit der Universität Göttingen stehen Gespräche über die künftige Zusammenarbeit an. Ziel ist es, die überall relativ knappen Forschungskapazitäten zur Beantwortung aktueller Fragen gemeinsam zu nutzen.
Im internen Teil der Kammerversammlung war zuvor turnusgemäß das Präsidium im Amt bestätigt worden. Als Gastredner stellte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann seine Agrarpolitik für Niedersachsen vor. Ausdrücklich betonte er angesichts der vor der Landwirtschaft liegenden Aufgaben die Bedeutung einer starken und kompetenten Selbstverwaltung des Berufsstandes.
Starker ländlicher Raum
Der Minister äußerte sich zuversichtlich, dass die Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer alles daran setzen werden, den Anteil der abschließend geprüften Anträge auf Direktzahlungen noch weiter zu erhöhen und dankte den Bearbeitern für ihren Einsatz. Als Erfolgsgeschichte, an der die Kammer und ihre Mitarbeiter großen Anteil haben, bezeichnete Lindemann das Profil-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums. Im Vergleich mit anderen Bundesländern und EU-Mitgliedstaaten würden die Mittel zügig ausgereicht. Niedersachsen macht sich angesichts der großen Herausforderungen im ländlichen Raum in Brüssel stark dafür, das Programm angemessen ausgestattet fortzuführen und die Kürzung der Agrarausgaben zu verhindern.