Lotta trifft sich regelmäßig mit ihrem besten Freund Ludwig - eigentlich im Café! Dort schnacken sie über das Leben und die Liebe. Doch heute bringt Ludwig Lotta zum Bus. Sie verreist. Wohin? Zu ihrer großen Liebe.
Kalt, warm, wärmer, noch wärmer… kennt Ihr dieses Kindersuch-Spiel? Auch ich komme meinem Ziel immer näher! Es wird heiß. Ich besuche Pete in seiner Heimat. Vor drei Wochen hat er mein Feuer entfacht. Ich brenne - für ihn und darauf, ihn endlich wieder in die Arme zu schließen. Ludwig hat eher Angst, dass ich mich an ihm verbrenne. Spaßbremse. Also erstens hat er es selbst vorgeschlagen und zweitens muss man etwas wagen, um sein Glück zu finden und es festzuhalten. „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit“, sagt Erasmus von Rotterdam - und ich will glücklich sein: mit Pete! Entnervt hebt Ludwig meine Koffer in den Gepäckraum. Hallo? Ich bin eine Frau und eine Frau braucht? Genau: Schuhe, Beautyzeugs, Klamotten, Handtaschen, Fön, Bügeleisen und ach ja: Schuhe, Schuhe und nochmals Schuhe. Mein Herz rast. Los geht’s, zu Pete und in ein neues Leben!
Au revoir!
Eure
Lotta
Jetzt stehe ich alleine und todmüde in der Morgendämmerung am Busbahnhof und sehe den Rücklichtern eines Euroliner-Busses hinterher. Lotta fährt tatsächlich zu ihm, dem französischen Backpacker und Erntehelfer Pete, den sie vor drei Wochen kennengelernt hat, mit dem Bus, aus Norddeutschland bis hinunter an die Atlantikküste und ich trage ihr auch noch die Koffer. Was ist bloß los mit mir?
Vielleicht hätte ich es ihr ausreden sollen, hätte ihr sagen müssen, dass 14 Stunden in einem Bus mit wässrigem Kaffee von der Raststätte und einem Fremden als Sitznachbarn nicht wirklich Urlaubsstimmung aufkommen lassen, dass Pete daheim vielleicht nicht mehr der aufregende Abenteurer sein wird, als den sie ihn kennengelernt hat und, dass man auch in Frankreich nicht allein von Luft und Liebe glücklich wird. Aber was hätte all das genützt? Wenn Lotta erst einmal verliebt ist und wie wir wissen ist sie das häufig, dann helfen all die gut gemeinten Ratschläge nichts mehr. Dann packt sie ihre Highheels und Handtaschen eben in einen großen Koffer, ruft „Au revoir!“ und steigt mit einer Eleganz und Entschiedenheit in einen einfachen Reisebus, mit der sonst nur Audrey Hepburn auf den Straßen New Yorks ein Taxi rufen kann...
Euer
Ludwig