Lotta trifft sich regelmäßig mit ihrem besten Freund Ludwig im Café! Dort schnacken sie über das Leben und die Liebe. In dieser Ausgabe: Von Nullnummern und Schmetterlinge, die im Herbst nicht fliegen.
Gefaktes Gesamtpaket Habt Ihr schon
Schokostückchen im Jogurt oder in einem Müsli separat gegessen? Sie schmecken
nach nichts - als Gesamtpaket jedoch traumhaft! Das Gehirn scheint uns etwas
vorzugaukeln. Das ist wie in der Liebe. Im Stadium des Frischverliebtseins ist
das Gesamtpaket beeindruckend. Die rosa-rote Brille sitzt fest auf der Nase.
Alles ist schön. Doch wenn man die Oberfläche verlässt und die Einzelteile
unter die Lupe nimmt, können böse Überraschungen auf einen warten. So wie bei
meinem Ex-Freund. Gutaussehend ist er, aber sein emotionaler Intelligenzquotient tendiert gegen Null. Deswegen ist diese Nullnummer auch nicht mehr
mein Freund. Ich sitze im Café und schaue den Blättern zu, wie sie im Wind
tanzen. Seufzend greife ich zu meiner dampfenden Tasse Tee. Mir ist kalt.
Traurig schaue ich Ludwig an. Sein Gesichtsausdruck ist melancholisch.
Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an den Blättern nehmen. Abschied
bedeutet auch Neuanfang. Und bis zum Neuanfang sollten wir tanzen - dann wird
uns auch warm.
Eure
Lotta
Kalte Füße Lotta seufzt und ein Blick
in ihre Augen bricht einem fast das Herz. Wenn der Frühling die Jahreszeit der
Frischverliebten ist, dann ist der Herbst wohl so etwas wie der Morgen danach:
Man fühlt sich furchtbar, nichts, aber auch gar nichts erinnert mehr an all die
Schmetterlinge im Bauch und man schwört sich nie, nie wieder verliebt zu sein!
Und wer kann Lotta die schlechte Laune schon verdenken: Es ist kalt, es ist
neblig und die Wolken hängen so tief, dass sich die Schmetterlinge ständig den
Kopf stoßen würden, gäbe es sie noch und anstatt leichtfüßig durch das Leben zu
gehen, steht man auf einmal mit beiden Beinen knietief in Laubhaufen und kriegt
kalte Füße. Es müsste so etwas geben wie Lammfellsohlen für Gedanken - etwas
warmes, weiches, gemütliches, das man einfach zwischen sich und die Welt da
draußen schieben könnte! Aber egal wie ungemütlich es auch wird, letztlich ist
es so wie Theodor Storm in seinem Herbstgedicht sagt: „Wohl ist es Herbst, doch
warte nur, doch warte nur ein Weilchen...“
Eurer
Ludwig
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