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Donnerstag, 23.02.2012
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Aktuelle Themen | 29.11.2011 Redaktion Land und Forst

Landjugend in Ghana

Fünf Mitglieder vom Verein zur Unterstützung der Rural Youth Association (RYA) Ghana - Partner der Niedersächsischen Landjugend - reisten für zwei Wochen nach Ghana - unter anderem zum Ausbildungszentrum „Youth City“ in Wenchi.
In Ghana herrscht ein heiß-schwüles Klima vor.
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In Ghana herrscht ein heiß-schwüles Klima vor.
In Ghana begrüßten uns eine Delegation der RYA sowie unser Reiseführer Cosmos und Fahrer Sam. Die beiden standen uns jeden Tag mit Rat und Tat zur Seite und bewahrten uns vor manch brenzliger Situation. In der Hauptstadt Accra und in Kumasi machten wir uns zunächst einige Tage mit dem heiß-schwülen Klima der Republik, der geschichtlichen Entwicklung und den städtischen Lebensumständen vertraut.

Lebensmittel kaufen die Ghanaer ungern im Supermarkt, sondern viel lieber auf einem Markt oder direkt auf der Straße. So beobachteten wir wie ungekühltes Fleisch, Innereien und lebende Schnecken neben Gemüse, Obst und Gewürzen in der prallen Mittagssonne den Besitzer wechselten. Kostproben wurden spontan auf später verschoben oder den Müsliriegeln untergeordnet, die wir vorsorglich mitgenommen haben. Ansonsten hieß es: „Cook it, peal it or forget it” (Koch es, schäl es oder vergiß es).

Unterwegs über Stock und Stein

Im Straßenverkehr sind Missachtung der „Verkehrsregeln“, völlig überladene Fahrzeuge und der häufige Einsatz der Hupe alltäglich. Niemand hätte mit Sam tauschen wollen.
Die „Autobahn“, gleichzeitig die Hauptverkehrsachse, von Accra nach Kumasi, ist eine Schotterpiste mit tischgroßen Schlaglöchern - kein Vergleich zu einem norddeutschen Feldweg. Für die Strecke von 250 Kilometern benötigten wir ungefähr acht Stunden und sahen unterwegs einige umgekippte LKW. Zwischendurch wurden immer wieder kleine Snacks wie Bananenchips, Erdnüsse und Obst von Frauen direkt in die im Stau stehenden Fahrzeuge verkauft. Dabei werden die Produkte immer in riesigen Schüsseln auf dem Kopf getragen.

Ehrenamt: Chancen geben und nutzen

Im Fokus unserer Reise: der Besuch des Ausbildungszentrums „Youth City“ von der RYA in der Kleinstadt Wenchi, nord-westlich von Kumasi. Hier stehen speziell für Landjugendliche und für körperbehinderte Menschen Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das Besondere und zugleich Einzigartige: Neben der Ausbildung, die zumeist durch Patenschaften oder Spenden finanziert wird, können die Azubis Unterkünfte mit Sanitäranlagen und Verpflegung durch die Restaurantküche in Anspruch nehmen. Menschen mit Behinderungen werden in Ghana oft kaum oder gar nicht unterstützt. Mit Hilfe der RYA besteht zumindest für einige Aussicht auf Besserung. So hat Prince, ein ehemaliger Azubi, gelernt, wie man Tricycles (Dreiräder) herstellt. Er verdient sich mit dem Verkauf dieser jetzt seinen Lebensunterhalt und Gehbehinderte können sich mit ihnen selbstständig fortbewegen. All das ist möglich geworden durch die zahlreichen Spenden aus Deutschland.

Neben der Schreinerei, Aluminiumwerkstatt, dem Friseuersalon und der Küche wird zur Zeit auch in der Schneiderei mit angeschlossener Batikwerkstatt ausgebildet. Wir ließen uns dort vermessen und beauftragten die Anfertigung traditioneller Outfits, die wir auch bei der Landesversammlung der Niedersächsischen Landjugend am Samstag, 3. Dezember, in Verden zeigen möchten.

Jeden Tag probierten wir aufs Neue die Köstlichkeiten der Küche, die auf offenem Feuer gekocht wurden. Ortsübliche Gerichte unserer Speisekarte waren unter anderen Frühstücksbrei aus Hirse und Ingwer, Jollof-Reis mit scharfer Soße, Fleisch von Tieren aus eigener Haltung, diverse scharfe Suppen aus Okraschoten und Erdnüssen und Früchte aus eigenem Anbau. Die Zubereitung der Mahlzeiten erfordert teils schweren körperlichen Einsatz.
Die Vorsitzende der RYA in Ghana ist Theresa Nyarko-Fofie. Sie koordiniert alle Projekte vor Ort und hat auch maßgeblichen Anteil am Bau des Ausbildungszentrums, für das sie einen Großteil ihres Grundstücks zur Verfügung gestellt hat. In den 90er-Jahren war sie Parlamentsabgeordnete und hat aus dieser Zeit noch viele Kontakte, die sie gut für die RYA einsetzen kann.

In der Region besuchten wir wichtige Entscheidungsträger und potentielle Unterstützer für RYA. Die Queen Mother und der Chief von Wenchi sind unserem Engagement, besonders unserem Einsatz für Körperbehinderte, sehr dankbar und wollen zukünftig mehr Augenmerk auf die Aktivitäten legen und bei Gelegenheit tatkräftige Unterstützung leisten.
Nicht fehlen durfte ein Besuch bei Dr. Simon Saku, der das Emil-Memorial-Hospital in Wenchi leitet. Er ist einer der angesehensten Bürger Wenchis und unterstützt die RYA mit Krankenbehandlungen. Wir konnten ihm einige Hilfsgüter übergeben und sind noch auf der Suche nach einem Brutkasten, der dringend benötigt wird. Dr. Saku bewirtschaftet außerdem eine Farm und war 2008 Farmer of the Year, eine besondere Auszeichnung der Republik Ghana, für die der Preisträger jeweils einen neuen Pick-Up-Truck erhält.

Landwirtschaft in Ghana erleben

Wir besuchten die Universität für Landwirtschaft und Ernährung in Wenchi, wo wir auf einen Joghurtdrink aus eigener Herstellung eingeladen wurden - bei 35 °C eine gute Abkühlung. Nach einer Fahrt durch unwegsames Gelände und Fußmarsch in der Mittagssonne besuchten wir Thomas Ahima, 1987 ebenfalls Farmer of the Year. Er hat uns seine Farm, bestehend aus 140 Hektar, inklusiv eigenem Stausee für die Bewässerung, gezeigt. Zur Farm gehören: Teakholz, Kakao, Zitrusfrüchte und ein Legehennenstall mit 25.000 Plätzen und Vermarktung via „Fair Trade“. Seine Hofnachfolge ist unsicher, da seine Kinder in den USA studieren, sodass er mit Blick auf die Rente auf der Suche nach einem passenden Kooperationspartner ist - gern auch aus Deutschland. Zum Ende unserer Reise fuhren wir in die Küstenstadt Cape Coast am Atlantik und erlebten am Sandstrand einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Anfang Dezember wird unser Hilfscontainer in Wenchi eintreffen. Die Hilfsgüter haben wir auch Dank zahlreicher LAND & Forst Leser zusammengetragen und bedanken uns herzlich für die Spenden. Die Mitglieder der RYA sind gespannt und haben sich sehr gefreut als wir erzählt haben, welche Spenden wir zusammengetragen haben.

Der Verein Ghana e.V. wurde 1988 aus einem Arbeitskreis der Landjugend gegründet und hat über 125 Mitglieder. Weitere Infos findet Ihr unter: www.ghana-ev.de
 
Ghana e.V.
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