Was erwartet die Gesellschaft von den Landwirten? Wie können Betriebsleiter darauf reagieren? Antworten auf diese Fragen gab es vergangene Woche beim 16. Auricher Fachschultag.
1950 konnte ein Landwirt zehn Menschen ernähren, im Jahr 2008 lag dieser Faktor bei 148 Menschen.
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Während der Zeiten von Globalisierung und Liberalisierung des Weltmarktes verlieren agrarpolitische Rahmenbedingungen auf den ersten Blick an Bedeutung. Die EU kürzt ihre Zahlungen an heimische Landwirte. Der junge landwirtschaftliche Unternehmer möchte durch Wachstum seinen Arbeitsplatz erhalten, doch leider werden Investitionen und Entwicklungen der Betriebe nicht immer von der Bevölkerung akzeptiert.
Die Bürger sind dagegen
In der „Dagegen-Gesellschaft“ gibt es häufiger Protest und Kritik. „Besorgte“ Bürger befürchten eine Industrialisierung der Landwirtschaft und bangen um ihre Wohnqualität. Die Medienspezialistin Maike Kayser von der Uni Göttingen beschrieb zunächst die Erfolgsgeschichte Ernährungswirtschaft: 1950 konnte ein
Landwirt zehn Menschen ernähren, im Jahr 2008 lag dieser Faktor bei 148 Menschen. Die Hektarerträge von Kartoffeln stiegen von 224 dt im selben Zeitraum auf 440 dt und die Hektarerträge von Weizen stiegen von 27 auf 77 dt. Die durchschnittliche Milchleistung einer Kuh erhöhte sich von 2.480 kg auf 6.827 kg und eine Henne legt heute mit 299 Eiern fast dreimal soviel Eier wie 1950.
Deutsche Unternehmen sind in wichtigen Branchen der Ernährungsindustrie europaweit Kostenführer: So liegen die Schlachtkosten für Mastschweine in ausgelasteten Schlachtstätten bei unter 8 Euro. Und der deutsche Lebensmitteleinzelhandel weist mit dem Discountsystem das effizienteste Vertriebssystem weltweit auf.
Maike Kayser berichtete ausführlich von den unterschiedlichen Verbrauchergruppen. Die „Gleichgültigen“ haben keine differenzierte Einstellung zur Ernährungswirtschaft. In ihrem Konsumverhalten zeigen sie keine besonderen Präferenzen. Sie sind weder besonders preisbewusst noch schätzen sie Attribute wie Regionalität oder Biomarken. Sie sind wenig an landwirtschaftlichen Themen interessiert und ihnen sagt das Landleben insgesamt wenig zu.
Natur und Tiere schützen
Die „Natürlichen“ vertreten die Ansicht, dass sich Ernährungswirtschaft primär dem Schutz der Natur und der Tiere verschreiben sollte einer zunehmenden Technisierung stehen sie negativ gegenüber. Sie verfügen über ein großes Wissen zur Ernährungswirtschaft und haben das geringste Vertrauen in die Branche.
Sie kaufen selten im Discounter und achten bei ihrem Einkauf weniger auf den Preis als auf Attribute wie Biolabel, Regionalität und wollen keine künstlichen Geschmacksstoffe. Diese Gruppe legt den größten Wert auf eine gesunde Ernährung und hat die meisten Vegetarier. Die Mitglieder dieser Gruppe sind überdurchschnittlich gebildet.
Die „Alleswoller“ möchten am liebsten alles: einen niedrigen Preis, eine kontinuierliche Erhältlichkeit von Lebensmitteln sowie ein makelloses Aussehen bei gleichzeitiger Befürwortung von Bio und Regionalität. Sie sind weiterhin der Auffassung, dass Lebensmittel so teuer wie nie zuvor sind. Mitglieder dieser Gruppe wissen im Vergleich zu den anderen Gruppen am wenigsten über die Ernährungswirtschaft, auch ist ihr genereller Bildungsstand deutlich unterdurchschnittlich. Sie sind verstärkt in großen Städten aufgewachsen und eher dem mittleren Lebensabschnitt ab 40 Jahre zugehörig.
Die „Produktiven“ stehen einer Technisierung der Lebensmittelproduktion am positivsten gegenüber. Biolabel spielen für diese Verbraucher keine Rolle; sie kaufen bevorzugt im Discounter. Diese Gruppe bringt der Ernährungswirtschaft das größte Vertrauen entgegen. Mitglieder dieser Gruppe sind etwas häufiger in ländlichen Regionen aufgewachsen und leben auch heute in kleineren Dörfern.
Kayser ging auch der Frage nach, warum Natürlichkeitsaspekte einen immer größeren Stellenwert haben. Ein Grund ist die zunehmende Entfremdung von der Produktion und eine „Romantisierung“ der Prozesse. Die zunehmende Technisierung wird als negative Veränderung von Naturprozessen angesehen. Hinzu kommt eine mangelhafte Grundlage für Vertrauen (geringer Anteil an Markenartikeln, Anonymität).