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[ » LAND & Forst » Content » Landleben » Gesundheit & Ernährung » Lebensmittel_Müll ]
Montag, 21.05.2012
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Gesundheit & Ernährung | 26.01.2012 Redaktion Land und Forst

Bäuerinnenforum: „Die Hälfte landet auf dem Müll“

Die Kartoffeln zu klein oder zu groß, überschrittene Mindesthaltbarkeitsdaten und planlose Einkäufe, die Folge: geschätzte 220 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich auf dem Müll.
Verloren gegangene Wertschätzung von Lebensmitteln mahnte Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) in ihrem Grußwort an.© Zdravkovic
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Verloren gegangene Wertschätzung von Lebensmitteln mahnte Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) in ihrem Grußwort an.
© Zdravkovic
Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) führte 300 landwirtschaftliche Unternehmerinnen zum Thema Lebensmittelverschwendung  zu einem Dialog zusammen. Verloren gegangene Wertschätzung von Lebensmitteln mahnte Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) in ihrem Grußwort an. Die Hälfte der Lebensmittelproduktion landet in den Industrieländern nach Schätzung der Weltternährungsorganisation (FAO) auf dem Müll.
 
Wenn man sich die übervollen Einkaufskörbe von jungen Menschen ansieht, glaube man, die kaufen für die gesamte Woche ein. „Viele junge Menschen wissen beim Einkaufen nicht, wie viel sie für ein Wochenende benötigen, sie kaufen planlos ein“, kritisierte Scherb. Es sei daher kein Wunder, dass ein Drittel unserer Nahrungsmittel entsorgt werde.  Das Thema Lebensmittelverschwendung gehe uns alle an: sowohl Landwirte, Lebensmittelverarbeitung, Handel, Verbraucher und auch die Politiker. Gemeinsam müsse überlegt werden, wie die Verschwendung anzugehen sei. Früher wurde das Grundwissen in den Schulen vertieft.
 
Hauswirtschaft müsse wieder einen höheren Stellenwert haben. „Die Landfrauen unterstützen daher die Initiativen des Bundeslandwirtschaftsministerium, die zu verbessertem Verbraucherwissen führen“, betonte die dlv-Präsidentin. Die langjährigen Bildungsprojekte der Landfrauen zumThema Kochen, zum richtigen Umgang mit Nahrungsmitteln sowie zum Haushalten führten nachhaltig zu sichtbaren Änderungen im Umgang mit Lebensmitteln. Deshalb forderte Scherb, dass die Verbraucherbildung als Schulfach in allgemeinbildenden Schulen fest verankert wird. „Denn nur wer mit Lebensmitteln richtig umgeht, kann sie auch wertschätzen.“

Der Regisseur Valentin Thurn zeigte mit Kurzbeiträgen aus seinem Film „Taste the waste - Die globale Lebensmittelverschwendung“ einige Ursachen auf. In Supermärkten würden zum Beispiel die Brotregale bis 18 Uhr noch mit sämtlichen Brotsorten bestückt, Milchprodukte werden zum Teil noch vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums entsorgt. Hinzu kämen die teilweise unsinnigen Vermarktungs- und Handelsnormen, die von den Landwirten fordern, nicht normgerechte Erntemengen zu vernichten. „Der Verbraucher will nur Produkte, die auch gut aussehen“, so Thurn. Es sei daher kein Wunder, dass der Handel diese Ware fordere.

Dass nicht alle im Film gezeigten Szenen der üblichen Praxis entsprechen, verdeutlichte Petra Nüssle vom Deutschen Bauernverband. Gezeigt wurde im Film ein Kartoffelanbauer, der 45 Prozent seiner Ernte auf dem Acker liegen lassen muss, weil die Kartoffeln nicht der Norm entsprechen. „So sehen unsere Äcker nicht aus“, konterte Nüssle; denn bei zehn Euro je Doppelzentner könnten nicht 50 Prozent der Kartoffelernte auf den Äckern liegen bleiben. Die Norm gelte zum Beispiel nicht für Direktvermarkter.

Dass auch der Handel aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse an Verlusten hat, bekräftigte Hans Jürgen Matern von der Metro AG, die ihre Produkte in 33 Ländern vermarktet. Dort seien die Vorschriften nicht so ausgereift wie in der BRD, so Matern. Die Metro erhält täglich Frischware, Fisch wird sogar zweimal angeliefert. Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz überschritten haben, gehen vorwiegend an die Deutsche Tafel, der Rest wandert in die Bioanlage. Der Vorstandsvorsitzende der Tafel Gerd Häuser lobte die Möglichkeit, durch die angelieferten essbaren Lebensmittel noch rund 1,5 Millionen bedürftige Menschen versorgen zu können. Er schätzt die Zahl der Notleidenden in Deutschland auf rund acht Millionen.

Dr. Evelyn Schmidtke vom Verbraucherzentrale Bundesverband forderte in der Diskussion mehr Verantwortung von allen Akteuren einschließlich der Politiker: z.B. mehr Aufklärung beim Haltbarkeitsdatum. Das sei auch schon ein Schritt in die Richtung, dass nicht mehr so viele Lebensmittel vernichtet werden. Der Parlamentarische Staatssekretär von Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Gerd Müller, verwies auf die aktuelle Kampagne zum Mindesthaltbarkeitsdatum. Es werde fälschlicherweise oft mit dem Verfallsdatum verwechselt. Mit der vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie zu Lebensmittelabfällen in Deutschland werde eine Basis geschaffen, wie man die Lebensmittelvernichtung vermeiden kann. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im März vorliegen. Dem fügte dlv-Präsidentin Scherb hinzu: „Die Aktionen der Landfrauen, wie Kochen mit Kindern, der richtige Umgang mit Nahrungsmitteln führen bereits zu Veränderungen im Umgang mit Lebensmitteln.“ Deshalb fordere der dlv, dass die Verbraucherbildung als Schulfach in allgemeinbildende Schulen ver-
ankert wird.
Maria Zdravkovic
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