Berge, Wald und Wasser sind die vorherrschenden Landschaftselemente im Westen Kanadas.
Fotos: Brüggemann
Gelandet in Calgary, der Olympiastadt von 1988, ging es nach Stadtbesichtigung und einer Orientierung vom mit 199 Metern höchsten Turm, gleich raus aufs Land. Die Provinz Alberta ist, bedingt durch Vorkommen von Erdöl, Gas und Kohle, die reichste von zehn Provinzen. Der landwirtschaftliche Schwerpunkt liegt auf der Getreide- und Rinderproduktion. So besuchten wir zunächst ein so genanntes Feedlot, eine Mastparzelle, in der 12.000 Rinder im Lohn gemästet werden.
Zu Gast bei Hutterern
Äußerst beeindruckend war der Besuch einer Siedlung von Hutterern, die wie Amish und Menoniten zu den Wiedertäufern gehören und die während der Reformationszeit vorwiegend aus Deutschland vertrieben worden waren. Anders als die beiden anderen Gemeinschaften betreiben sie eine moderne, sehr intensive Landwirtschaft, pflegen aber ansonsten ebenso ihre alten Traditionen. Gottesdienste werden bis heute in deutscher Sprache gehalten. Wir wurden als Gäste aus der alten Heimat ausgesprochen freundlich empfangen und durften nach dem gemeinsamen Essen und Singen die Wohnhäuser besichtigen.
33 Reiselustige aus ganz Niedersachsen hatten im Herbst letzten Jahres die Ankündigung in ihrer LAND & Forst gelesen und sich für die Teilnahme entschieden.
Auf der „Rafter Six Ranch", am Fuße der Rocky Mountains gelegen, wo Colonel Walker um 1800 schon Pferde für die Armee züchtete und Holz zum Fort Calgary flößte, wurden unsere Fähigkeiten im Reiten und Lassowerfen geprüft. Weiter ging es durch den Nationalpark in den Bergen von Banff mit atemberaubenden Landschaften. Mit 6.641 Quadratkilometern ist dieses Schutzgebiet so groß wie Schleswig-Holstein. Nach einer Auffahrt auf den 2.281 Meter hohen Sulphur Mountain und einem Bad in den 39 °C heißen Quellen ging es zum traumhaft gelegenen Lake Louise und weiter Richtung Pazifik.
Während der Stopps auf dem Weg in die westlich angrenzende Provinz British Columbia (BC) erhielten wir Informationen zum Blockhausbau oder zum Obst- und Weinbau im Okanagantal sowie über die historischen O‘Keef- Ranch. In BC besuchten wir als erstes Gary Brink, der mit seiner Familie 150 Kühe melkt. Die Überfahrt nach Vancouver Island, der malerischen Insel vor der Westküste, wurde zum besonderen Erlebnis, als neben der Fähre Orcawale auftauchten. Auf der 450 km langen Insel besuchten wir Victoria, die Hauptstadt von BC, sowie den Butchard Garden, einen in einer Tonkuhle auf 20 ha angelegten Prachtgarten mit über 5.000 Blumenarten.
Ein Teil der Gruppe konnte mit Vertretern des Forstministeriums von British Columbia in die Berge fahren, um Holzeinschlag zu beobachten. Denn neben wuchtigen Bergen, klaren Seen und gewaltigen Gletschern prägen vor allem riesige Wälder das Bild der Landschaft. So ist, anders als zuvor in Alberta gesehen, die Holzindustrie der wichtigste Wirtschaftszweig der Provinz BC.
Für Landwirte immer interessant: alte Landtechnik auf der O‘Keef-Ranch.
Der andere Teil der Gruppe informierte sich im Qu‘wutsun-Kulturzentrum über das Leben der Ureinwohner. Die Bezeichnung Indianer wird heute nicht mehr verwendet, vielmehr spricht man von der „Ersten Nation" (first nation). Im „Tin Wis", einem Holzhotel direkt am Pazifik, das von Angehörigen der Ersten Nation betrieben wird, hieß es dann ausspannen und Wale, Bären, Biber und Fischadler beobachten.
In Port Alberni besichtigten wir ein Sägewerk und bestaunten unterwegs riesige Zedern und Douglasien, die bis zu 800 Jahre alt sind. Mit einer Stadtbesichtigung in Vancouver, der „Perle am Pazifik", und dem Sonnenuntergang an der English Bay ging eine wunderschöne Reise zu Ende.
In einer späteren Ausgabe werden wir dann detaillierter über die besuchten Betriebe berichten.