Lotta trifft sich regelmäßig mit ihrem besten Freund Ludwig im Café! Dort schnacken sie über das Leben und die Liebe. In dieser Ausgabe: Lotta übt Mathe und das Glücklichsein.
Ich habe geübt - wie für die Abiturprüfung in Mathe. Wochenlang. Und das Resultat kann sich sehen lassen. Der Trainingsablauf: zuerst den einen Mundwinkel nach oben ziehen, dann den Zweiten und vorsichtig vor den Spiegel treten. Das Ergebnis ähnelt dem Fratzengesicht des Jokers. Diese Feststellung sorgt dafür, dass ich laut losprusten muss - et volià: da ist das Lächeln, dass mir mein Ex-Freund Pete vor etwa drei Wochen geklaut hat. Ich sitze mit Ludwig im Café und präsentiere mich im neuen Glanz: neue Schuhe, neue Frisur - neues Lachen! Klappt doch wunderbar. Mathe ist einfach und logisch. Erst den einen Mundwinkel nach oben ziehen, dann den Anderen. Dieser Ablauf ist mittlerweile kaum erkennbar. Ich komme somit immer schneller zum Ergebnis. Stolz lächle ich Ludwig an. Doch statt Applaus - folgt ein skeptischer, sorgenvoller Blick meines Gegenübers. Aus der Addition wird eine Subtraktion. Mein Lächeln verschwindet. Tränen laufen über die Wangen und wischen meinen Trainingserfolg der vergangenen Wochen einfach weg. Und was lernen wir daraus: Liebe ist genauso unlogisch und blöd wie Mathe.
Eure
Lotta
Es mag ja sein, dass der französische Präsident es geschafft hat ein Model zu heiraten, dass die Hauptstadt Frankreichs die Stadt der Liebe sein soll und dass der französische Akzent etwas Betörendes hat, aber für unseren Landstreicher Pete aus der Bretagne und meine Lotta hat das alles nicht gereicht.
Jetzt sitzt Lotta wieder vor mir, pustet sich gekonnt eine Strähne aus dem Gesicht, schlägt die Beine übereinander, um charmant auf ihre neuen Schuhe hinzuweisen und lächelt. Vor ihr steht etwas, was jeder traditionellen Kaffeerösterei vor Wut die Tränen in die Augen treiben würde, irgendeine Art Latte Macchiato mit Karamellsirup und Sahne und man hat das Gefühl, das kleine Beziehungsintermezzo mit unserem französischen Backpacker liegt bereits weit, weit hinter ihr.
Es könnte alles wieder normal werden, ich schiele zu der Zeitung hinüber, die verlassen auf dem Nachbartisch liegt und höre Lotta schon von der neuen Herbstmode schwärmen, aber als ich ihr dann in die Augen sehe, denke ich dasselbe wie bei den Fotos von Carla Bruni: Schöne Frau, aber irgendetwas stimmt da doch nicht in ihrem Beziehungsleben...
Euer
Ludwig