Die Bedeutung von Körnermais hat in Niedersachsen leicht zugenommen. Besonders auf zur Trockenheit neigenden Böden ist der Anbau von Körnermais interessant - geeignete Sorten vorausgesetzt. Nachfolgend Empfehlungen für Niedersachsen.
Vollbeladene Hänger: Körnermais brachte dieses Jahr gute Hektarerlöse.
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Auch in diesem Jahr konnten die Betriebe, die Körnermais in ihrer Fruchtfolge mit anbauen, sehr zufrieden sein. Vielfach hat der Körnermais die unterdurchschnittlichen Ergebnisse des Winter- und Sommergetreides einigermaßen ausgleichen können. Denn während das Getreide stark unter der Frühjahrstrockenheit gelitten hat, hatte der Mais in diesem Jahr Glück mit der Witterung.
Anfänglich führte die Trockenheit vereinzelt zu Problemen bei einem gleichmäßigen Auflaufen der Bestände, doch in der Regel hat die Bodenfeuchtigkeit für die Keimung ausgereicht. Mit zunehmendem Wachstum des Maises setzten ausreichende Niederschläge ein, so dass sich die Pflanzen gut entwickeln konnten. Erst im August überstieg das Wasserangebot durch ständige Niederschläge den zu dieser Zeit hohen Bedarf des Maises.
Zur Blüte und Kornfüllung herrschten insgesamt günstige Bedingungen, auch wenn es im Sommer für den Mais noch etwas wärmer hätte sein dürfen. In weiten Teilen Niedersachsens ließen die Niederschläge im September und Oktober stark nach, so dass der Körnermais in dieser Zeit gut und ungestört ausreifen und abtrocknen konnte. Die Körnermaisernte konnte zum normalen Zeitpunkt unter günstigen Bedingungen und mit normaler Kornfeuchte im Bereich von gut 30 % eingefahren werden.
Erlöse und Erträge stimmen
Die Marktbedingungen waren und sind in diesem Jahr zwar auf geringerem Niveau als im Vorjahr, doch die bislang sehr stabilen Preise zwischen etwa 18 und 20 € pro dt geben keinen Anlass zur Klage. In Kombination mit dem guten Ertragsniveau hat der Körnermais nicht selten das beste betriebswirtschaftliche Ergebnis der Betriebe erzielt.
Auf Basis der Anbauplanung hat die Körnermaisfläche im Jahr 2011 um 3,9 % zugenommen. Die für den Körnermais zur Aussaat eingeplante Fläche betrug in Niedersachsen in diesem Jahr rund 95.000 ha. Aufgrund der sehr guten Silomaisernte und des interessanten Körnermaispreises kann aber davon ausgegangen werden, dass zusätzlich einige tausend Hektar Silomais als Körnermais oder CCM geerntet wurden.
Diese Flexibilität bietet nur Mais, er kann in vier verschiedenen Verfahren geerntet werden, je nachdem wie sich Bedarf, Ertrag und Marktlage entwickeln. Wer sich diese Option offenhalten möchte, sollte allerdings auch bei der Sortenwahl für die Silomaisfläche schon die Möglichkeiten einer Körnernutzung mit im Blick haben.
40 Sorten geprüftt
Die Ergebnisse der Landessortenversuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bieten hier ein gutes Instrument, um die Sortenleistungen in beiden Nutzungsrichtungen richtig einschätzen zu können. Die Ergebnisse für die Silonutzung wurden bereits in der Ausgabe 50 und die für den Energiemaisanbau in der Ausgabe 51 vorgestellt. Nachfolgend nun die Ergebnisse der Landessortenversuche Körnermais.
Für die Bewertung der Maissorten in ihrer Körnermaiseignung werden von den drei niedersächsischen Bodenklimaräumen die Regionen Ost- und Südniedersachsen zusammengefasst, so dass lediglich zwischen Nord- und Südniedersachsen unterschieden wird. Zusätzlich zu den aus der Karte ersichtlichen Standorten werden für die Region Süd ein angrenzender LSV-Standort aus Sachsen-Anhalt sowie mehrere Standorte aus Nordrhein-Westfalen mit einbezogen. Im nördlichen Niedersachsen finden auch Versuche aus dem Süden Schleswig-Holsteins bei der Sortenbewertung Berücksichtigung.
In den Landessortenversuchen Körnermais wurden in diesem Jahr insgesamt 40 Maissorten geprüft; 16 Prüfsorten standen im frühen Sortenspektrum bis K 220, 24 im mittelfrühen Sortiment von Reifezahl K 230 bis K 250. Die Sortenempfehlung erfolgt auf Basis der mehrjährigen Verrechnung der einzelnen Sortenergebnisse in absteigender Rangfolge am Merkmal der bereinigten Marktleistung. Die-se wird aufgrund der in den Versuchen ermittelten Ertragsdaten errechnet, wobei sowohl die Trocknungskosten als auch der Trocknungsschwund berücksichtigt werden. Dieser Berechnung liegt ein angenommener Marktpreis von 20 €/dt, Trocknungskosten in Höhe von 0,095 € je Feuchteprozent und ein Schwundfaktor von 1,35 zugrunde. Berechnet werden hierbei die Trocknungskosten bis zum Erreichen der Basisfeuchte von 15 % sowie der Markterlös inklusive 10,7 % Umsatzsteuer.
Für die Nutzungsrichtung CCM gilt lediglich die mehrjährig ermittelte Kornertragsfähigkeit einer Sorte als Kriterium für eine Sortenempfehlung. Ein direkter Vergleich zwischen den Sortimenten früh und mittelfrüh ist nicht möglich, da die Datengrundlage zum Teil auf verschiedene Standorte zurückgeht.
Region Süd
Im südlichen Niedersachsen werden die Sorten Amagrano (K 210), Ricardinio (K 220), Silvinio (K 210) und Laurinio (K 200) aus der frühen Reifegruppe für die Körnermaisproduktion empfohlen. Aus dem mittelfrühen Sortiment werden für entsprechend geeignete Standorte die Sorten Amoroso (K 230), Grosso (K 250), Amball (K 230), Tiberio (K 230), Amaryl (K 230), Maritimo (K 240) und Luigi CS (K 250) empfohlen.
Die Sorte Marcelinio erreichte den höchsten monetären Ertrag, allerdings fällt sie durch erhöhte Stängelbruchgefahr auf. Sie wurde in 2011 bereits nicht mehr mitgeprüft. Ihre Empfehlung beruht auf den bis zum letzten Jahr ermittelten überzeugenden Daten.
Für die Produktion von CCM werden aufgrund der guten Kornertragsleistungen die Sorten Amagrano (K 210), Ricardinio (K 220) und Silvinio (K 210) aus dem frühen Sortiment empfohlen. Aus dem Portfolio der mittelfrühen Sorten eignen sich besonders die Sorten Marcelinio (K 240), Grosso (K 250) und Luigi CS (K 250) für den CCM-Anbau.
Region Nord
Im nördlichen Niedersachsen konnten sich aus dem frühen Körnermaissortiment über mehrere Jahre hinweg die Sorten Amagrano (K 210), Ricardinio (K 220) Silvinio (K 210) und Padrino (K 210) behaupten und werden daher für den Körnermaisanbau empfohlen. Aus dem mittelfrühen Sortiment zeichneten sich besonders die Sorten Marcelinio (K 240), Amoroso (K 230), Grosso (K 250), Amball (K 230), Tiberio (K 230), Amaryl (K 230) und Maritimo (K240) aus und werden für entsprechende Standorte empfohlen. Auch hier sei auf die Stängelbruchgefahr der Sorte Marcelinio hingewiesen.
Die neu zugelassene Sorte Amamonte (K 240) wird für den Probeanbau empfohlen.
Für eine Nutzung als CCM eignen sich besonders die frühen Sorten Amagrano (K 210) und Ricardinio (K 220). Bei den mittelfrühen Sorten sind es Marcelinio (K 240), Amoroso (K 230), Grosso (K 250) und Maritimo (K 240), die sich durch ihre hohen Kornerträge besonders für die CCM-Produktion eignen. Die neue Sorte Alduna (K 250) ist für den Probeanbau empfohlen.
Die Bedeutung des Körnermaises hat in Niedersachsen im Durchschnitt der letzten Jahre leicht zugenommen, während gleichzeitig der Getreideanbau aus verschiedenen Gründen rückläufig ist. Insbesondere auf zur Trockenheit neigenden Böden ist der Anbau von Körnermais interessant, da die C4-Pflanze nicht so empfindlich auf Trockenstress reagiert wie die meisten Getreidearten (C3-Pflanzen). So erreicht Körnermais nicht nur höhere Erträge, sondern vor allem auch sichere Erträge. Das Ertragsrisiko ist bei Mais als vergleichsweise gering zu bewerten.
Diese Eigenschaften machen den Mais gerade für den prognostizierten Klimawandel sehr interessant, denn er wird mit den sich ändernden Witterungsbedingungen gut fertig werden und bei steigender Durchschnittstemperatur eher noch mit Ertragszuwachs reagieren.
Hier finden Sie zugehörige Tabellen zum Herunterladen: