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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Kartoffeln » LSV-Ökokartoffeln ]
Montag, 21.05.2012
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Kartoffeln | 05.01.2012 Redaktion Land und Forst

Sortenversuche: Übergrößen auch in Ökokartoffeln

Die Erträge der Kartoffeln aus ökologischem Anbau 2012 bewegen sich im langjährigen Mittel. Der Anteil an Untergrößen eher geringer als in den Vorjahren, Übergrößen haben tendenziell zugenommen.

Das Abschlegeln ist auch im Ökolandbau eine Standardmaßnahme. Einige Betriebe flämmen anschließend die Bestände noch einmal ab, um die Spätverunkrautung zu beseitigen.© Mücke
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Das Abschlegeln ist auch im Ökolandbau eine Standardmaßnahme. Einige Betriebe flämmen anschließend die Bestände noch einmal ab, um die Spätverunkrautung zu beseitigen.
© Mücke
Das Marktgeschehen 2011 wies eine ganz eigene Dynamik auf. Zunächst wurden aus der Ernte 2010 noch überschaubare Mengen zu dem seit Jahren im Ökokartoffelanbau üblichen Preisniveau um 60 €/dt gehandelt. Der Import größerer Mengen ausländischer Frühkartoffeln außerhalb der üblichen Handelswege setzte eine Entwicklung in Gang, die nicht unerheblich zu Verwerfungen auf dem deutschen Markt beitrug.

Noch bevor die Importware abverkauft war, wurden aufgrund der günstigen Witterungsbedingungen im Frühjahr schalenfeste Bio-Frühkartoffeln aus der Pfalz angeboten. Entsprechend früher drängten auch Anschlusssorten nach, sodass der Eindruck entstand, dass nachhaltig erhebliche Übermengen den Markt überschwemmen würden. Als Folge fielen die Preise ins Bodenlose und verharren dort seither. Die 2010 gegründete Interessengemeinschaft der Biokartoffel-Erzeuger (www.bke-verein.de) versucht Erzeugerinteressen gegenüber Marktpartnern und der Öffentlichkeit zu vertreten.
 
Die deutschlandweite Vernetzung von Erzeugern und teilweise auch Vermarktern verbesserte die Markttransparenz insbesondere während der sensiblen Preisbildungsphase erheblich. Die Empfehlung an die Mitglieder, bei Preisgeboten unter 30 €/dt bevorzugt in die Einlagerung zu gehen, wurde zumindest soweit befolgt, dass die Preisuntergrenze bis Dezember 2011 gehalten werden konnte. Diese Preisdisziplin durchzuhalten wäre auf jeden Fall ein Erfolg. Entsprechende Aktivitäten verdienen jede nur denkbare Unterstützung.

Zur Ernte 2011 ist aufgrund der zum Teil sehr schwierigen Witterungsbedingungen noch eine Besonderheit zu erwähnen: Die lange Verweildauer der Knollen im Boden hat auch zu Qualitätsmängel geführt. So zeigten sich bei den Erntebonituren erheblicher Drahtwurmfraß und Rhizoctoniabefall. Auch faule Knollen und Erwinia-Infektionen waren unter diesen Bedingungen häufiger als in Durchschnittsjahren anzutreffen.

Sortenversuch 2011

Auch 2011 war Schmölau einer von sieben bundesweiten Standorten mit identischen Prüfsortimenten, eingebunden in ein Projekt des Bundesprogramms ökologischer Landbau (BÖL) und koordiniert durch den Fachbereich Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen. Schwerpunkt des Vorhabens ist die Erweiterung der Öko-Landessortenversuche um zusätzliche, für den ökologischen Kartoffelanbau bedeutsame Bonituren und Ertragsparameter. So wird über die Durchführung dreier Zeiternten ab Ende Juni der sortenspezifische Ertragsaufbau und der eventuell daraus abzuleitende Verzicht einer Kupferbehandlung gegen Krautfäule ermittelt. Umfangreiche Bonituren von Rhizoctonia/Dry-Core und Drahtwurmbefall runden das Versuchsprogramm ab. Abschließend werden in der Versuchsstation Dethlingen die Lagereigenschaften der identischen Sortimente der sieben Standorte zentral bewertet.

Erste Ergebnisse (Ertragsvergleich) der vier norddeutschen Standorte mit sandigen Böden sind in Tabelle 2  zusammengefasst. Die Auspflanzung des vorgekeimten Pflanzgutes erfolgte in Schmölau (östlicher Rand des Kreises Uelzen am 19. April. Der N-Bedarf wurde durch Kleegras als Vorfrucht (Aussaat Mai 2010) mit Frühjahrsumbruch und Rottemistgabe im Frühjahr gedeckt (N min am 3. Mai: 88 kg in 0 bis 60 cm Tiefe). Infolge milder Temperaturen waren alle Sorten bis Mitte Mai aufgegangen. Nachtfrostschäden traten nicht auf. Der Beregnungsbedarf von Mitte Mai bis Mitte Juni summierte sich auf drei Gaben von je 25 mm. Kartoffelkäfer traten ab Mai auf. Die Bekämpfung mit Neem-Azal Mitte Juni bewirkte eine völlig ausreichende Reduzierung.

Ab Ende Juni erfolgten in zehntägigem Abstand insgesamt drei Zeiternten des gesamten Sortiments. Mit einsetzenden Niederschlägen ab Mitte Juni erhöhte sich langsam der Krautfäuledruck. Die Bestände starben ab Mitte Juli zügig ab. Die Ernte erfolgte unter nicht zu feuchten Bedingungen am 14. September. Fäulnis trat in relativ geringem Umfang auf, ohne extreme Auffälligkeiten bei den einzelnen Sorten.

Trotz Beregnung konnte nicht bei allen Sorten Schorfbefall verhindert werden. Bei den Sorten Annabelle, Agila, Princess und Allians betraf dies bis zu 5 % des Ernteguts. Waren bei der letzten Zeiternte am 15. Juli durchweg noch keine Rhizoctoniapocken zu sehen, ergaben die Bonituren des Ernteguts vom 14.9. doch fast in allen Wiederholungen und Sorten geringen Pockenbefall. Im Gegensatz zu manchen Praxisschlägen traten auch 2011 Dry-Core und Drahtwurmschaden im Versuch in Schmölau praktisch nicht auf, ebenso wenig Eisenflecken.

Die anderen Prüfstandorte

Am Standort Gülzow, Kreis Güstrow, Mecklenburg Vorpommern, ein lehmiger Sandboden mit mittlerer N-Versorgung, erfolgte die Auspflanzung später. Nach der Frühjahrstrockenheit fielen ab Juni starke Niederschläge. Durch Krautfäule starb das Kraut um den 20. Juli ab. Die Ernte erfolgte am 22.08., anfällige Sorten wiesen erhebliche Eisenflecken auf.

In Wiedenbrück, Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen, ein Sandboden, lag eine hohe N-Versorgung vor. Frühjahr und Vorsommer waren zu trocken, das Kraut starb durch Krautfäule um den 20. Juli ab. Die Ernte erfolgte am 4.09. Die Partien wiesen starken Dry-Core und Drahtwurmbefall auf, anfällige Sorten zeigten erhebliche Eisenflecken.
Am Standort Osnabrück, ein lehmiger Sandboden, herrschte 2011 eine knappe N-Versorgung vor. Frühjahr und Vorsommer waren zu trocken, das Absterben durch Krautfäule erfolgte um den 25. Juli. Trotz Ernte am 18.08. zeigte sich bereits erheblicher Dry-Core und Drahtwurmbefall, einige Sorten wiesen starken Rhizoctoniapockenbefall auf.

Fest kochende Sorten stehen bei den Prüfungen an erster Stelle. Solche sind zunehmend auch in der sehr frühen Reifegruppe vertreten. Einige davon wurden wegen ihres zu erwartenden schnelleren Ertragsaufbaus mitgeprüft. Auch wenn vorwiegend fest kochende und mehlige Sorten im Ökoanbau weniger verbreitet sind, wurden doch einige neuere Sorten berücksichtigt, um ihre Eignung zu prüfen.

Festkochende Sorten

Princess und Ditta sind noch die wichtigsten Sorten bei Ökokartoffeln im LEH und Discountbereich. Bei den in den vergangenen Jahren neu zugelassenen Sorten ist noch kein klarer Favorit zu erkennen. Die beiden Norika Sorten Salome und Agila konnten wegen zu später Auslieferung nicht an allen Standorten ausreichend vorgekeimt werden. Das ist bei der Bewertung der Unter- und Übergrößenanteile in den Tabellen zu berücksichtigen.

Reifegruppe sehr früh:

Annabelle ist eine ausgesprochene Frühkartoffel mit hoher Keimfreudigkeit. Für dieses Segment bringt sie ansprechende Knollen mit guten Speiseeigenschaften. Für eine Vermarktung über den Großhandel ist sie aufgrund mangelnder Robust-
heit und Lagerfähigkeit nicht zu empfehlen. Die Sorte eignet sich vorrangig für die frühe Direktvermarktung. Der Ertrag ist über Standorte und Jahre eher unterdurchschnittlich. Auf Standorten mit Eisenfleckenvorkommen zeichnet die Sorte deutlich.

Anuschka von Europlant (EU-Sortiment) ist sehr keimruhig, deshalb sollte sie sorgfältig Keim gestimmt werden. Dann ist sie auch zu zügiger Ertragsbildung in der Lage. Die eher grob fallende Form und eine gewisse Anfälligkeit für Eisenflecken stehen einer weiteren Verbreitung entgegen. Der Ertrag ist häufig überdurchschnittlich, Übergrößen kommen oft vor. Auf Standorten mit Eisenfleckenvorkommen zeichnet sie deutlich.

Salome von Norika ist seit 2001 zugelassen. Für eine zügige Ertragsbildung muss sie sorgfältig vorgekeimt werden. Trotz früher Abreife ist sie gut lagerfähig. Ertraglich schnitt sie in Schmölau eher enttäuschend ab. Eine besondere Eignung für den Ökobereich zeichnet sich nicht ab. Der Ertrag über alle Standorte und Jahre ist ebenfalls unterdurchschnittlich, teilweise erhöhter Untergrößenanteil.

Reifegruppe früh:

Agila von Norika ist eine neuere fest kochende Sorte der Norika. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre bringt sie ohne Vorkeimung schnell sichere Marktwareerträge. Bei langer Vegetationszeit kann das auch zu erhöhtem Übergrößenanteil führen. Wegen der hellen Fleischfarbe und eines zu häufig unbefriedigenden Speisewertes ist ihre Vermarktbarkeit zunehmend eingeschränkt. Ohne Abnahmezusage eines Vermarkters sollte ein Anbau überdacht werden. Der Ertrag liegt selten unter Durchschnitt, nicht immer Übergrößenbildung.

Belana von Europlant steht bei der Speisequalität weit vorn. Wegen des starken Knollenansatzes, schwierigen Auflaufverhaltens, der langsamen Ertragsbildung und geringen Krautfäuletoleranz ist sie für den ökologischen Anbau weniger geeignet. Aufgrund ihres hohen Speiswertes, der guten Lagereignung und der auch 2011 zu beobachtenden geringen Schorfanfälligkeit ist dennoch ein steigendes Anbauinteresse zu vermerken. Der Ertrag liegt über die Jahre und Standorte knapp unter dem Durchschnitt bei etwas erhöhtem Untergrößenanteil. Übergrößen sind selten zu verzeichnen. Auf Standorten mit Eisenfleckenvorkommen zeichnete die Sorte deutlich.

Mirage von Solana blieb bei verhaltener vegetativer Entwicklung im Marktwareertrag über alle Jahre und Standorte unter dem Durchschnitt. Die formschönen, eher kleinfallenden Knollen können in der Geschmacksbewertung mithalten. Eine erhöhte Schorfempfindlichkeit (BSA-Note 6) ist zu berücksichtigen! Die Sorte ist eher für bessere Standorte zu empfehlen.

Princess von Solana ist im Ökokartoffelanbau eine bedeutende Sorte. Unter eher schwachem Laub bildet sie relativ früh Erträge. Problematische Eigenschaften, wie unzureichende Keimruhe, Durchwuchsneigung und der bei geringem Stärkegehalt mangelhafte Geschmack, sind mittlerweile bekannt. Dennoch ist sie begehrt für die frühe Vermarktung in der Abpackung direkt vom Feld bzw. nach Zwischenlagerung. Die Erträge sind je nach Vegetationsverlauf schwankend, ein erhöhter Untergrößenanteil kommt vor, Übergrößen sind eher selten. Auf Standorten mit Eisenfleckenvorkommen zeichnet die Sorte deutlich.

Sissi von der Bavaria Saat ist eine neue festkochende Sorte mit sehr guten Speiseeigenschaften. Nach Sortenliste und ersten Erfahrungen sind keine besonderen Schwächen zu erkennen. Sie ist vergleichsweise langsam in der Ertragsentwicklung. Der Ertrag liegt über alle Standorte und Jahre deutlich unter dem Durchschnitt, die Größensortierung ist jedoch zumeist ausgeglichen. Sie ist gut geeignet für Direktvermarkter.

Reifegruppe mittelfrüh:

Adelina ist eine festkochende Sorte von Europlant  in der mittelfrühen Reifegruppe. Bereits bei den Zeiternten zeigte sich, dass diese Sorte extrem spät mit der Ertragsbildung beginnt. Der erhöhte Anteil Untergrößen zeigt, dass die Ertragsbildung einen langen Zeitraum benötigt. Die Krautbildung ist sehr üppig, eine besondere Krautfäuletoleranz ist jedoch nicht festzustellen. Allein aufgrund dieser Eigenschaften erscheint die Sorte für den ökologischen Anbau weniger geeignet. Häufig erhöhter Untergrößenanteil und überwiegend unterdurchschnittliche Erträge zeigen, dass die Sorte aufgrund der begrenzten Wachstumszeit ihr Ertragspotenzial zumeist nicht umsetzen kann.

Allians, eine EU-Sorte der Europlant, bringt lange, tiefgelbe Knollen mit überdurchschnittlicher Geschmacksbeurteilung. Aufgrund ausgeprägter Keimruhe, hohen Knollenansatzes und eines langsamen Ertragsaufbaus benötigt sie eine lange Vegetationszeit. Die hohe Krautfäuletoleranz des Laubes hilft in Jahren mit mäßigem Krautfäuledruck. Die Versuchsergebnisse zeigen, dass bei langer Wachstumszeit hohe Erträge realisiert werden können, diese aber bei ungünstigen Bedingungen unter dem Durchschnitt bleiben. Kritisch ist die Anfälligkeit gegenüber Schorf und Rhizoctonia. Vom Speisewert her eine interessante Sorte, jedoch nicht für jeden Ökostandort und jeden Vegetationsverlauf geeignet.

Ditta von Europlant bestätigt über Jahre ihre Bedeutung für den Ökokartoffelmarkt in Norddeutschland. Mit relativ sicheren Erträgen und hohem Marktwareanteil zählt sie zu den Standardsorten. Wenn Ernte und Abtrocknung optimal durchgeführt werden, ist eine Lagerung bis weit ins Frühjahr möglich. Überdurchschnittlich hohe Anteile verformter Knollen führten jedoch auch 2011 zu Absortierungen.

Finessa ist eine EU-Sorte der Solana. Bei relativ hohem Knollenansatz zeigt sie in den Versuchen einen zügigen Ertragsaufbau und in den meisten Fällen gut durchschnittliche Erträge mit günstiger Sortierung. Da sie auch in den Speisewerttests mithalten konnte,  zeigen sich Anbauer und Vermarkter interessiert. Die Lagerperiode wird zeigen, ob sich die Sorte weiter im Markt etablieren kann.

Vorwiegend festk. Sorten

Die Bedeutung der vorwiegend fest kochenden Sorten ist im ökologischen Landbau  rückläufig, weil die meisten Großhandelspartner auf fest kochende Ware setzten. Dennoch werden immer wieder einige interessante Sorten in die Versuche aufgenommen, nicht zuletzt, um damit auch den Bereich der Verarbeitungskartoffeln abzudecken, der im Ökobereich allerdings bei weitem nicht den Umfang des Frischmarkts besitzt. Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich auch nicht ab.

Reifegruppe sehr früh/früh

Biogold, eine sehr frühe EU-Sorte von van Rijn/KWS soll eine herausragende Krautfäuletoleranz besitzen. Im direkten Vergleich mit anderen Sorten waren allerdings keine starken Unterschiede erkennbar. Ertraglich liegt sie über die Jahre und Standorte eher unter dem Schnitt. Helle Fleischfarbe und runde Form stehen einer Vermarktung im deutschen Speisekartoffelsegment eher im Wege. Auf Standorten mit Eisenfleckenvorkommen zeichnete auch diese Sorte deutlich.

Elfe ist eine frühe Sorte von Europlant mit hohem Ertragspotenzial und formschönen Knollen. Sie gilt als Nachfolgerin von Marabel, reicht im Ertrag unter Öko-Anbaubedingungen jedoch nicht an diese heran, allerdings kommen weniger Übergrößen vor. Auch die Empfindlichkeit für Eisenflecken ist nach unseren Versuchsergebnissen nicht geringer als bei Marabel.

Francisca von Solana ist eine vorwiegend festkochende Sorte mit ovaler Knollenform. Sie brachte über alle Jahre und Standorte teilweise deutlich überdurchschnittliche Marktwareerträge. Die Lagerfähigkeit ist durch starke Keimfreudigkeit eingeschränkt.
Primadonna von Solana brachte über alle Jahre und Standorte mindestens durchschnittliche  Marktwareerträge mit formschönen Knollen und gleichmäßiger Sortierung. Die Ertragsbildung war zügig. In Geschmackstests erhielt sie teils überdurchschnittliche Noten, sodass erste Testläufe in der Frischvermarktung in Angriff genommen wurden.

Reifegruppe mittelspät

Jelly von Europlant aus der mittelspäten Reifegruppe ist schon einige Jahre verfügbar. Mit ihrer Neigung zu großen Knollen bei nicht allzu langsamer Ertragsentwicklung und überdurchschnittlicher Krautfäuletoleranz kann sie auch unter Bedingungen des Ökolandbaus zwar befriedigende Marktwareerträge erzielen, aber ihr Potenzial zumeist nicht voll entfalten. In den Versuchen blieb sie über die Standorte und Jahre häufig unter dem Durchschnitt. Im Lager gilt sie als unproblematisch.

Mehlige Sorten

Miranda ist eine frühe, mehlig kochende Solana-Sorte mit Verarbeitungseignung zu Pommes Frites. Bei geringem Knollenansatz bringt sie sehr schnell großfallende Marktwareerträge, der Gesamtertrag erreichte über alle Orte und Jahre zumeist den Versuchsdurchschnitt. Damit steht sie im Gegensatz zu den meisten bekannten mehligen Speisesorten, die eher langsam im Ertragsaufbau und kleinfallend sind. Die Speisewertbeurteilung ist eher durchschnittlich, die Lagerfähigkeit eingeschränkt. Miranda weist eine mittlere Anfälligkeit für Eisenflecken, Schorf und Silberschorf auf, was die Eignung für die Frischvermarktung beeinträchtigen könnte.

Neue Sorten

Da im Versuchsprojekt die neuesten Sorten derzeit nicht berücksichtigt werden können, werden erste Eindrücke zu deren Eignung im ökologischen Kartoffelanbau dargestellt (Die Daten stammen aus Demonstrationsparzellen, Versuchsdaten anderer Ansteller):

Heidi (Norika): festkochend, sehr früh, langoval, gelb, Ertrag gut durchschnittlich, zügige Ertragsbildung, aber stark schorfempfindlich und mit Mängeln im Geschmack.
Bellaprima (Europlant): Sie ist eine festkochende, sehr frühe, langovale, eher großfallende Sorte mit eher unterdurchschnittlichem Ertrag. Der Speisewert ist gut.
Ballerina (Nordd. Saaten Partner): festkochend, früh, oval, großfallend, zügige Ertragsbildung, Ertrag unterdurchschnittlich, Speisewert durchschnittlich.
Campina (Solana), festkochend, früh, zügige Ertragsbildung, überdurchschnittlicher Ertrag, aber sehr niedriger Stärkegehalt (2011 auf Lehmboden unter 10 %), der die Speisequalität deutlich negativ beeinflusst.
Musica (Vertrieb Weuthen): festkochend, früh, langoval, tiefgelb, schnelle Ertragsbildung, hoher Ertrag, sehr keimfreudig, mittelanfällig für Eisenflecken und Schorf, Speisewertbeurteilung bisher sehr uneinheitlich.
Venezia (Europlant): festkochend, formschöne Knollen, Ertragsbildung mittel, Ertrag unterdurchschnittlich, Speisequalität gut.
Bellinda (Europlant): festkochend, mittelfrüh, langoval, Ertragsbildung langsam, Ertrag unterdurchschnittlich, Speisewert gut, hohe Y-Virus-Anfälligkeit.
Größere Mengen von noch wenig eingeführten Sorten sollten nur in Absprache mit Vermarktern angebaut werden. Es sei nochmals hervorgehoben, dass hier erste Eindrücke zusammengefasst sind, die durch weitere Versuchsergebnisse und Praxiserfahrungen zu untermauern sind.
 
Hier Tabellen zum Herunterladen:
  • Tab. 1: Ergebnisse LSV Speisekartoffeln im ökologischen Anbau 2009 bis 2011
  • Tab. 2: Erträge BÖL Ökokartoffelversuch 2011 - leichte Standorte in Norddeutschland

 

Andreas Scholvin, Armin Meyercordt, LWK Niedersachsen
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