Bei der Sortenauswahl von Öko-Silomais sollte man der sicheren Abreife den Vorzug vor Ertrag geben. Hier die Ergebnisse der Landessortenversuche.
Bei den in Norddeutschland im Anbau gebräuchlichen Öko-Silomaissorten handelt es sich ausnahmslos um Hybriden.
Lange spielte Silomais in Biobetrieben kaum eine Rolle. Seit aber immer mehr hochspezialisierte Milchviehbetriebe umgestellt haben, kommt dem Mais als energiereichem Grundfutter immer größere Bedeutung zu. Bei der Sortenauswahl sollte man der sicheren Abreife den Vorzug vor Ertrag geben.
Bei den in Norddeutschland im Anbau gebräuchlichen Sorten handelt es sich ausnahmslos um Hybriden. Diese Art der Züchtung wird im Ökolandbau nicht besonders geschätzt. Mangels geeigneter Landsorten in diesem Reifebereich existieren aber keinerlei Alternativen. Nicht wenige Züchter bieten aber bereits ökologisch erzeugtes Saatgut an. Ein Blick in die Saatgutdatenbank organicXseeds kann dem
Landwirt hier wertvolle Hinweise liefern.
Die Witterung der vergangenen Jahre kam dem Mais durchaus entgegen. Die extreme Trockenheit 2011 schadete ihm nicht. Im Gegenteil. Als C4-Pflanze ist Mais in besonderer Weise an trockene Lagen angepasst. Die feuchteren Bedingungen während der Blüte führten allerdings zu besserer Befruchtung und optimaler Kornfüllung des Kolbens.
Sortenergebnisse 2011
Hohe Energie- und Stärkegehalte mit entsprechendem Trockenmasseertrag sind entscheidend für das Leistungsvermögen einer Silomais-Sorte. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist zudem eine sichere Abreife. Dies gilt besonders bei späterer Aussaat. Auch im Öko-Landbau sollte der Mais nicht zu spät gesät werden. Bewährt hat sich die Aussaat in der ersten Maidekade. Bei späteren Aussaatterminen nach dem 10. Mai sollte im nördlichen Kammergebiet bei der Sortenwahl der sicheren Abreife und nicht dem Ertrag der Vorzug gegeben werden.
Sorten mit einer Reifezahl bis S 220 sind zu bevorzugen. Wird beim Silomais die Reifezahl 240 überschritten, kann sich eine unbefriedigende Abreife ergeben. Sickerwasserbildung, höhere Gärverluste und daraus resultierend Energie- und Qualitätsdefizite sind die Folge. Um Sickerwasserverluste im Silo zu vermeiden, muss der TM-Gehalt zur Ernte über 27 % liegen.
Der niedersächsische Landessortenversuch Öko-Silomais wird seit sechs Jahren auf einem langjährig biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betrieb in Bissendorf am Rande des Wiehengebirges (Landkreis Osnabrück) angelegt. Der Versuch wurde am 11. Mai 2011 in ein trockenes gut abgesetztes Saatbett gelegt. Schwächen im Auflaufen zeigten sich bei keiner Prüfsorte. Die trockene Witterung im Mai/Juni ermöglichte stets einen optimalen Einsatz der mechanischen Unkrautregulierungsmaßnahmen. Entsprechend gut fiel der Regulierungserfolg aus.
Neben zweimaligem Blindstiegeln kam zu einem weiteren Termin die Scharhacke zum Einsatz. Als Abschlussmaßnahme wurde der Mais mit Kartoffeltechnik angehäufelt. Zur Zeit der Blüte fielen reichlich Niederschläge, sodass sich der Mais bis zur Ernte sehr gut entwickeln konnte. Mit durchschnittlich 190 dt/ha Trockenmasse wurde in diesem Jahr ein hervorragender Ertrag in den Sortenversuchen erzielt.
Die Resultate der beiden Öko-Silomaisversuche 2011 aus Schleswig-Holstein wurden ergänzend mit berücksichtigt. Es handelt sich um die Standorte Lindhöft (sandiger Lehm) und Wulfshagen (lehmiger Sand). In der Tabelle (S. 32) sind die Ergebnisse zusammengefasst dargestellt. Mit rund 150 dt/ha Trockenmasse wurden auf beiden Standorten ebenfalls gute Erträge eingefahren.
Leider liegen uns aktuell keine mehrjährigen Ergebnisse vor, da im Vorjahr die Versuche in Niedersachen und Schleswig-Holstein nicht auswertbar waren. Verständlicherweise erschweren einjährige Ergebnisse eine klare Aussage zur Anbauwürdigkeit der Sorten. Dies gilt es, bei der Bewertung der Sorten zu berücksichtigen.
Frühe Sorten (bis S 220)
Im Segment der frühen Sorten überzeugte NK Falkone. Sowohl in Niedersachsen als auch in Schleswig-Holstein wurden überdurchschnittliche Erträge eingefahren. Ebenfalls erfreulich fielen die Futterqualitäten aus. Darüber hinaus machte NK Falkone mit einer auffällig guten Jugendentwicklung auf sich aufmerksam. Sorten mit einer herausragenden Wüchsigkeit haben entscheidende Vorteile gegenüber der Unkrautkonkurrenz. Deshalb sollte bei der Sortenwahl dieser Parameter unbedingt mit berücksichtigt werden.
Die Sorte Ambrosini reifte in den Versuchen vergleichsweise früh und sicher ab. In Niedersachsen überzeugte sie mit einem erfreulichen Ertrag. In Schleswig-Holstein lag das Ergebnis im Versuchsmittel. Die Futterqualitäten bewegen sich in allen drei Versuchen um den Mittelwert. Einen positiven Eindruck hinterließ sie außerdem durch ihre zügige Jugendentwicklung. Auch Fabregas reifte in den Versuchen früh ab. In Niedersachsen fiel der Trockenmasseertrag allerdings nur unterdurchschnittlich aus. In Schleswig-Holstein erzielte Fabregas dagegen ein deutlich besseres Resultat. Die Energiedichte, besonders aber der Stärkegehalt, fielen in den Versuchen sehr gut aus.
Die Trockenmasseerträge und größtenteils auch die Futterqualitäten der Sorte Ayrro lagen in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein knapp unter dem Mittelwert. Auffällig war die hervorragende Jugendentwicklung der Sorte.
Die neu zugelassene Sorte Hobbit hatte in Niedersachsen keinen guten Start. Der Ertrag blieb deutlich unter dem Mittel. In Schleswig-Holstein fiel Hobbit nicht so stark im Ertrag ab, blieb aber auch leicht unter dem Versuchsmittel. Die Futterqualitäten schnitten dagegen auf den Standorten überwiegend gut ab. Trotz der Reifezahl S 210 zeigte Hobbit auf den Versuchsstandorten vor allem aber in Schleswig-Holstein eine verzögerte Abreife.
Die Sorte Ampezzo verfehlte in Niedersachsen den Versuchsdurchschnitt beim Ertrag nur knapp. Sehr erfreulich fielen dagegen die Erträge in Schleswig-Holstein aus. In beiden Bundesländern erzielte Ampezzo überragende Futterqualitäten. In Niedersachsen wies Ampezzo eine gute Jugendentwicklung auf. Mit überdurchschnittlichen Erträgen und Futterqualitäten hinterließ die Sorte Pralinia in Niedersachsen einen positiven Eindruck. Überragend war dort auch die hervorragende Wüchsigkeit in der Jugendentwicklung. In Schleswig-Holstein lagen der Ertrag knapp unter dem Versuchsmittel und die Futterqualitäten sogar leicht darüber.
Die Sorte Colisee wurde nur in Niedersachsen geprüft und erreichte fast durchweg Resultate knapp unterhalb des Versuchsmittels. Einen positiven Eindruck hinterließ sie allerdings auch bei der Jugendentwicklung.
Mittelfrühe Sorten
Im mittelfrühen Segment (S 230 bis 250) vermochte Amamonte in Niedersachsen im Ertrag und bei den Futterqualitäten nicht zu überzeugen. Zudem zeigte Amamonte eine auffallend schwache Jugendentwicklung. In Schleswig-Holstein bewegten sich die Resultate dagegen auf durchschnittlichem Niveau. Nur in Niedersachsen geprüft, zeigte sich Filippo weitestgehend ausgewogen. Ertrag und Futterqualitäten erreichten durchschnittliche Ergebnisse. Eine ausführliche Zusammenfassung der bundesweiten Öko-Maissortenprüfungen 2011 werden voraussichtlich ab Januar 2012 auf der Homepage des DMK (www.maiskomitee.de) veröffentlicht.
Laut der EG-Verordnung Ökologischer Landbau darf grundsätzlich nur Bio-Saat- und Pflanzgut verwendet werden. Einen guten Überblick über das bundesdeutsche Gesamtangebot erhält man tagesaktuell im Internet. Unter www.organicXseeds.de sind alle ökologisch erzeugten und vertriebsberechtigten Saatgutpartien sortenspezifisch aufgelistet. Ist dort kein Saatgut der gewünschten Sorte gelistet, darf nach Antrag bei der Kontrollstelle, auch konventionell erzeugte, ungebeizte Ware zum Einsatz kommen. Erfahrungsgemäß sind die gefragten Sorten schnell ausverkauft. Es ist daher ratsam, sich deshalb rechtzeitig um die Saatgutbestellung zu kümmern.
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