Nachdem die Anbaufläche für Sommerweizen im Jahr 2010 erneut auf unter 5.000 ha abgesunken war, konnte in 2011 eine Flächenausweitung um fast 80 Prozent verzeichnet werden.
Sommerweizen profitiert im Anbau immer dann, wenn die Aussaat von Winterweizen erschwert ist oder Kulturen auswintern.
© Raupert
Der nasse Herbst 2010 hatte die Aussaat der Winterungen erschwert. Zudem musste im Frühjahr aufgrund von Auswinterungsschäden stellenweise Winterraps in nennenswertem Umfang umgebrochen werden. Somit zeigt sich wieder einmal, dass die Anbauentscheidung vor allem dann auf Sommerweizen fällt, wenn sich die Aussaat der Winterform schwierig gestaltet oder andere Kulturen auswintern.
Aufgrund des Ertragsabstandes zum Winterweizen von langjährig gemittelt etwa 25 dt/ha wird es der Sommerweizen immer schwer haben, zu konkurrieren. Darüber hinaus ist die Konkurrenzkraft von Mais für Biogasanlagen so groß, dass die Anbauentscheidung immer häufiger zu Ungunsten des Sommergetreides ausfällt.
Aufgrund der geringen Anbaubedeutung erfolgt die Sortenprüfung des Sommerweizens eher großräumig. So fließen auch Standorte aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in die Auswertungen der Landessortenversuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit ein, um trotz des geringeren Prüfaufwandes für die jeweilige Landwirtschaftskammer ein aussagefähiges Ergebnis zu erzielen.
Erträge Marsch
Wie wertvoll diese Zusammenarbeit ist, zeigt sich in diesem Jahr, da aus der Anbauregion Marsch keine niedersächsischen Standorte einfließen können. Die ermittelten Daten stammen ausschließlich von Standorten aus Schleswig-Holstein.
Die E-Sommerweizensorten liegen in der mehrjährigen Betrachtung erwartungsgemäß tendenziell unter der Sortenleistung der A-Sorten. Zur Ernte 2011 sticht aber die E-Sorte SW Kadrilj mit einem sehr guten Ergebnis hervor und verbessert sich somit deutlich gegenüber den Vorjahren. Sonett, erstmalig geprüft, erreicht einen knapp mittleren Ertrag. KWS Scirocco folgt knapp dahinter.
Unter den A-Weizensorten zeichnet sich Tybalt konstant als leistungsstärkste Sorte aus. Zu beachten ist hier jedoch die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Ährenfusariosen. Auch Alora
präsentiert sich aus ertraglicher Sicht sehr erfreulich. KWS Chamsin ist leicht überdurchschnittlich. Granny dagegen enttäuscht und hat starke Einbußen gegenüber den durchschnittlichen Vorjahresergebnissen zu verzeichnen.
Lehmige Standorte Nordwest
Auf den lehmigen Standorten Nordwest ist der Neuzugang Sonett in diesem Jahr die beste E-Sorte. Die beiden anderen Sorten dieser Qualitätsgruppe, KWS Scirocco und SW Kadrilj, sind im Gesamtvergleich erwartungsgemäß schwächer.
Wie schon in den zurückliegenden Prüfjahren ist Tybalt die beste Sommerweizensorte im A-Segment, die auch durch ihre Gesundheit positiv auffällt. Einzige Schwäche ist die Fusarienanfälligkeit. Nach einem schwächeren Vorjahr präsentiert sich Alora sehr erfreulich.
Sehr konstante Erträge in Höhe des Standardmittels erbringt nach wie vor Granny. Auch bei dieser Sorte ist die Anfälligkeit gegenüber Ährenfusariosen erhöht. Nach deutlich besseren Ergebnissen in der Vergangenheit fällt KWS Chamsin zur aktuellen Ernte 2011 unter das Mittel zurück. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Erträge im Erntejahr 2012 entwickeln.
Proteingehalte der Sorten
Die Proteingehalte liegen im Schnitt über alle Sorten wieder höher als im Vorjahr. Bemerkenswert ist, dass die A-Sorte KWS Chamsin den besten Proteingehalt aller Sorten aufweist. Zwei weitere E-Sorten SW Kadrilj und KWS Scirocco liegen ebenfalls oberhalb der 15-%-Marke. Vergleichsweise schwach im Proteingehalt ist mit 13,8 % die A-Sorte Alora.
Die Tabellen finden Sie hier zum Herunterladen: