Mit dem Jahreswechsel änderte die Landwirtschaftskammer den Namen der ehemaligen Lehr- und Versuchsanstalt Echem in Landwirtschaftliches Bildungszentrum Niedersachsen (LBZ). Geschäftsführerin Martina Wojahn will auf vielen Gebieten neue Zeichen setzen.
Das LBZ Echem ist deutschlandweit bekannt für sein Weiterbildungsangebot „Klauenmanagement Rind“.
© Hildebrandt
Die Konzentration der überbetrieblichen landwirtschaftlichen Ausbildung an ihrem Standort Echem wurde im Juli 2010 von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angekündigt. Ursprünglich hieß es, der Betrieb solle Ende 2012 anlaufen. Geschäftsführerin Martina Wojahn geht nun davon aus, dass es im September 2013 soweit sein wird. Zunächst hängt aber alles an einer Entscheidung des Gemeinderates Scharnebeck, wie mit dem Aufstellungsbeschluss für den Schweinestall verfahren werden soll.
Das LBZ Echem ist deutschlandweit bekannt für sein Weiterbildungsangebot „Klauenmanagement Rind“. Außerdem sollen zukünftig Kurse mit stark praktischem Bezug angeboten werden. „Ich stehe für einen offenen Dialog mit allen Beteiligten“ betonte Wojahn gegenüber der LAND & Forst. Dieser Vorsatz kam ihr zugute, als sie im August 2011 ihre neue Position in Echem antrat. Sie führte seitdem viele Gespräche mit Bürgern, Politikern und Verbänden, um die Akzeptanz der Baumaßnahme zu erreichen. „Ich möchte den Blick darauf lenken, wie wir hier Ausbildung betreiben und welche Inhalte wir vermitteln“, erläuterte Wojahn.
Wie sehen die Pläne aus? Der Internats- und Seminarbereich soll um- und ausgebaut werden. Für die praktische Ausbildung wird in die Schweine- und Rinderhaltung investiert. Vorgesehen sind in der konventionellen Haltung 252 Sauen, 1.070 Mastschweine und 1.190 Aufzuchtferkel. Für den ökologischen Bereich sind 32 Sauen, 80 Aufzuchtferkel und 260 Mastplätze geplant. In einem neuen Boxenlaufstall werden 85 Kühe konventionell und 60 Kühe mit einem Melkroboter gemolken. Ferner wird ein Kälberstall neu vorzusehen sein. Die Bullenmast wird aufgegeben. Der Jungviehstall und der Fleischrinderstall bleiben bestehen. Sämtliche Schweineställe sollen auf dem Gebiet der Gemeinde Scharnebeck - etwa 1,5 Kilometer außerhalb der Ortslage, weit abseits an der Bahnstrecke - entstehen. Damit wurde seitens der LWK aus Rücksicht auf die Bedenken der Bevölkerung der ursprüngliche Plan, die Ställe in unmittelbarer Nähe zum LBZ Echem zu bauen, geändert.
In der Gemeinde Scharnebeck regt sich seit geraumer Zeit Widerstand gegen das Projekt, der sich überwiegend an den Plänen für den Schweinestall entzündet. Nicht nur die Tierzahl stand in der Kritik sondern auch die Umwelteinflüsse und die Form der Tierhaltung (Kleine Anfrage im Landtag). „Abluftanlagen werden zum Schutz des nahe liegenden Biosphärenreservats im erforderlichen Umfang und ansonsten auch für Ausbildungszwecke eingeplan“, versicherte Martina Wojahn.
Die Grünen Ratsmitglieder in Scharnebeck fordern von der LWK, den Anteil der ökologischen Tierhaltung von zehn auf mindestens 60 Prozent zu erhöhen. Für die Geschäftsführerin ist dieser Punkt problematisch: „Das bildet nicht die reale Situation ab.“ Sie baut jetzt auf die Diskussion im Gemeinderat Scharnebeck, in dem SPD und Grüne mit acht zu sieben Stimmen die Mehrheit haben. Mit dieser Mehrheit könnten sie bei der nächsten Ratssitzung Ende Januar den Aufstellungsbeschluss kippen, der noch vor der Kommunalwahl von der damaligen CDU-Mehrheit gefasst wurde.
Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) fand es in diesem Zusammenhang „völlig kontraproduktiv“, dass die CDU-Kreistagsfraktion vor der Weihnachtspause einen Dringlichkeitsantrag einbrachte, mit dem die Erweiterung in Echem vorangetrieben werden sollte. „Ich konnte zu diesem Zeitpunkt keine Eilbedürftigkeit feststellen und werde mich nicht in die inneren Angelegenheiten einer Kommune einmischen“, stellte Nahrstedt klar.
Die CDU hatte damit argumentiert, dass 2013 die Ziel-1-Förderperiode der Europäischen Union auslaufe und dieses Geld nicht mehr zu Finanzierung in Anspruch genommen werden könne, wenn nicht bis Ende 2013 abgerechnet werde.
Das sah Landrat Nahrstedt ganz anders: „Bis Ende 2013 muss verbaut werden, mit der Abrechnung haben wir bis 2015 Zeit.“ Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium konkretisierte auf Anfrage diese Aussage: „Die EU-Förderperiode endet am 31. Dezember 2013, das heißt, bis Ende 2013 muss der Bescheid des Kultusministeriums über die EFRE-Mittel erlassen sein und der LWK vorliegen. Der Bau muss bis 31. Dezember 2014 beendet sein und alle Rechnungsunterlagen müssen vorliegen.“
Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt ist ein Befürworter der Um- und Ausbaumaßnahme: „Wir wollen eine starke Bildungs- und Kulturregion werden. Da ist das eine gute Ergänzung.“ Er will im Januar mit allen Beteiligten und Kultusminister Bernd Althusmann sprechen, dessen Haus für die Förderung zuständig ist.
Die Finanzierung der Erweiterung soll zu 90 Prozent aus Zuschüssen bestritten werden. Der Finanzierungsplan sieht Bundesmittel in Höhe von 60 Prozent, Landesmittel von 30 Prozent und Eigenmittel der Landwirtschaftskammer von zehn Prozent vor. Für die Landesmittel gibt es eine mündliche Zusage aus dem Kultusministerium von 3,69 Millionen Euro. Die Zusage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIB) steht noch aus.
Die Gesamtkosten wurden seitens der Kammer ursprünglich mit 12 Millionen Euro angegeben. Aber auch 20 Millionen waren „unter der Hand“ schon im Gespräch. LBZ-Geschäftsführerin Martina Wo-jahn mag sich nicht darauf festlegen: „Wir können erst einen verlässlichen Kostenrahmen angeben, wenn wir einen Architekten beauftragen. Hierzu benötigen wir allerdings den endgültigen Bewilligungsbescheid.“ Bis zur entscheidenden Gemeinderatssitzung in Scharnebeck hängt das Aus- und Umbauprojekt somit in der Luft. Sollte der Bauplatz abgelehnt werden, muss die LWK neu über die überbetriebliche Ausbildung in Niedersachsen nachdenken. Die Geschäftsführerin ist allerdings zuversichtlich, dass die Auszubildenden 2013 moderne Ausbildungsbedingungen vorfinden: „Sollte der Beschluss kommen, dann setzen wir alles dran, unsere Pläne zügig umzusetzen.“
Damit keine Lücke in der überbetrieblichen Ausbildung entsteht, würden die Auszubildenden bis zum Umzug voraussichtlich in Wehnen weiter beschult. Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel hatte im Frühjahr 2011 betont, dass sich Echem als „Informationszentrum für moderne Tierhaltung der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft der interessierten Öffentlichkeit öffnen will“. Das kann Martina Wojahn nur unterstreichen: „Wir sind ein offenes Haus. Jeder kann zu uns kommen und sich bei uns anschauen, wie Tiere gehalten werden.“