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[ » LAND & Forst » Content » Aus den Regionen » Mais-Biogas ]
Montag, 21.05.2012
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Aus den Regionen | 28.12.2011 Redaktion Land und Forst

Mais weiterhin wichtigste Kultur zur Biogaserzeugung

Oldenburg - Die 2011 erneut festzustellende Zunahme an Biogasanlagen in den einzelnen Regionen Niedersachsens korreliert sehr eng mit der Ausdehnung des Biomasseanbaus.
Die Biomasseerzeugung für Biogas stieg in 2011 in Niedersachsen deutlich um 30.000 ha an.© landpixel
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Die Biomasseerzeugung für Biogas stieg in 2011 in Niedersachsen deutlich um 30.000 ha an.
© landpixel
Nach wie vor sind dabei deutliche regionale Unterschiede festzustellen. Auch 2011 nahm sowohl die Zahl der Anlagen, als auch die Erweiterung bestehender Anlagen in den ohnehin schon mit Biogasanlagen und hoher Viehdichte besetzten Regionen weiter zu. In den typischen Ackerbauregionen Südniedersachsens sowie in den östlichen Landesteilen ist ein Ausbau von Biogasanlagen ebenfalls feststellbar. Im Jahr 2011 wurden auf ca. 311.000 ha (12 % der LF) Energiepflanzen angebaut bzw. die Aufwüchse von Grünland genutzt. Für den Bereich Biogas wurden ca. 250.000 ha zu Grunde gelegt. Hierbei hatte der Mais mit ca. 205.000 ha den größten Anteil an der genutzten Fläche. Damit macht der Energiemaisanteil gut 1/3 der gesamten Maisanbaufläche Niedersachsens aus.
 
Während die übrigen Non-Food-Verwendungsbereiche im Jahr 2011 konstante bis leicht rückläufige Tendenzen aufwiesen, stieg die Biomasseerzeugung für Biogas in Niedersachsen deutlich um 30.000 ha an. Allein die Anbaufläche Mais stieg wiederum um etwa 25.000 ha an. Spürbare Zunahmen waren ebenfalls im Bereich „Biogasrüben“ festzustellen, wo von ca. 4.500 ha niedersachsenweit ausgegangen wird. Erfreulich ist, dass im Rahmen freiwilliger Maßnahmen mit dem Aussäen von Blühstreifen oder aber dem Anlegen mehrjähriger Kulturen, wie beispielsweise der Durchwachsenen Silphie optische und ökologische Aspekte von den Landwirten mit berücksichtigt werden und sie aktiv zum positiven Image des Energiepflanzenanbaus beitragen.
 
Da nach wie vor Silomais die dominierende Kultur zur Substratversorgung ist, ist eine gesicherte Substratbereitstellung, sprich Maissilagebereitung, erforderlich. Hierfür ist der Anbau ertragskonstanter Sorten sinnvoll, die auch unter unterschiedlichen Anbau- und Umweltbedingungen ihre Leistungen erbringen. Das Jahr 2011 lieferte die passenden Umweltbedingungen, um das Leistungsvermögen der Sorten gut darstellen zu können. Die Sortenempfehlung zur Biomasseerzeugung mit Maissilage (Tabelle 1) beruht auf den größtenteils mehrjährigen Ergebnissen der Landessortenversuche, die auch 2011 wieder für die drei Reifegruppen früh (bis S 220), mittelfrüh (S 230 bis S 250) und mittelspät bis spät (ab S 260) an unterschiedlichen Standorten Niedersachsens geprüft wurden.
 
Sorten, die in den Merkmalen Trockenmasseertrag oder auch Energieertrag überdurchschnittliche Leistungen aufwiesen, werden für die Nutzungsrichtung „Biogas“ empfohlen. Stark qualitätsbetonte Sorten erreichten in der Regel nicht die entsprechenden TM- bzw. Energieträge. Neben der Ertragsleistung ist sicherlich auch das Abreifeverhalten der Sorten ein entscheidendes Bewertungskriterium, wenn es darum geht für spezielle Standorte sicher abreifende Sorten auszuwählen. Bei der Beerntung werden in der Regel TM-Gehalte oberhalb von 32 % angestrebt.
 
Anlässlich der Tagung des Deutschen Maiskomitees (DMK) im November in Würzburg stellte Herr Rath vom DMK neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe von Maissorten auf den potenziellen spezifischen Biogasertrag vor. Aus umfangreichen Feld- und folgenden Batchuntersuchungen stellte sich heraus, dass isoliert auf die jeweiligen Inhaltsstoffe betrachtet, der Stärke- und Fettgehalt positiv und der Ligningehalt negativ auf den spezifischen Biogasertrag Einfluss nimmt. In der Gesamtbetrachtung der Umsetzungsprozesse im Fermenter ist jedoch aufgrund der zahlreichen pflanzenphysiologischen Beziehungen der Pflanzeninhaltsstoffe untereinander das Wechselspiel dieser entscheidend. Die Zellwandverdaulichkeit spielt hier eine weitere wichtige Rolle. Abschließend stellte Rath fest, dass die gegenwärtige Bewertung des Futterwertes von Silomais nur ein Indiz zur Charakterisierung des Maises für die Biogasnutzung ist. Da noch keine abschließende Formel zur sortenspezifischen Biogasbewertung vorliegt, wird eine Sortenempfehlung weiterhin auf Basis des Trockenmasse- bzw. des Energieertrages ausgesprochen.
 
Ambrosini, Fabregas und Laurinio für alle Regionen empfohlen
 
Auf Basis der Landessortenversuche werden aus der frühen Reifegruppe von den mehrjährig geprüften Sorten Ambrosini, Fabregas und Laurinio für alle Regionen empfohlen; auf Grund hoher Energieertragsleistungen auch Saludo für die östlichen bzw. südlichen Anbauregionen. LG 30218 erhält für die Regionen Nord und Süd, LG 30211 für die Region Nord, sowie Ayrro für die Regionen Nord und Ost eine Anbauempfehlung für den Einsatz in Biogasanlagen. Von den erstmalig im LSV geprüften Sorten bieten sich LG 30223 niedersachsenweit, sowie Stephany für den nördlichen Bereich zum Probeanbau an. In der mittelfrühen Reifegruppe steht eine Vielzahl empfehlenswerter Sorten zur Verfügung. Dabei können die empfohlenen Sorten in Mehrnutzungstypen, die über aus ausgewogenes Verhältnis von Ertrag und Qualität verfügen, sowie in stark ertragsbetonte Sorten, die nicht unbedingt für qualitätsbetonte Milchviehrationen zu empfehlen sind, eingestuft werden.
 
Von den rein ertragsbetonten Sorten werden aufgrund mehrjährig überdurchschnittlicher Leistungen Barros, Amaretto, Fernandez und Agro Yoko für alle drei Anbauregionen Nord, Süd und Ost empfohlen. Die Sorten Grosso, Amaryl, Torres, Farmflex, Ronaldinio und Filippo erhalten eine allgemeine Silomaisempfehlung für die Rindviehfüttung und für den Einsatz in Biogasanlagen. Davon sind Torres und Farmflex qualitativ am stärksten einzustufen. Die Sorten Barros, Grosso und Amaretto sind innerhalb der mittelfrühen Reifegruppe als recht spät abreifende Sorten anzusehen; um das Ertragsvermögen dieser Sorten nutzen zu können, ist dieses bei der Ernteterminierung entsprechend zu berücksichtigen.
 
Regionale Empfehlungen erhalten folgende Sorten: Die stärkebetonte Sorte Ricardinio erzielte im Süden gute Ertragsergebnisse. Argo Lux erreichte im Norden und Süden, sowie Jessy im Süden und Osten gute Leistungen. Von den einjährig geprüften Sorten erreichten SY Kairo und SY Unitop hohe Erträge bei mittlerer Abreife und sind für den Probeanbau in Niedersachsen geeignet. Eine vorläufige regionale Empfehlung erhält auch P8488 für die nördlichen und östlichen Landesteile. Von den Sorten der mittelspäten bis späten Reifegruppe bietet sich LG 3216 für alle Nutzungsrichtungen an, da sie neben hoher Ertragsleistung auch gute Qualitätseigenschaften aufweist. Das gleiche gilt auch für die 2010 zugelassene Sorte ES Charter. Als ertragsstärkste Sorten bei gleichzeitig aber auch sehr später Abreife erwiesen sich Cannavaro, Palmer und Puyol, die als reine Biogastypen einzustufen sind.
 
Die seit 2003 in den LSV-Prüfungen stehende Sorte Franki ist dank konstant hoher Ertragsleistungen nach wie vor für die Biomassenutzung empfohlen worden. Rafinio, Cassilas und PR38H20 sind gleichfalls empfohlen. Darüber hinaus überzeugten ES Cargo in der Region Nord, sowie Seiddi in den Regionen Nord und Ost. Atletas und SY Santacruz zählen von den einjährig geprüften Sorten zu den ertragsstärksten Sorten und könnten für den Probeanbau berücksichtigt werden. Hierbei ist Atletas als massenbetonte Sorte einzustufen, während SY Santacruz auch eine vorläufige Anbauempfehlung für die Rindviehfütterung erreichte.
 
Ergebnisse der Biogassortenversuche vorgestellt
 
In Ergänzung zu den Sortenempfehlungen werden auch die sogenannten Biogas-Sortenversuchsergebnisse vorgestellt, in denen neben etablierten Sorten schwerpunktmäßig neue Prüfkandidaten getestet wurden, die möglicherweise künftig in den Landessortenversuchen weiter geprüft werden. Diese Versuche wurden in zwei Reifeblöcke (bis S 260/270 = früh und ab S 270 = spät) aufgeteilt und zeitlich differenziert beerntet. Da insbesondere von den neuen Prüfkandidaten noch wenig Aussagen zum Abreifeverhalten vorliegen, wurden die Gruppen jeweils zu zwei Ernteterminen beerntet. Der 1. Erntetermin der frühen Gruppe erfolgte parallel zur Beerntung des mittelfrühen Landessortenversuchs (LSV) an den jeweiligen Standorten. Die 2. Beerntung der frühen bzw. die erste Beerntung der späten Gruppe fand zeitgleich mit der Ernte des mittelspäten Sortimentes statt. Der zweite Termin der späten Sorten lag etwa nochmals 10 bis 15 Tage später (siehe Tabelle 2). Die Sorte LG 3216 fungierte 2011 als Bezugssorte und wurde zu allen drei Terminen beerntet. Als Bezugsbasis in der Ergebnisdarstellung wurde der orthogonale Block aus früher und später Prüfgruppe zum 2. Erntetermin (frühe Gruppe) bzw. 1. Erntetermin (späte Gruppe) verwendet, um einen direkten Vergleich über beide Prüfgruppen zu ermöglichen. Die Versuche fanden 2011 wiederum in Nordrhein-Westfalen (Dülmen-Merfeld u. Ostinghausen), in Niedersachsen (Poppenburg, Rockstedt u. Wehnen) sowie in Schleswig-Holstein (Schuby) an insgesamt 6 Standorten statt. Angaben zu den Versuchsstandorten sind in Tabelle 2 dargestellt. Mit einer Ausnahme in der späten Sortengruppe wurden alle Sorten an allen Standorten geprüft. So standen in der frühen Gruppe neben LG 32.16 insgesamt 24 Sorten/Prüfstämme und in der späten Gruppe neben LG 3216 8 (7) Sorten/Prüfstämme.
 
Die Ergebnisse der sechs Standorte der Biogassortenversuche sind in den Tabellen 3 und 4 dargestellt. Neben den Relativerträgen der Einzelstandorte wurden auch die Mittelwerte des Trockenmasseertrages und die Ertragsspannen vom 1. zum 2. Erntetermin aufgeführt. Die TM-Gehalte und die in der Rindviehfütterung relevanten Qualitätsparameter Stärkegehalt, Energiedichte MJ NEL/kg TM sowie die Ertragsparameter Stärke- und Energieertrag sind ebenfalls dargestellt. Im Durchschnitt der Standorte und der beiden Sortengruppen wurde zum mittleren Erntetermin ein TM-Ertrag von 208 bzw. 213 dt/ha erreicht. Spitzenerträge von über 240 dt TM/ha wurden auf den Lehmstandorten Ostinghausen und Poppenburg erzielt.
 
Insbesondere am Standort Ostinghausen zeigte sich, dass durch die spätere Beerntung der frühen Gruppe (2. Termin bei 35,7 % TM-Gehalt) ein deutlicher Ertragszuwachs gegenüber dem 1. Termin mit durchschnittlich 31,5 % TM-Gehalt erreicht werden konnte. Am Standort Schuby hingegen wurden vor dem 3. Erntetermin Frostschäden festgestellt, die zu einem entsprechenden Ertragsrückgang führten. Generell konnten sich die Versuche während der Vegetation gut entwickeln und Probleme wie beispielsweise Sommerlager traten nicht auf. In der frühen Gruppe untermauerten die in den Landessortenversuchen bereits sehr ertragsstarken Sorten LG 3216, Barros, Amaretto, Farmflex und Agro Yoko ihre überdurchschnittlichen Ergebnisse. Aber auch neue Kandidaten, die teilweise parallel in EU- oder auch Wertprüfungen getestet werden, konnten bereits gute Leistungen erbringen. Hierbei sind vor allem die Sorte Indexx und der Prüfstamm KXA 0172 zu erwähnen. Die Sorte Kandis zeigte ein ausgewogenes Verhältnis von Ertrag und Qualität, während die Sorten LG 30.310 und SY Matinal eher als restpflanzenbetonte Sortentypen einzustufen sind. Alduna, P8488 und die langjährig geprüfte Sorte Subito zeigten ihr bekanntes Leistungsvermögen.
 
Bei dem Qualitätsmerkmal Energiedichte konnten neben Farmflex und Kandis auch MAS 28.F, sowie die im Gesamtertrag allerdings etwas unterdurchschnittlichen Sorten Farmgold, EC 90.475, EC 80.152, Venetia, Fabrik und Loboom gute Ergebnisse zeigen. Zu beachten ist allerdings dass in dieser Versuchsgruppe vorwiegend ertragsbetonte Sorten geprüft wurden. In der späten Gruppe waren an den Standorten Ostinghausen, Poppenburg, Rockstedt und Wehnen bei späterer Beerntung teilweise deutliche Ertragszuwächse erkennbar. Lediglich in Dülmen-Merfeld sowie auf dem frostgeschädigten Standort Schuby konnten keine positiven Effekte erzielt werden, bzw. war in Schuby sogar ein Ertragsrückgang zu verzeichnen. Das gute Ergebnis der Bezugssorte LG 3216 konnte lediglich durch die Sorten Simao übertroffen bzw. durch Pesandor erreicht werden. Simao konnte damit das im Vorjahr auf Grund von Sommerlager beeinträchtigte Ergebnis wieder deutlich verbessern. Aber auch PR38Y34 erzielte im 2. Jahr gute Ertrags- und Qualitätsleistungen. Die Sorte P0746 konnte an den Prüfstandorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch im zweiten Prüfjahr sehr hohe Erträge bei allerdings sehr später Abreife erreichen.
 
Es wird in diesem für den Mais günstigen Anbaujahr wiederum erkennbar, dass auf ertragssicheren Standorten später abreifende Sorten ihr Ertragsvermögen ausspielen können, sie dafür aber entsprechend mehr Vegetationszeit benötigen. In den diesjährigen Biogassortenversuchen überzeugten vornehmlich die Sorten, die dieses Jahr auch in den Landessortenversuchen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Aber auch zahlreiche Prüfkandidaten konnten bereits überzeugen. Einige von diesen Sorten, die auch parallel in EU- oder Wertprüfungen stehen, schaffen möglicherweise den Aufstieg in die Landessortenversuche.
 
Mais konnte auch 2011 mit sehr hohen Ertragsniveau überzeugen
 
Die hohe Anzahl geprüfter Sorten bietet gleichzeitig ein breites Spektrum unterschiedlicher Sortentypen. Für die Biogasnutzung werden vorwiegend ertragsbetonte Sorten empfohlen, die entsprechend herausgestellt wurden. Positiv ist aber hervorzuheben, dass auch zahlreiche Sorten zur Verfügung stehen, die neben hoher Ertragsleistung gleichzeitig auch überdurchschnittliche Qualitäten aufweisen, und damit für unterschiedliche Nutzungsrichtungen empfohlen werden können. An dieser Stelle sei jedoch auch angemerkt, dass insbesondere in stark Mais dominierten Regionen insbesondere für die Biogasnutzung mögliche Anbaualternativen berücksichtigt werden sollten. Hier kommen neben der Getreide-Ganzpflanzensilage auch Kulturen, wie beispielsweise aktuell die Rübe oder künftig möglicherweise die Hirse in Frage. Die Förderung der Akzeptanz für die Biogasnutzung sollte künftig noch stärker berücksichtigt werden, wobei schon viele positive Projekte (Blühstreifen) in dieser Richtung vorhanden sind.
 
Weitere Infos zum Thema können Sie hier herunterladen:
  • Biogassortenratgeber 2012
  • Tabellen Biogas Sortenversuch
 
LWK Niedersachsen
Lesen Sie hierzu auch
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