Die ersten kalten Nächte weckten in unseren JUNGLE-Reporterinnen Luise und Karolin das Fernweh. Sie reisten nach Marokko.
Im Volksmund wird die Arganie wegen ihrer Beliebtheit bei Ziegen auch Ziegenbaum genannt.
© Müller-Hofstede
Ziegen in den Bäumen? Nein, das war keine Fata Morgana. Warum der Baum Arganie nicht nur bei diesen Tieren beliebt ist, erfahrt Ihr in unserer Reisereportage.
Allahu akbar ... Allahu akbar ... Allahu akbar... Ich öffne meine Augen. Um mich herum ist es dunkel, fast schwarz, nur am Rand des Fensters, dort wo der hölzerne Laden aufhört, kommt ein schmaler, gräulicher Lichtschein herein. Morgengrauen - ein Blick auf mein Handy verrät mir, es ist vier Uhr morgens. Ich lausche den lang gezogenen Rufen des Muezzins, der die Gläubigen zum Gebet ruft und mich aus meinen Träumen geholt hat. Die fremden Laute klingen schön und traurig.
Für eine Woche habe ich mein Leben im Okzident gegen den Orient ausgetauscht. Luise und ich sind in die kleine marokkanische Hafenstadt Essaouira gereist. Schnell stellt sich heraus, dass in Marokko das Sprichwort ‚Der Weg ist das Ziel’ tatsächlich Sinn macht. Unsere Taxifahrt zum Reiseziel wird zu einem ganz besonderen Erlebnis. Kaum haben wir Agadir verlassen und ein paar Kilometer auf der gewundenen Landstraße zurückgelegt, traue ich meinen Augen nicht!
Tierische Leckermäulchen und das flüssige Gold
Sehe ich eine Fata Morgana oder stehen in den Bäumen am Straßenrand tatsächlich Ziegen? Unser Taxifahrer hält lachend an und ich zähle bis zu zehn Ziegen in einer Baumkrone. Was treibt die possierlichen Tiere nur dort hinauf? Die Antwort ist einfach, ihre Leckermäulchen. Die Ziegen stehen in den Arganien, im Volksmund auch Ziegenbaum genannt. Die Arganie gehört zu den ältesten Bäumen der Menschheit, sie existiert seit 65 Millionen Jahren.
Allerdings wächst sie nur in der Region zwischen Essaouira und Agadir, zwischen dem Atlantik im Westen und dem Atlasgebirge im Osten. Doch nicht nur bei Ziegen sind diese Bäume sehr beliebt, in Marokko ist das aus den Früchten des Baumes gewonnene Arganöl ein fester Bestandteil der Küche. In den vergangenen Jahren sind amerikanische und europäische Forscher auf dieses Öl aufmerksam geworden. Reich an Vitamin E eignet es sich hervorragend als Wirkstoff in kosmetischen Produkten.
Wir sind neugierig geworden und wollen mehr über das ‚Flüssige Gold’ lernen. Spontan weichen wir von unserer Route ab und besuchen eine Arganölkooperative, um herauszufinden, wie das wertvolle Öl gewonnen wird. Traditionell wird das Öl von Frauen hergestellt. Wir erfahren, dass in dieser Kooperative nur geschiedene oder verwitwete Frauen arbeiten. Es ist eine Initiative, um diesen Frauen neue Perspektiven aufzuzeigen und ihnen in ihrer neuen Selbständigkeit zu helfen.
Grüne Oasen im Orient genießen
Die Argannuss hat ungefähr die Größe einer Kokosnuss und ist 15 mal härter als eine Haselnuss. Gezielt schlagen die Frauen die Nuss mit einem Stein an der Naht auf, um an den Samen zu kommen. Für einen Liter Öl braucht man 30 Kilo Samen. Diese werden dann geröstet, mit Wasser versetzt, gemahlen und gepresst. Alle Arbeitsprozesse erfolgen per Hand.
Beeindruckt fahren wir weiter. Seit einiger Zeit überholen wir Esel und ihre Reiter. Alle scheinen sie in dieselbe Richtung zu laufen. Kurzerhand hängen wir uns an ihre Hufen. Die Graumäuler führen uns zu einem Eselparkplatz! An die 300 Langohren stehen hier, fressen ihr Heu oder schicken ihre lang gezogenen Rufe über den Parkplatz.
Die Sonne steht mittlerweile schon tief am Himmel und die Zeit drängt, wir wollen Essaouira noch vor der Dunkelheit erreichen. Kurze Zeit später sehen wir aus der Ferne die weiß-blaue Stadt. Das wilde Meer treibt Gischt über die Mauern und die untergehende Sonne taucht die weißen Häuser in silbriges Licht. Kaum haben wir die Stadtmauern durchschritten und die Altstadt (Medina) betreten, geht das Abenteuer weiter. Wir tauchen ein in die farbige Welt des Orients. Auf dem Weg durch die engen Gassen zu unserer Unterkunft kommen wir an Teppichhändlern vorbei, passieren Stände, an denen Schneckensuppe verkauft wird, sehen Schlangenbeschwörer und atmen den Geruch von frischer Minze, Orangen und Zimt ein. Ganz wirr im Kopf von den vielen Eindrücken der vergangenen Stunden, erreichen wir unser Riad.
Riads sind traditionelle marokkanische Häuser, die heute oft als Hotels oder Hostels genutzt werden. Von außen wirken sie unscheinbar, auf Westler fast feindselig, denn sie haben keine Fenster. Die geschlossene Fassade schützt vor der Hitze und neugierigen Blicken. Von innen sind sie lichtdurchflutete, grüne Oasen. Alle Zimmer öffnen sich zu einem Innenhof, in dem oft ein Springbrunnen plätschert und der liebevoll bepflanzt ist. Die meisten Riads haben eine Dachterrasse, so auch unseres. Von hier aus genießen wir den Sonnenuntergang und sind gespannt, was wir in den nächsten Tagen erleben werden. Eines ist sicher, langweilig wird es in Marokko nie! Wenn Ihr weitere Reisen von Karolin und Luise sehen und lesen wollt, dann klickt auf www.9trips.de. Oder werdet Fan:
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