Hannover - Als wichtigen Erfolgsfaktor für landwirtschaftliche Betriebe sieht Landvolkpräsident Werner Hilse neben einer exzellenten Produktion vor allem auch die Akzeptanz beim Verbraucher.
Hilse: „Für den Erfolg unserer Höfe ist die Anerkennung durch die Gesellschaft genauso wichtig wie die Ernteerträge auf dem Acker oder die Leistung unserer Nutztiere.“
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Das verdeutlichte er am Montag auf der Mitgliederversammlung des Verbandes. Hilse, der dort als Präsident wiedergewählt wurde, betonte: „Für den Erfolg unserer Höfe ist die Anerkennung durch die Gesellschaft genauso wichtig wie die Ernteerträge auf dem Acker oder die Leistung unserer Nutztiere.“ Er verwahrte sich gegen unsachliche Kritik, die mit Stimmungsmache und in Teilen auch Hetze eine ganze Branche an den Pranger stellen wolle. Hier seien Information und Aufklärung gefragt, der Verband wolle ebenso wie jeder
Landwirt gegenüber den Verbrauchern erklären, warum und wie Landwirtschaft betrieben wird.
Jeder
Landwirt verknüpfe seine unternehmerische Freiheit eng mit der Verantwortung gegenüber Verbrauchern, Familien, Mitarbeitern und den weiter verarbeitenden Unternehmen, sagte Hilse vor den Delegierten und Ehrengästen. Auch gegenüber Umwelt und Natur habe die Einhaltung entsprechender Standards eine herausgehobene Bedeutung für jeden landwirtschaftlichen Unternehmer. „Unsere Tierhaltung ist besser als das Bild, das viele Kritiker von ihr zeichnen“, verdeutlichte Hilse.
Er signalisierte gegenüber der Politik die Bereitschaft des Berufsstandes, neue Erkenntnisse aufzunehmen und so weit wie möglich auch machbare Kompromisse mitzutragen. Das Landvolk werde sich deshalb aktiv in die öffentliche und insbesondere von den Medien geführte Debatte über den Tierschutz einbringen und am niedersächsischen Tierschutzplan konstruktiv mitarbeiten. „Die Einschätzung der praktischen Landwirte ist auch in der Politik gefragt, um machbare und praktikable Änderungen auf den Weg bringen zu können“, sagte Hilse. Eine sachliche und an Fakten orientierte Diskussion wünschte er sich auch zum Medikamenteneinsatz in der Nutztierhaltung.
Landwirtschaftsminister Gert Lindemann habe die Unterstützung des Berufsstandes bei dem Bemühen, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu evaluieren und wo möglich zu minimieren. Hilse rief zugleich dazu auf, das Thema Antibiotikaresistenz nicht allein mit Blick auf die landwirtschaftliche Tierhaltung kritisch zu beleuchten. Auch ein unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin leiste der Resistenzbildung bei Keimen Vorschub. Echte Erfolge seien daher nur bei abgestimmten Strategien zu erreichen. Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung gilt in Niedersachsens Land- und Ernährungswirtschaft als der wichtige Eckpfeiler, der ein sicheres und für die Zukunft gefestigtes Fundament benötigt. Hilse warnte vor zu hohen politischen Anforderungen an die landwirtschaftlichen Betriebe. Kleinere Höfe würden damit zum Aussteigen veranlasst, auf der anderen Seite werde weiteres Wachstum beschleunigt. Und diese Entwicklung gebe in der Gesellschaft Anlass zu Kritik.
Sonnleitner kritisiert EU-Öko-Pläne
Auch Bauernpräsident Gerd
Sonnleitner war nach Hannover gekommen. Er sprach über die Agrarpolitik in Deutschland und Europa. Sonnleitner kritisierte, dass den Landwirten immer weniger Fläche zur Erzeugung von Lebensmitteln bleibt: "Heute brauchen wir jeden Hektar, um die Welternährung zu sichern und einen Neuanfang in der Energie- und Rohstoffpolitik abzupuffern." Die Landwirte würden immer mehr gezwungen, Teile ihres Landes aus Umweltschutzgründen nicht mehr zu bewirtschaften. Konkret kritisierte
Sonnleitner den EU-Vorschlag, sieben Prozent der Agrarflächen zu ökologischen Vorrangflächen zu erklären, etwa Ackerrandstreifen. Dort gebe es dann de facto ein "Betretungsverbot für Bauern".
Das Grußwort sprache der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). Er betonte, die Landesregierung teile zwar das Ziel, in die EU-Agrarpolitik verstärkt den Umweltschutz aufzunehmen. Es dürfe aber nicht sein, dass dadurch die landwirtschaftliche Produktion übermäßig reglementiert und eingeschränkt werde. Nach den Forderungen der Agrarministerkonferenz soll es aus diesem Grund Ausnahmen von der Regelung geben: Betriebe mit weniger als 15 Hektar Ackerfläche sollten beispielsweise von der geplanten EU-Grünland-Vorgabe ausgenommen werden.
Für die Bauern war das Jahr auch von der EHEC- und Dioxinkrise dominiert. Bauernpräsident
Sonnleitner sagte, diese Krisen seien zwar mit finanziellem Schaden verbunden gewesen, aber dennoch größtenteils gemeistert worden. "Insgesamt gibt es in der Landwirtschaft eine Vorwärtsentwicklung", betonte er.
Hilse wieder zum Landvolkpräsidenten gewählt
Landvolkpräsident Werner Hilse wurde auf der Mitgliederversammlung des Landvolkes Niedersachsen in Hannover in seinem Amt bestätigt. Er steht damit weiter für die nächsten drei Jahre an der Spitze des Landesbauernverbandes Niedersachsen. Ebenfalls wiedergewählt wurde das Trio der Vizepräsidenten mit Franz-Josef Holzenkamp, Heinz Korte und Helmut Meyer. Die neue Amtszeit beginnt am 1. Januar 2012.
Hilse bewirtschaftet im Landkreis Lüchow-Dannenberg einen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast und engagiert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich in Gremien des Landvolkes Niedersachsen, zunächst im Landvolkbezirk Schnega-Bergen. 1990 wurde er erstmals zum Vizepräsidenten des Landvolkes gewählt, seit 2003 ist er Präsident des gut 80.000 Mitglieder starken Land-volkes. Im Deutschen Bauernverband bringt Werner Hilse seit 2006 als Vizepräsident die Interessen Niedersachsens ein und arbeitet auf europäischer Ebene für den
DBV im europäischen Bauernverband COPA mit.
Franz-Josef Holzenkamp ist 51 Jahre alt und kommt aus Garthe im Landkreis Cloppenburg. Er gehört dem Präsidium des Landvolks Niedersachsen seit 2003 an, ist seit 2005 CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, und dort unter andrem Mitglied im Agrarausschuss. In ihre zweite Amtszeit gehen Heinz Korte aus Plönjeshausen im Landkreis Rotenburg/Wümme und Helmut Meyer aus Gronau im Landkreis Hildesheim. Der Milchviehhalter Korte ist 48 Jahre alt und führt seit 2000 den Landkreisverband Bremervörde, er ist zugleich Vorsitzender des Milchausschusses im Landvolk Niedersachsen. Der 62-jährige Meyer bewirtschaftet einen Betrieb mit Ackerbau, Mutterkühen und Wald in Gronau an der Leine und engagiert sich in der Zuckerwirtschaft sowie der landwirtschaftlichen Sozialversicherung.