Montag, 21.05.2012
Neues Handelsportal für die Agrarbranche gestartet
Chemnitz - Mitte August ist ein neues Handelsportal für die Agrarbranche gestartet. Das Betreiberunternehmen, die gruuna GmbH Co. KG mit Sitz in Chemnitz, spricht von einer „neuen Epoche für den landwirtschaftlichen Handel“. Der Firma zufolge, die seit fast drei Jahren an der Umsetzung der Internetseite arbeitet, können auf www.gruuna.com alle Unternehmen der Agrarbranche ihre Produkte und Betriebsmittel unkompliziert weltweit handeln. Der Landwirtschaftsmarkt im Internet stelle allen Landwirten, Landhändlern und der verarbeitenden Industrie erstmalig eine Plattform zur Verfügung, auf der sie ihren gesamten Ein- und Verkauf abwickeln könnten, und zwar regional und überregional, als Auktion, Ausschreibung oder im Direkthandel, erklärte Geschäftsführer Christoph Herrmann. Er wies in einer Presseinformation darauf hin, dass sich viele Landwirte in Deutschland in einer schwierigen Situation befänden. Bauernhöfe seien oft keine kleinen Familienbetriebe mehr, sondern Agrarunternehmen, die mit Biogasanlagen, dem Direktverkauf oder der Vermietung ihrer Gebäude Geld verdienten. Trotzdem seien die durchschnittlichen Einkommen der deutschen Landwirtschaft in den vergangenen Jahren gesunken. „Auf der Produktionsseite haben die Landwirte ihre Hausaufgaben gemacht“, so Herrmann. Die Vermarktung und damit die Einnahmen hätten sich jedoch nicht stabilisiert, stellte der Geschäftsführer fest, der 1990 die gvf VersicherungsMakler AG gründete und mit dieser Firma aktuell 1 300 landwirtschaftliche Großbetriebe in Ostdeutschland betreut. Laut Hermann haben sich bis zum 19. August bereits mehr als 300 Nutzer bei gruuna registrieren lassen. Er glaube, so der Geschäftsführer, dass gruuna den Nutzern viele Möglichkeiten biete, um günstiger Betriebsmittel einzukaufen und für die eigenen Produkte bessere Preise zu erzielen.
Gut 30 Mitarbeiter
Wie Hermann weiter ausführte, wurde im Jahr 2008 mit dem neuen Projekt begonnen. gruuna.com sei eine Handelsplattform für Agrarbetriebe und Händler, aber auch für Zulieferer und die verarbeitende Industrie. Landwirte könnten ihre Produkte zum festen Preis verkaufen oder als Auktion meistbietend versteigern, erläuterte Herrmann. Sie könnten gleichzeitig ihren Bedarf ausschreiben, Betriebsmittel und Technik einkaufen. Erhoben werde dafür nach jedem abgeschlossenen Handel eine Provision vom Verkäufer. Mitgeschäftsführer Michael Herbst verwies auf die Anfänge von gruuna. Bei einem Versicherungskunden sei ein Bergeraum abgebrannt. Auch wenn der Schaden schnell bezahlt worden sei, habe dem
Landwirt das Stroh gefehlt, um die Tiere im Winter ausreichend zu versorgen. Zur Unterstützung habe der Versicherungsmakler durch Kontakte zu überregionalen Kunden versucht, das Stroh zu organisieren. Dabei sei aufgefallen, dass es keine Möglichkeit für Landwirte gebe, in einem größeren Umfeld solche Dinge und andere Produkte kurzfristig zu kaufen oder verkaufen. Viele Agrarbetriebe hätten dies bestätigt und zugleich Interesse an einer Lösung bekundet, berichtete Herbst. Aus der Suche nach dem Stroh habe sich eine dreijährige Entwicklungszeit ergeben. Mehr als 30 Mitarbeiter seien eingestellt worden. Sie arbeiteten an der Umsetzung von gruuna.
Shop-System für Händler geplant
Grundlage der Handelsplattform ist laut Herbst eine Datenbank mit rund 28.000 Artikeln aus allen Bereichen des landwirtschaftlichen Handels. Alle Nutzer von gruuna sollten ihre Artikel standardisiert eingeben und suchen können. Dies sei wichtig, damit Käufer und Verkäufer tatsächlich zueinander fänden. „Außerdem können wir alle standardisierten Eingaben automatisch übersetzen. Damit wird der Handel sofort und ohne Aufwand für den Nutzer international“, erläuterte Herbst. Er hob hervor, dass bei der Entwicklung von gruuna die Erfahrungen in der Branche und die Kontakte zu Landwirten genutzt worden seien. Viele Versicherungskunden seien zu Testveranstaltungen eingeladen worden. Einige Probleme seien am Anfang unterschätzt worden. Manches habe man nur durch Gespräche mit Landwirten erfahren, erklärte Herrmann. Die unterschiedlichsten Verpackungsmöglichkeiten und die komplizierte Preisgestaltung beim Verkauf von Schweinen an Schlachthöfen seien nur zwei dieser Schwierigkeiten gewesen. Ohne die Hilfe der Landwirte wäre gruuna in dem Umfang nicht entstanden. Herbst wies darauf hin, dass es gruuna später auch in Englisch und Polnisch geben solle. Das Internetprojekt habe bislang einen siebenstelligen Betrag gekostet. Der Erfolg werde über die Erschließung weiterer interessanter Länder entscheiden. Auch ein Shop-System für Händler sei geplant.
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