Aus dem Ökolandbau ist Dinkel - auch Spelzweizen genannt - nicht wegzudenken. Wir stellen Ihnen hier die Ergebnisse der Landessortenversuche vor.
2011 wurden im Rahmen der Landessortenversuche auch für Dinkel Bundesland übergreifende Anbaugebiete (ABG) mit einheitlichen Sortimenten festgelegt.
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Die Nachfrage nach Dinkel wächst ungebrochen. Ein Großteil der Gesamtnachfrage wird immer noch aus ökologischer Erzeugung gespeist. Im konventionellen Anbau spielt Spelzweizen dagegen kaum eine Rolle. Trotz dieser ausgesprochen positiven Marksituation schwanken die Dinkelerlöse von Jahr zu Jahr nicht unerheblich. Es sind in erster Linie Veränderungen im Angebot, die den Preis relativ schnell beeinflussen.
Wie bereits für andere Öko-Kulturen in der LAND & Forst beschrieben, wurden 2011 im Rahmen der Landessortenversuche auch für Dinkel Bundesland übergreifende Anbaugebiete (ABG) mit einheitlichen Sortimenten festgelegt. Das ABG 2 - Sandstandorte Nordwest - umfasst zwei Standorte in Niedersachsen und einen in Schleswig-Holstein. Vom ABG 3 - Lehmige Standorte West - musste 2011 auf die Veröffentlichung der Daten von Schoonorth in Ostfriesland wegen zu hoher Streuung der Werte verzichtet werden. Übrig geblieben sind die Resultate eines hessischen und eines ostwestfälischen Versuchs. Leider lagen zu Redaktionsschluss noch nicht alle Qualitätsanalysen vor. Diese werden schnellstmöglich auf den Internetseiten der LWK Niedersachsen nachgeliefert.
Pflegemaßnahmen wie Striegeln oder gar Hacken kommen beim Anbau von Dinkel relativ selten vor. Bei zu guter Nährstoffversorgung besteht allerdings Lagergefahr. Wie haben nun die einzelnen Sorten in den Versuchen angeschnitten?
Sortenergebnisse
Die Sorte Franckenkorn steht bereits mehrjährig in den Versuchen und hat sich als ertragsstarke und ertragssichere Sorte mit ausgesprochener Standfestigkeit und Blattgesundheit bewährt. In diesem Jahr vermochte Franckenkorn das überdurchschnittliche Ertragsniveau erneut zu bestätigen. Die Qualitäten schwanken, wie in den Vorjahren, überwiegend um den Mittelwert.
Eine Besonderheit stellt die spezielle Nachfrage nach alten Dinkelsorten dar. Ihnen wird eine besonders gut Verträglichkeit in der menschlichen Ernährung nachgesagt. Die Sorte Oberkulmer Rotkorn zählt zu diesem Segment. Sie ist ausgesprochenen langstrohig und vermag Beikräuter gut zu unterdrücken. Deutliche Schwächen hat Oberkulmer Rotkorn allerdings bei der Standfestigkeit. In beiden Anbaugebieten ergeben sich schon seit Jahren stets weit überdurchschnittliche Backqualitäten. Die Erträge dagegen befinden sich nur auf unterdurchschnittlichem Niveau.
Ebners Rotkorn ist in Österreich unter biologisch-dynamischen Bedingungen gezüchtet worden. Nach Angaben des Züchterhauses soll Ebners Rotkorn keine „Weizengene“ enthalten. Demnach besitzt die Sorte Eigenschaften, die denen des Oberkulmer Rotkorns recht nahe kämen. Sie ist lang im Stroh, hat aber gegenüber Oberkulmer Rotkorn eine bessere Standfestigkeit. Im ABG 2 bewegen sich die Erträge in diesem Jahr größtenteils knapp unter dem Durchschnitt. In Oldendorf II fällt der Ertrag sogar erheblich ab.
Im ABG 3 brach in diesem Jahr der Ertrag erstaunlicherweise auf beiden Standorten stark ein. Überzeugen kann Ebners Rotkorn bei den Backqualitäten. Die Rohprotein- und Feuchtklebergehalte erreichen in beiden Anbaugebieten im dreijährigen Versuchszeitraum häufig sogar das hohe Niveau vom Oberkulmer Rotkorn. Ein Anbau kann bei Zusicherung entsprechender Erlöse durchaus in Erwägung gezogen werden.
Ein „reiner Dinkel“
Die Sorte Zollernspelz drosch auf allen Standorten des ABG 2 und auch in Hessen (ABG 3) im dreijährigen Versuchszeitraum in der Regel überdurchschnittlich. Die Erträge befinden sich auf dem Niveau von Franckenkorn. Nur in Lichtenau (NRW) fällt Zollernspelz mit schwankenden Resultaten auf. In diesem Jahr brach dort der Ertrag sogar deutlich ein. Zollernspelz ist mittellang im Stroh und besitzt eine gute Standfestigkeit und Blattgesundheit.
Die Backqualitäten erreichen dreijährig betrachtet zumeist das Versuchsmittel und liegen damit zwischen Franckenkorn und Oberkulmer Rotkorn. Laut Züchterangabe ist Zollernspelz ein „reiner“ Dinkel“, das heißt, es soll keine Verwandtschaft mit Weizen bestehen. Auch Zollernspelz kann aufgrund der Ertragssicherheit und der ausgewogenen Qualitäten in die engere Wahl gezogen werden.
Die aus bio-dynamischer Züchtung stammende Schweizer Sorte Samir wartete auf den Standorten Futterkamp und Osnabrück (ABG 2) nach einem schwachen Vorjahresergebnis wieder mit hervorragenden Erträgen auf. In Oldendorf II dagegen erreichte sie in diesem Jahr nur das Ertragsmittel. Im ABG 3, erst zweijährig geprüft, lag Samir zumeist knapp unter dem Durchschnitt. Einzig im Vorjahr in Lichtenau erreichte Samir ein wirklich gutes Resultat. Bei den Backqualitäten stach Samir bislang in beiden Anbaugebieten nicht hervor. Im Gegenteil. Auf fast allen Standorten bildet er meist das Schlusslicht. Ein Anbau muss vor dem Hintergrund der bisherigen Ergebnisse nicht in Betracht gezogen werden.
Interessante Neuzulassung
Divimar, neu in den Sortimenten, wartete auf fast allen Standorten der beiden Anbaugebiete mit erfreulichen Erträgen auf. Allein in Lichtenau (ABG 3) drosch er unterdurchschnittlich. Die bislang vorliegenden Qualitäten bewegen sich um den Mittelwert. Weitere Versuche gilt es abzuwarten.
Die vollständigen Ergebnisse finden Sie im Internet unter www.lwk-niedersachsen.de (Portal Betrieb & Umwelt/Ökologischer Landbau/ Pflanzenbau, Versuche). Eine aktuelle Übersicht im Handel erhältlicher biologisch erzeugter Saatgutpartien ist dem Internet unter www.organicXseeds.de zu entnehmen.
Relativerträge, Sandstandorte Nord-West
Relativerträge, lehmige Standorte West
Rohproteingehalte, Anbaugebiete 2,
Sandstandorte Nord-West
Feuchtkleber, Anbaugebiete 2,
Sandstandorte Nord-West
Rohprotein und Feuchtkleber, Anbaugebiet 3,
lehmige Standorte West
Feuchtkleber, Anbaugebiete 3,
lehmige Standorte West