Die klassische Infektion von Phoma beginnt durch Sporenübertragung auf die Neusaaten im Herbst.
© Raupert
Die Feldhygiene wird im
Ackerbau zu einem immer wichtigeren Thema. Jahrelang wurde sie von vielen Landwirten zum Teil fahrlässig vernachlässigt. In Zeiten, wo sich nicht mehr jedes pflanzenbauliche Problem mit einem passenden Pflanzenschutzmittel lösen lässt, müssen aber alle zur Verfügung stehenden Mittel gerade bei der Bodenbearbeitung ausgeschöpft werden, um die Ausbreitung von bedeutsamen Schaderregern zu begrenzen.
Ein klassisches Beispiel, wie man mit einer optimalen Feldhygiene die Ausbreitung von Krankheiten begrenzen kann, ist das letzte Rapsanbaujahr. Viele Landwirte hatten in ihren Beständen zur Blütezeit Umfaller bemerkt, die nicht immer auf die Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) zurückzuführen waren. Dr. Holger Kreye, Bezirksstelle Braunschweig der LWK Niedersachsen, zeigte dazu auf der Syngenta-Fachtagung in Bremen auf, dass es zwei Erregerarten gibt: Leptosphaeria maculans sowie Leptosphaeria biglobosa. Infektionsquellen sind meist Stoppelreste oder auch Samen. Die Überlebensdauer liegt auf Stoppelresten bei rund vier Jahren, die Ausbreitung erfolgt durch Wind, Regenspritzer, Samen und Insekten. Das Problem bei Phoma ist, dass die Krankheit über den gesamten Anbauzeitraum mit dem beginnenden Auflaufen bis zur Abreife auftreten kann.
Die klassische Infektion von Phoma beginnt durch Sporenübertragung auf die Neusaaten im Herbst. Es können sich dann bereits Blattsymptome in Form von scharf abgegrenzten gelblichen Blattflecken zeigen. Vom Blattrand kann die Infektion dann über die Blattadern bis in den Spross hinein wandern. 2011 sind laut Kreye bereits im Frühjahr zur Blüte viele Umfaller registriert worden. Betroffen seien vor allem Flächen gewesen, die länger unter Wasser gestanden haben und wo Sauerstoffarmut im Boden vorgeherrscht habe.
Neben der Blattinfektion sei jedoch auch eine Infektion über die Wurzeln möglich. Eintrittspforten sind meist größere Verletzungen im Wurzelapparat oder am Hypokotyl. Außerdem muss hierfür genügend Bodenwasser und ein ausreichend großes Inokolum im Boden vorliegen. Einschränkend gab Kreye zu bedenken, dass Umfaller auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden können. Dazu zählte er Fusariumarten, Bakterien, Pythium-Arten, Aphanomycis oder auch Rhizoctonia solani. Häufig seien auch Mischinfektionen nachgewiesen worden. Umfaller im Herbst seien häufig auf Fusariumbefall oder Wurzelbranderreger zurückzuführen.
Wie Kreye weiter ausführte, kann das Schadensausmaß durch die Auswahl von toleranten bzw. resistenten Sorten begrenzt werden. Dies treffe auf Fungizidbehandlungen weniger zu. Letztere erzielten in Versuchen mit modernen Sorten kaum Wirkung. Deutliche Effekte in der Wirksamkeit der Fungizide konnten in der Vergangenheit eher in älteren, anfälligen Sorten (≥ APS 6) beobachtet werden. Das fußt darauf, dass die Rapspflanzen bis zur Stufe 6 den Befall noch kompensieren können.
Einflussfaktoren auf das Phoma-Auftreten sind laut Kreye die Anbaukonzentration sowohl in der Gemarkung als auch auf dem Schlag, die Art der Bodenbearbeitung (extensiv oder eher intensiv), das Klima (Niederschlagsverteilung und Vegetationsruhe), sowie die Sorte mit ihrer unterschiedlichen Anfälligkeit. Auch die Phoma-Populationsstruktur (auftretender Typ und Rasse) sowie das Schädlingsaufkommen und der Ausgangsbefall im Altraps dürften nicht vergessen werden.
Die Einstufung bzw. die Boniturnote einer Sorte steht unter Befallsbedingungen jedoch nicht immer im direkten Zusammenhang mit dem Ertrag. Versuche haben, so Kreye, ergeben, dass eine Sorte mit der Boniturnote 5 den gleichen Ertrag bringen kann wie eine Sorte mit der Note 3. Die erst genannte Sorte scheint den höheren Befall besser ausgleichen zu können. Neben den zwei Erregerarten müssen seinen Angaben zufolge auch verschiedene Rassen von Leptosphaeria maculans in Deutschland unterschieden werden. So gebe es eine große Bandbreite von A1 bis A11, die verschiedene Temperatur- und Feuchtigkeitsansprüche haben. Deutschlandweit haben die Rassen A1 und A2 die größte Bedeutung.
Einen großen Einfluss auf die Phoma-Befallsstärke hat laut Kreye vor allem die Höhe des Ausgangsinokolums (Stoppelreste, Befall Altraps). Ebenso sei der Zeitpunkt der Infektion für die Befallsstärke entscheidend. Je früher die Infektion erfolgt, desto gravierendere Auswirkungen seien zu befürchten. Neben der Sortenanfälligkeit spielen auch der Witterungsverlauf (ein warmer Herbst, milde Winter, trocken-heiße Monate Mai und Juni begünstigen den Befall) und der Zeitpunkt des Blattabwurfes eine größere Rolle. Auch der Behandlungserfolg und die Einzelpflanzenentwicklung spielen eine Rolle.
Auch Kohlhernie als Fruchtfolgekrankheit
Eine Krankheit mit zunehmender Bedeutung in engen Rapsfruchtfolgen ist die Kohlhernie. Ihr Erkennungszeichen ist eine Gallenbildung an der Rapswurzel, wobei erste Symptome bereits im Herbst an welken Pflanzen zu erkennen sind. Dadurch ist die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen vermindert. Die Pflanzen welken und zeigen eine reduzierte Winterhärte. Die Schäden reichen bis zum Totalverlust. Vorsicht ist auch geboten, weil sich die Erreger im Boden anreichern.
Die Krankheit tritt besondern an staunassen Böden auf. Auch die Kohlhernie ist eine Fruchtfolgekrankheit, wobei die Dauersporen mehr als 20 Jahre im Boden überdauern können. Befallen werden neben Sommer- und Winterraps auch Zwischenfrüchte wie Stoppelrüben, Senf, Leindotter, Ölrettich und Futterkohl sowie Kohlrabi, verschiedene Kohlarten und auch Unkräuter, wie Ackerhellerkraut, Hederich und Hirtentäschel. Voraussetzung für den Befall ist ein pH-Wert unter 7, nasse Bedingungen im Feld, Bodentemperaturen über 12 °C und eine Anzahl von über 1.000 Dauersporen je Gramm Boden.
Auf den pH-Wert achten
Auch gegen diese Krankheit sollte ein integrierter Bekämpfungsansatz verfolgt werden. Möglichst weite Fruchtfolgen und die Meidung des Anbaus von Wirtspflanzen (Kreuzblütler) sowie die konsequente Bekämpfung von Ausfallraps und Kreuzblütlern können helfen, neue Entwicklungszyklen zu unterbinden. Auch Staunässe sollte vermieden werden. Wichtig: In Frühsaaten haben die Erreger bessere Entwicklungsmöglichkeiten.
Auch die
Düngung bietet gute Ansätze zur Bekämpfung, berichtete Björn Schaare, Syngenta Nord. Durch die Erhöhung des pH-Wertres auf über 7 kann das Befallsrisiko gesenkt werden. Ferner kann eine Ca-Düngung Wurzelhaarinfektionen verlangsamen. Ein weiterer Ansatz besteht in der Züchtung resistenter Sorten.
Eine rassespezifische Resistenz gegen die Kohlhernie ist zwar vorhanden, intensiv wird aber derzeit an einer verbreiterten Resistenz gearbeitet. Die bisher einzige resistente Sorte Mendel wird mit steigender Tendenz bereits auf über 30.000 ha angebaut. Für Entlastung könnten eventuell neue Safecross-Hybridrapssorten von Syngenta sorgen, die sich aber noch in der Wertprüfung befinden. Von Nachteil ist, dass sie keine neue Genetik aufweisen. Auch hier fußt die Resistenz wie bei Mendel auf dem gleichen Resistenzgen. Positiv ist allerdings, dass z. B. der Korn- und Ölertrag der neuen Sorte SY Alister über den Werten von Mendel liegt. Die Zulassung wird für 2013 erwartet.
Welche Alternativen es unter den Energiepflanzen zum Mais gibt, berichtete in Bremen Heinrich Romundt, Bezirksstelle Bremervörde der LWK Niedersachsen. Er prüft auf dem Versuchsfeld neben Gras- und Getreide-Ganzpflanzensilage auch Sorghum, Zuckerrüben, Silphie und Szarvasi. Großes Potenzial sieht der Berater noch beim Grünland. So seien höhere Gaserträge vor allem durch steigende Trockenmasseerträge zu erzielen. Durch höhere Intensitäten gerade auf extensiven Flächen könnten die Erträge noch um etwa 20 bis 30 % gesteigert werden. Beim Anbau von Getreide-GPS bzw. Ackergras in Maisfruchtfolgen sollte darauf geachtet werden, dass Mais besonders negativ auf eine Vornutzung dieser Kulturen reagiert. Erfahrungen aus rund zehn Jahren hat Romundt bereits mit dem Anbau von Sorghum gesammelt. Sorghum ist seinen Angaben zufolge frosthärter als Mais und ebenso mit sich selbst verträglich. Es kann als Hauptkultur auf sommertrockenen Standorten nach früh räumenden Früchten als Zweitkultur angebaut werden und verfügt über ein gutes Durchwurzelungsvermögen.
Das größte Problem ist das Auftreten von Schadhirsen. In Ermangelung wirkungsstarker Herbizide kann es aufgrund der höheren Wuchsleistung der Schadhirsen schnell zu gravierenden Problemen kommen. Ohne effektive Vorauflaufherbizide sieht Romundt nur einen begrenztes Sorghum-Anbaupotenzial.
Die Erträge liegen derzeit je nach Sorte um 15 t/ha TM. Je nach Jahreswitterung können allerdings starke Ertragsschwankungen auftreten. Von Vorteil ist, dass in Sorghum kaum Wildschäden auftreten. Die Kultur bietet sich laut Romundt deshalb für Flächen an, die aufgrund der hohen Wilddichte in der Vergangenheit stillgelegt worden sind. Eine Alternative sei Sorghum auch für Maiswurzelbohrer- und Zünslerstandorte. Züchterische Arbeiten sieht der Berater noch bei der Kältetoleranz, der Abreife und der Standfestigkeit.
Chance für die Zuckerrrübe
Die Zuckerrübe ist bereits eine gute Ergänzung zum Energiemais. Problem sei hier jedoch noch die Reinigung und Entsteinung sowie vor allem die Lagerung über einen längeren Zeitraum. Da der Anbau von
Zuckerrüben nach Mais durch vorhergehende Maisherbizide problematisch werden kann, sollte man die Zuckerrübe innerhalb der Fruchtfolge immer vor den Mais stellen, empfahl der Berater.
Eine weitere Alternative ist die Durchwachsene Silphie. Auf den ersten Blick scheinen Pflanzgutpreise von 4.000 bis 6.000 €/ha eher abzuschrecken. Da diese Pflanze jedoch über einen Zeitraum von rund 12 bis 15 Jahren nutzbar sei, würden sich diese Kosten wieder relativieren. Die Ertragserwartung liege hier bei 12 bis 20 t Trockenmasse/ha.
Neu im Programm sei das langlebige und horstbildende Horstgras „Szarvasi“. Die Wuchshöhe liegt bei rund 3 m, das Horstgras ist anspruchslos und frosthart. Im Ansaatjahr gibt es nur einen Teilertrag, sodass die Ernte erst ab dem zweiten Jahr interessant wird. Die Ertragserwartung stufte Romundt auf 15 bis 20 t/ha Trockenmasse ein. Von Vorteil sei, dass man hier mit nur zwei Schnitten die Kosten deutlich reduzieren kann.