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[ » LAND & Forst » Content » Forst » Kurzumtriebsplantagen ]
Montag, 21.05.2012
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Forst | 23.11.2011 Redaktion Land und Forst

Kurzumtriebsplantagen: Hemmschuh ist die lange Bindung

Holz, so die wissenschaftlichen Prognosen, wird in Zukunft knapper. Deshalb kommt der Anbau schnell wachsender Hölzer auf Ackerflächen in so genannten Kurzumtriebsplantagen (KUP), immer mehr ins Gespräch.

Eine Variante zur Trocknung des Erntegutes, die in Italien und Ungarn erprobt wird: Ernte mit Ablage im Schwad, dort Vortrocknen der Ruten, dann Aufnahme durch einen Spezialhäcksler.© Brüggemann
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Eine Variante zur Trocknung des Erntegutes, die in Italien und Ungarn erprobt wird: Ernte mit Ablage im Schwad, dort Vortrocknen der Ruten, dann Aufnahme durch einen Spezialhäcksler.
© Brüggemann
Erfahrungen aus der Praxis, Hemmnisse, Chancen und innovative Geschäftsmodelle für diese Anbauform waren kürzlich Thema auf einer Fachtagung am Institut für Forst- und Holzwirtschaft der TU Dresden in Tharandt.

Deutschlandweit existieren bisher etwa 5.000 ha Kurzumtriebsplantagen. Der Entschluss zur Neuanlage solcher Kulturen fällt bei vielen Landwirten nur zögerlich. Als deutliches Hemmnis nannte Michael Grunert vom sächsischen Landesamt für Landwirtschaft die 20-jährige Flächenbindung, was besonders bei hohen Pachtanteilen relevant ist. Auch die Hoffnung auf steigende Preise für Getreide und Raps bremst die Etablierung mehrjähriger Kulturen. Mit den Änderungen im Waldgesetz, dem Erhalt des Ackerstatus bei mindestens einer Ernte in 20 Jahren sowie die Beihilfefähigkeit als Betriebsprämie ist zumindest rechtliche Sicherheit gegeben.

Selbstversorgung mit Heizmaterial

Als Beweggründe für einen Anbau der Hölzer wird neben der Selbstversorgung zu Heizzwecken der Aufbau neuer Einnahmequellen für den Betrieb genannt. Gute Erfahrungen wurden unter anderem mit Streifenanlagen von schnell wachsenden Baumarten gemacht, die neben der Erzeugung von Energieholz auch landschaftsgestaltende und erosionsmindernde Funktionen erfüllen. Wichtige Startparameter bei der Begründung einer KUP sind eine standortspezifische Sortenwahl, Stecklingsqualitäten, gute Bodenvorbereitung, eventuell Bewässerung im Pflanzjahr und Unkrautregulierung.

Wie aus Schleswig- Holstein berichtet wurde, ist das Ausbringen von Klärschlämmen auf KUP- Flächen gut möglich, wo es rechtlich zulässig ist. Da die Kulturen aber nur geringe Nährstoffmengen benötigen, darf lediglich gezielt gedüngt werden. Keinesfalls kann die Plantage zur Entsorgung der Schlämme dienen.

Die meisten Betriebe beginnen eher vorsichtig mit der Anlage von Kurzumtriebsplantagen und zunächst mit nur kleinen Flächen, wie Anke Naumann berichtete, deren Agrargenossenschaft AGRASET von 5.200 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche nun 3,5 ha mit KUP bestellt hat. Da der regionale Holzhackschnitzelmarkt zunächst erschlossen werden muss, wurden erst einmal die kleinen, schwer zu bewirtschaftenden Flächen gewählt. Wasser- und Erosionsschutz, Verringerung des Pflanzenschutzmittelbedarfes, positive Wirkungen auf den Boden und eine Möglichkeit, die Mitarbeiter auch im Winterhalbjahr zu beschäftigen, waren Beweggründe der Genossenschaft.

Ernte ist nur alle paar Jahre

Als negativ bewertete sie die langen Standzeit der Plantage, Unkenntnis in Anbau und Behandlung des Erntegutes sowie die nur alle drei Jahre anfallenden Erträge. Dennoch will AGRASET den Anbau ausweiten, vorausgesetzt es ergeben sich Absatzwege für die Hackschnitzel bei den Kommunen der Umgebung.

Welche Möglichkeiten der Energieholzproduktion es neben der eigenen Nutzung gibt, schilderte Dirk Landgraf von der Firma P&P. So suchen Energieversorger deutschlandweit nach Flächen, um Kraftwerke mit Biobrennstoffen zu betreiben. Landeigentümer haben dann die Möglichkeit, Flächen nach dem Pacht- oder Kooperationsmodell zu bewirtschaften oder bewirtschaften zu lassen. Beim Pachtmodell werden die Flächen langfristig (mind. 15 Jahre) an den Energieversorger verpachtet, der anstrebt, in der Region möglichst großflächig Brennstoffe aus KUP zu erzeugen. Dieser kann dann schlagkräftig und kompetent mit Spezialmaschinen wirtschaften. Das Modell kommt besonders bei Betriebsaufgabe infrage oder wenn kein räumlicher Bezug zur Fläche besteht. Beim Kooperationsmodell entwickeln Energieversorger und Landeigentümer eine individuelle Kooperation als Vertragsanbau. Dabei ist es wichtig, vorhandenes Wissen und den überbetrieblichen Einsatz von Spezialmaschinen für Begründung, Pflege und Ernte zu nutzen, die der Vertragspartner anbieten kann.

Grundsätzlich sollte man sich vor Anlage einer KUP-Fläche mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen, um besonders auch naturschutzrechtliche Belange zu klären. Eine Anzeigepflicht gibt es nur in Bayern, vorherige Rücksprache kann jedoch das weitere Vorgehen erheblich erleichtern.

Für Moritz von Harling, der sich beim Kesselhersteller Viessmann seit fünf Jahren um KUP kümmert, ist die Kommunikation vor Ort eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine schnelle und problemlose Verwirklichung derartiger Projekte. Da das Verfahren in zahlreichen Regionen völliges Neuland ist, sollten rechtzeitig offene Diskussionen mit Behörden, Bürgern, bis hin zu Jägern geführt werden.

Wenn in Betrieben zunächst nur Problemflächen für KUP genutzt werden, ist es wichtig, die Ertragserwartungen nicht zu hoch anzusetzen, betonte Wolfram Kudlich, Wald 21. Mit KUP wird nach seiner Überzeugung immer die Wertigkeit des Standortes verbessert. Ein weiterer Vorteil: Mit der Begründung der Fläche koppele man sich weitgehend von den Preissteigerungen der Betriebsmittel, wie Dünger und Treibstoffe, ab.

Abnahme- und Verwertung der geernteten Hackschnitzel sind wichtige Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit. Innovative Geschäftsmodelle können hier hilfreich sein, wie Dr. Jörg Schweinle, vTI, erläuterte. Sind dabei unterschiedliche Partner Partner beteiligt, sind Kommunikation, Vertrauen, Offenheit, Engagement, Kompromissfähigkeit und vor allem Realitätssinn wichtige Voraussetzungen.

Bezüglich einer Verwertung von KUP-Holz in der Pelletproduktion machte Annemarie Kürsten von ENERGIE 2.0 deutlich, dass dies aufgrund des hohen Rindenanteils eigentlich nur für Industriepellets der Norm EN B möglich ist. Eine vielleicht interessante Perspektive bietet sich allerdings  in der Mischung mit anderen problematischen Brennstoffen für eine Verarbeitung zu Mischpellets. Hier könnte KUP-Holz dazu beitragen, schlechte Brennstoffeigenschaften von z.B. Gär- und Kaffeeresten oder Dinkelspelzen aufzuwerten. Allerdings muss man hier den ökonomischen Rahmen im Auge behalten.

Das an sich praxisreife Verfahren des Anbaus von KUP besitzt noch Optimierungspotenzial. Dieses bezieht sich auf alle Bereiche - von der Züchtung und Lagerung bis hin zur Verwertung des Brennstoffes.
Carsten Brüggemann, LWK Niedersachsen
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