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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Grünland » LWK-Grünlandtag ]
Montag, 21.05.2012
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Grünland | 14.02.2012 Redaktion Land und Forst

Grünlandtag 2012: Nachhaltigkeit wird der Gradmesser

Auf dem 60. Grünlandtag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vergangene Woche in Leer und Harsefeld drehte sich alles um die Perspektiven der Grünlandwirtschaft.
Birthe Lassen sieht für die niedersächsische Milcherzeugung gute Chancen.© Kahnt-Ralle
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Birthe Lassen sieht für die niedersächsische Milcherzeugung gute Chancen.
© Kahnt-Ralle
Kammerpräsident Arndt Meyer zu Wehdel eröffnete die gut besuchte Fachveranstaltung mit den Worten: „Auch auf unserem 60. Grünlandtag wollen wir trotz Jubiläum nicht zurückschauen, sondern die Richtung für die Zukunft aufzeigen“. Die Landwirtschaft muss sich laut Kammerpräsident weiter bemühen, trotz hoher Intensität eine nachhaltige Wirtschaftsweise umzusetzen. Das bedeute, die Natur nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Nur Wirtschaftsweisen, die das erfüllen, hätten eine Zukunft. In punkto Flächenkonkurrenz zwischen Milchviehhaltung und Biogas sei der richtige Weg, Nutzungskaskaden umzusetzen. Hochwertige Biomasse müsse zur Erzeugung von Nahrungsmitteln genutzt werden, geringerwertige zur Energiegewinnung.

Der Grünlandtag ist immer auch der Rahmen für die Vorstellung der Silagewettbewerbergebnisse durch Dr. Christine Kalzendorf, Futterbaureferentin der Landwirtschaftskammer. Diesmal erhielt sie Unterstützung durch Jörg Brandes aus Wardenburg-Littel im Landkreis Oldenburg, der beim ersten, zweiten und dritten Grasschnitt niedersachsenweit 2011 die besten Silagen erzeugt hat. Der Praktiker stellte sein Erfolgsrezept vor (mehr zum Silagewettbewerb 2011 - Gras- und Maissilage - in einer der nächsten Ausgaben).

Niedersachsen ist wichtiger Player

Gespannt waren sicher viele Zuhörer auf die Aussagen von Birthe Lassen vom Johann Heinrich von Thünen-Institut. Die Referentin aus Braunschweig zeigte auf, ob und wie wettbewerbsfähig die Niedersächsische Milcherzeugung ist. Dabei müsse man unterscheiden zwischen betriebsindividueller und regionaler Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem würden verschiedene Methoden zur Bestimmung der Wettbewerbsfähigkeit angewendet. Lassen: „Alle drei Methoden - Marktanteilsanalyse, Standortfaktorenanalyse, Produktionskostenanalyse - haben Vor- und Nachteile und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen“.

Nach der Marktanteilsanalyse ist Niedersachsen mit 1 % der Weltmilchproduktion schon ein sehr bedeutender Player auf dem Weltmarkt. In unserem Bundesland würden 20 % der deutschen Milch erzeugt, stünden 19 % der deutschen Milchkühe und seien 15 % der deutschen Milchviehhalter beheimatet, so Lassen. Noch beschränke die Milchquotenregelung die Marktanteilsveränderungen.

Seit 2007 sind die Milchquoten nicht nur in die norddeutschen Milcherzeugungsregionen abgewandert, sondern auch verstärkt in die Gemischtregionen. In den Grünlandregionen mit hohem Milchviehanteil könne die Viehdichte ein Problem werden, so Lassen zur Standort-analyse. „Es gibt heute schon Regionen, wo theoretisch kein Kuhplatz mehr hinpasst“, so die Referentin. Das könne sich auf die Auflagen und die Genehmigungen von Stallplätzen auswirken.

Gemischtregionen seien diesbezüglich besser dran. In Gemischtregionen müssten aber die Opportunitätskosten für die Fläche (hohe Marktpreise z.B. für Getreide machen Ackerfutter teuer) berücksichtigt werden, weil diese die Vorzüglichkeit des Ackerfutterbaus beeinflussten. Bei der Produktivitätskostenanalyse bemängelte Lassen, dass es in Deutschland keine einheitliche Datenerfassung gebe. Außerdem müsse jeder Betrieb mit Vollkosten rechnen. Sassen stellte den Landwirten im Saal die Frage: „Wer kennt denn seine Vollkosten?“ Nur zögerlich gingen daraufhin vereinzelt die Hände hoch.

Wie Milchviehhalter selber die Zukunftstrends wahrnehmen, hat Sassen 2010 in einer Umfrage bei 655 Betrieben abgefragt. Nach Einschätzung der Betriebsleiter ist die Flächenknappheit die größte Herausforderung der Zukunft. Vor knapp zwei Jahren sahen die Milchviehhalter vor allem im Biogasbereich ein stark wachsendes Segment. An zweiter Stelle stehen die rechtlichen Auflagen, die die betriebliche Entwicklung maßgeblich beeinflussen werden. Erst dann kommen schwankende Milchpreise.

Das Wachstum der Milcherzeugung in der eigenen Region wird sogar in den Regionen mit starkem Milchquotenzugang von den befragten Erzeugern eher zurückhaltend beurteilt. Auch EU weit erwarten viele Länder eher einen Rückgang der Milcherzeugung, nur Norddeutschland schätzte seine Zukunft vergleichsweise positiv ein, so Lassen. Diese pessimistische Sichtweise werfe die Frage auf, wer denn dann in Zukunft in Europa die Milch produziere. In der EU, so Lassen weiter, könne von einem Milcherzeugungsboom keine Rede sein.

Vor diesem Hintergrund gab die Referentin des folgende Einschätzung für die Zukunft ab:
  • die Milchnachfrage wird weltweit steigen und die Milch aus der EU wird weiterhin benötigt,
  • nach 2015 ist in der EU kein Milchboom zu erwarten.
  • Niedersachsens Anteile an der Milcherzeugung werden steigen.
  • Dabei sind die Grünlandregionen die Gewinnerregionen und in den Gemischtregionen zeichnet sich eventuell eine Trendumkehr ab.
  • Risiken sind neben der Entwicklung von anderen Betriebszweigen (z.B. Biogas) auch die Verbraucherillusionen,
  • Chancen bieten die klimatischen Bedingungen und die Strukturen in Niedersachsen sowie auch klar formulierte Verbraucherwünsche im konstruktiven Dialog.
Prof. Friedhelm Taube von der Universität in Kiel machte deutlich, warum eine Intensivierung der Futterproduktion nachhaltig zu erfolgen hat. Taube: „Vor dem Hintergrund der Klimadiskussion müssen wir nicht die Emissionen pro Hektar betrachten, sondern je Produktionseinheit“. Immerhin stammten 75 % der landwirtschaftlichen Emissionen aus dem Futterbau. Angesichts des wachsenden Nahrungsmittelbedarfs müsse jegliches Wachstum nachhaltig erfolgen, so Taube.

Umweltziele noch nicht erreicht

Taube klopfte die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Umwelt-Wirksamkeit ab. So sei das Ziel „Reduktion der nationalen N-Salden“ durch die Düngeverordnung seit 2000 nicht erreicht worden. Auch das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie sei nicht erreicht worden: „Wir verzeichnen einen steigenden Trend der Nitratkonzentration im Oberflächenwasser unter Ackernutzung“, so Taube. Und: „Wir müssen besser werden, sonst drohen Verschärfungen“.

Untersuchungen in Schleswig-Holstein auf Modellbetrieben auf der Geest und im Moor sollen zeigen, welche Produktionssysteme den Nachhaltigkeitsanspruch erfüllen können. Beim Vergleich von Mais und Gras auf Geeststandorten ist laut Taube mal der Mais (Klimaschutz, Flächenverbrauch) ökoeffizienzmäßig überlegen und mal das Gras (Wasserschutz). Mais zeige die höchste N-Effizienz, habe aber oberhalb von 150 kg N keinen weiteren N-Bedarf mehr. Der Rohproteingehalt im Mais sei ein guter Gradmesser für eine optimale N-Düngung. Mit 6,5 bis 7 % Rohprotein sei das Optimum erreicht. 0,5 % Rohproteingehalt entsprächen dabei etwa 20 kg N. Auf 30 % aller Maisschläge müsse die N-Düngung reduziert werden, schätzt Taube.
Vergleiche man die Flächenleistungen von Mais- und Grasanbau müsse man klar sagen, dass Grünland zu einem höheren Flächenverbrauch führe, so der Kieler Agrarwissenschaftler. „Bei den aktuellen Flächenkosten muss man schon 70 % Deutsches Weidelgras in der Narbe haben“, so Taube. Grasland sauge aber den Stickstoff aus dem Boden regelrecht auf, was ein Plus für den Wasserschutz ist. Es sei notwendig, eine Hierarchie der Schutzziele aufzustellen.
 
Mais soll laut Taube nur dort angebaut werden, wo er gut hinpasst (Ökoeffizienz!). „Wo immer es geht, sollte nach Alternativen geschaut werden“, rät der Wissenschaftler. So sollte man über Rotklee-Gras nachdenken. Die N-Nachlieferung sei so groß, dass man zu dem nachfolgenden Mais keinen Mineraldünger mehr brauche, nur Unterfußdünger, und den möglichst als Gülle. „Der Mais profitiert immer von einer Fruchtfolge“, so Taube. Als Pufferpflanze für die Gülledüngung passe Triticale-GPS gut in die Fruchtfolge. Damit sei die Gülle dann immer sinnvoll zu verwerten.

Grundsätzlich hält Taube die Erhaltung von Grünland auf Geeststandorten nicht für sinnvoll, dies seien historische Ackerstandorte. Die Niederungsregionen sollten dagegen in Grünland umgewandelt werden, denn eine Ackernutzung auf diesen Standorten erhöhe die Treibhausgasemissionen um den Faktor 20. Bisher habe aber die Politik die Umwandlung solcher Flächen in Grünland verhindert. Das EEG sei hier kontraproduktiv. Die Politik sei gefordert, regional unterschiedliche Ökoeffizienzparameter umzusetzen. Flächendeckende Anreize würden hier nicht helfen. Den Grünlandbetrieben riet Taube dringend, die 230 kg-Regelung zu nutzen. Der damit verbundene Aufwand sei kein Hinderungsgrund. Eine intensive Schnittnutzung sei eine sichere Option, um N-Austräge zu vermeiden.
          

Sehen Sie dazu auch unser Video "Grünlandwirtschaft: Vollkosten sind wichtig"

Edith Kahnt-Ralle
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