In Niedersachsen sind in den vergangenen Jahren viele Legehennenställe mit Bodenhaltung entstanden. Hier ist das Problem „Stallstaub“ von großer Bedeutung - für die Gesunderhaltung sowohl der Tiere als auch der Menschen, die im Stall arbeiten. Schon bei der Einrichtung als auch im Management kann viel getan werden, um die Staubkonzentration möglichst gering zu halten.
Durch Scharren in der Einstreu steigt die Staubbelastung.
Die Entwicklung hin zur Bodenhaltung bei Legehennen ist aus Sicht des Tierschutzes zu begrüßen. Andererseits wächst damit das Problem „Stallstaub“. Von einer hohen Stallstaubkonzentration gehen Gefahren für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitskräfte und der Legehennen aus. Die wesentlichen Staubquellen sind das Futter, die Einstreu, Exkremente (Kot), Feder- und Hautpartikel, Pilzsporen, abgestorbene und lebende Mikroorganismen und Abrieb von baulichen Anlagen.
Einfluss auf die Konzentration von Stäuben in der Stallluft haben die Tages- und Jahreszeit, Temperatur, Luftfeuchte, die Tierart, die Tieraktivität und das Tieralter, die Einstreubeschaffenheit, das Futter und das Reinigungs- und Desinfektionsregime. Aber auch Haltungs- und Entmistungsverfahren, lüftungstechnische Anlagen, Lichtregime und Besatzdichte beeinflussen die Staubkonzen-tration. Tabelle 1 zeigt den Einfluss des Haltungsverfahrens auf die Staubkonzentration in Legehennenställen. Untersuchungen von Hoy (1998) zeigen, dass die Bodenhaltung von Legehennen im Mittel eine 20fach höhere Staubkonzen-tration mit sich bringt als die Käfighaltung. Verursacht wird dies zum einen durch die Einstreu und die höhere Tieraktivität - scharren, sandbaden, fliegen, Flügel schlagen, laufen und flüchten. Zum anderen nimmt die Staubkonzentration durch die mit zunehmender Haltungsdauer anwachsende Kotmenge und Menge an abgestoßenen Feder- und Hautpartikeln zu. Trotzdem liegen die Staubkonzen-trationen in der Bodenhaltung noch unter dem empfohlenen Grenzwert von 6 mg/m3.
Abhängig vom Einstreumaterial, der Tieraktivität, der Temperatur, Luftfeuchtigkeit, dem Lüftungssystem und der Fütterungstechnik sind zudem relativ große Unterschiede vorhanden. Wie bei den Ammoniakemissionen, ergeben sich im Tagesverlauf Unterschiede bei der Höhe der Staublast. In Untersuchungen in Etagenställen wurde festgestellt, dass morgens nach Lichtbeginn bei der Futtersuche der Staubgehalt in der Stallluft ansteigt. Mit der Eiablage bis nach 9 Uhr war die Staubentwicklung gering. Mit einsetzendem Staubbaden nahm sie wieder zu und erreichte gegen 12 Uhr ein Maximum. Nach einer Ruhephase stieg die Staubbelastung mit Beginn der Fressaktivitäten vor der Dunkelheit wieder an. Mit Beginn der Nachtruhe geht die Staubentwicklung wieder deutlich zurück.
Einfluss auf den Staubgehalt in der Luft hat auch der Trockensubstanzgehalt der Einstreu. Sehr gut gelagertes, trockenes Stroh bietet zwar sehr gute Voraussetzungen für geringe Ammoniakemissionen und geringeren Krankheitsdruck im Stall, führt aber zu einer höheren Staubentwicklung. Normalerweise ergäben sich aufgrund der geringeren Luftfeuchte im Sommer und dem höheren Trockensubstanzgehalt im Stroh höhere Staubgehalte als im Winter. Aufgrund der höheren Temperaturen und der damit verbundenen hohen Luftwechselrate, wird im zwangsgelüfteten Stall ein Teil des Staubes jedoch relativ schnell nach außen abgeführt. In der Praxis heißt das, dass im Sommer nicht unbedingt höhere Staubkonzentrationen in der Stallluft auftreten müssen.
Eine Gesundheitsgefährdung im Stall geht vor allen Dingen von den kleineren Staubpartikeln (< 15 μm) aus, da sie nahezu vollständig eingeatmet werden und damit bis in die Lungenalveolen gelangen. Die größeren Partikel (> 15 μm) verbleiben hingegen hauptsächlich im Nasen- und Rachenraum.
Eigene Untersuchungen zur Staubzusammensetzung in Volierenställen mit Zugang zu einem Wintergarten ergaben die in Tabelle 2 und 3 dargestellten Werte. 77 bis 85 % der gemessenen Stallstaubpartikel lagen in der alveolengängigen Fraktion von < 5 μm. 14 bis 22 % des Staubes lagen im Bereich zwischen 5 - 15 μm und nur 0,4 bis 0,9 % gehörten zur Fraktion der größeren Partikel (> 15 μm).
Unterschiede bei der Staubzusammensetzung traten in Abhängigkeit vom Standort der Messpunkte auf. Beim Vergleich des unteren Messpunktes (40 cm Höhe) mit dem oberen Messpunkt (200 cm Höhe) wird deutlich, dass im Aktivitätsbereich der Legehennen der Anteil des Feinstaubes kleiner und der Anteil der größeren Partikel höher ist als am oberen Messpunkt. Dies war zu erwarten, da kleine Partikel leichter und daher eher schweben als größere.
Untersuchungen anderer Autoren zur Staubzusammensetzung in Legehennenställen ergaben Werte zwischen 50 bis 95 % der Staubpartikel im alveolengängigen Bereich. Bei der Staubwirkung ist der Langzeiteffekt mit zu kalkulieren, der abhängig ist von der Staubkonzentration und der Zeitdauer der Wirkung auf Mensch und Tier.
Gelangt Staub über eine längere Zeitdauer in die Lungenalveolen, kann es zu Reizungen der Lungenschleimhäute kommen, insbesondere dann, wenn mit dem Staub das Schadgas Ammoniak transportiert wird. Die mechanischen und chemischen Reizungen können zu Entzündungen führen und die mit dem Staub mit transportierten Keime können Infektionen und Erkrankungen einschließlich Allergien hervorrufen. Der Keimgehalt der Stallluft schwankt in Abhängigkeit von der Menge des aufgewirbelten Staubes, der Intensität der Lüftung sowie dem Stallklima.
Zu hohe Staubgehalte können nicht nur die Atmungsorgane und die Haut belasten, sondern auch Stress hervorrufen und somit zu Fehlverhalten bei den Legehennen wie aggressives Federpicken bzw. Kannibalismus führen. Außerdem werden durch die Ablagerung von Staub die Funktionstüchtigkeit von Lüftungsanlagen beeinträchtigt, der Lichteinfall reduziert, die Korrosion von Bau- und Anlagenteilen aus Metall sowie der Arbeitszeitaufwand für die Reinigung und damit die Kosten der Produktion erhöht. Staubablagerungen können auch eine Belastung für die im Stall befindlichen Eier darstellen.
Mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Staubentwicklung bzw. zur Verminderung der Staubbelastung im Stall und der Emission in die Umgebung sind:
- Einsatz von Wasser und pflanzlichem Öl (Vernebelungsanlage) zur Staubbindung.
- Bei Neubauten Einrichtung außen liegender Scharräume (Wintergarten).
- Einsatz von Industriestaubsaugern zur Entfernung von Sedimentationsstaub im Stall.
Stallstaub kann geruchsaktive Verbindungen absorbieren und damit dann auch Tierhaltungsgerüche nach außen transportieren und somit zur Geruchsbelästigung beitragen.
Aus Untersuchungen von Hoy (1998) ist allerdings bekannt, dass sich die Staubkonzentration mit zunehmender Entfernung vom Stall jedoch sehr schnell verringert.
Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse einer solchen Messung. Lagen die Werte bei 3 m Entfernung vom Stall noch bei 46 % der Staubkonzentration im Stall, so waren nach über 50 m nur noch geringe Unterschiede zu den in der Außenluft normalen Staubkonzentrationswerten festzustellen. Eine Möglichkeit, die aus den Abluftöffnungen herausströmenden Staubpartikel sehr schnell abzubremsen und festzuhalten, ist zum Beispiel auch das Aufstellen von Strohballen.