Viele Schafhalter haben jetzt Hochsaison bei den Geburten: Auch Meike Avramut-Lampe aus Rönnelmoor in der Wesermarsch steht jede Nacht auf, um im Schafstall nach dem Rechten zu sehen.
So sehen putzmuntere Lämmer im Kreise ihrer Mütter aus.
© Hibbeler
Die Vorbereitungen für die Lammzeit beginnen bereits mit der Zuchtplanung im Sommer: Weil die Züchterin im Herbst mit ihren Lammböcken zur Auktion möchte, sind ein Mindestalter von sechs Monaten und eine gute Entwicklung bis dahin notwendig. Auch von der Arbeitswirtschaft passt die Lammzeit von Mitte Dezember bis Anfang Februar gut in den Zeitablauf auf dem Hof.
Die Muttertiere sind vor der Geburt besonders gut zu versorgen. Zur Fütterung wird bei Stallhaltung nur einwandfreie Silage und Heu zur freien Aufnahme eingesetzt. Da in der Hochträchtigkeit die Grundfutteraufnahme wegen der zunehmenden Fötenentwicklung zurückgeht, ist eine Ergänzung der Grundfutterration mit Kraftfutter wichtig. Hinzu kommen Mineralstoffe und Vitamine und natürlich steht immer frisches Trinkwasser bereit.
Bereits drei bis vier Wochen vor der Geburt werden die Mutterschafe geschoren, um die Tiere mit ihrem Euter besser im Blick und unter Kontrolle zu haben. Deshalb erfolgt das Ablammen auch grundsätzlich im Stall, und zwar in der Regel in der Gruppe in der gewohnten Umgebung.
Kurz nach der Geburt kommen Mutter und Lamm für ein bis zwei Wochen in Einzelbuchten, danach zunächst in kleine und später in große Gruppenbuchten. So kann sich der Nachwuchs langsam an eine Herde gewöhnen.
Kurz vor der Geburt dringt die Fruchtblase mit dem Fötus passiv in den Bereich des Muttermundes vor und führt zu dessen Erweichung. Die Tiere werden unruhig, sondern sich von der Herde ab, wechseln oft den Platz, scharren mit den Vordergliedmaßen und zeigen leichte Wehen.Weitere Zeichen sind die Produktion von Biestmilch und ein starkes Anschwellen der Schamlippen.
Eine normale Geburt dauert bei Einlingen etwa 30 Minuten und bei Zwillingen etwa 70 Minuten. Einlingsgeburten treten jedoch um etwa einen Tag später ein als Mehrlingsgeburten. Bei erstgebärenden Schafen kann das Austreibungsstadium bis zu zwei Stunden betragen. Die normale Geburtslage der Lämmer ist die Vorderendlage (Kopf voraus), die obere Stellung (Rücken des Lammes zum Rücken der Mutter) und die günstige Haltung (Kopf auf den Vorderextremitäten). Meike Avramut Lampe hat das Geburtsgeschehen ständig im Blick, um im Notfall Geburtshilfe leisten zu können oder tierärztliche Hilfe zu holen. Gesunde Muttertiere gebären normalerweise auch mehrere Lämmer selbständig.
Von besonderer Bedeutung ist die Bildung der Mutter-Lamm-Beziehung. Unmittelbar nach der Geburt lecken Schafmütter ihre Lämmer trocken. Durch diese wichtige Verhaltensweise wird einerseits der Aufbau der Mutter-Lamm-Beziehung gewährleistet und andererseits die Unterkühlung der Neugeborenen verhindert. Beim Ablammen im Stall sollten Mutter- und Jungtiere deshalb mindestens 24 Stunden von den anderen Tieren getrennt gehalten werden, damit die Lämmer genügend Kolostralmilch aufnehmen und sich die Bindung zwischen beiden ungestört bilden kann.
Gesunde Lämmer stehen im Durchschnitt 20 Minuten nach der Geburt auf und fangen nach 45 Minuten selbständig an zu saufen. Zur Kontrolle der Durchgängigkeit der Zitzen werden die ersten Tropfen der Biestmilch abgemolken und gleichzeitig das Euter auf Umfangsvermehrung, Schmerzhaftigkeit und Verletzungen untersucht. Durch eine intensive Beobachtung von Mutterschaf und Lamm prüft Meike Avramut-Lampe die Beziehung und stellt sicher, dass das Lamm das Euter tatsächlich findet und Milch aufnimmt.