Beim Schlepperkauf spielen häufig auch emotionale Aspekte eine Rolle. Das sollte aber nicht dazu führen mehr Geld auszugeben als nötig.
Das Angebot an Schleppern ist groß. Durch gezielte Auswahl lässt sich Geld beim Kauf und beim Einsatz sparen.
© Dr. Kowalewsky
Vor dem Kauf eines neuen Schleppers sollte man sich zunächst fragen, ob die Anschaffung wirklich unumgänglich ist. Immer mehr Landwirte stellen bei derartigen Überlegungen fest, dass sie besser einige Arbeiten wie z.B. das Pflügen, den Pflanzenschutz, das Güllefahren oder die Grassilagebergung vom Maschinenring oder von Lohnunternehmern erledigen lassen. Oftmals ist es so möglich, auf dem Betrieb mit nur noch einem statt zwei Schleppern auszukommen. In diesem Zusammenhang kann es durchaus zweckmäßig sein, z.B. beide bislang auf dem Betrieb vorhandene Schlepper in Zahlung zu geben und einen, speziell auf den geänderten Einsatz abgestimmten, Neuschlepper zu kaufen.
Schlepper ausgelastet?
Wenn der Kauf eines neuen Schleppers unverzichtbar ist, stellt sich die Frage, ob dieser Schlepper ausreichend ausgelastet werden kann. Insbesondere bei den leistungsstarken Schleppern ist das oftmals nicht der Fall. Nicht selten werden diese Schlepper nur 300 bis 400 Stunden im Jahr eingesetzt. Dann gilt es zu überlegen, ob es nicht in der Nachbarschaft Landwirte mit ähnlichen Problemen gibt, mit denen man einen entsprechenden Schlepper gemeinsam kaufen und dadurch besser auslasten kann. In ganz Deutschland finden sich dazu inzwischen eine Reihe von gut funktionierenden Beispielen.
Relativ einfach ist der Kauf eines Gemeinschaftsschleppers, wenn daran nur zwei Landwirte beteiligt sind. Je mehr Landwirte sich einen Schlepper teilen, desto wichtiger wird es, auch die Kleinigkeit beim Einsatz und bei Pflege und Wartung bis ins Detail zu regeln. Außerdem müssen die beteiligten Landwirte zueinander passen und ein Ausstieg aus der Gemeinschaft sollte erst mit einer zeitlichen Verzögerung möglich sein. Unerlässlich ist ein am Einsatzumfang orientiertes Abrechnungssystem.
Wenn sich zwei Landwirte den Kauf eines Schleppers teilen, verringert sich der für den einzelnen zu zahlenden Kaufpreis um 50 %. Kommt noch ein dritter
Landwirt hinzu, beträgt die dadurch für die beiden anderen zusätzlich erreichte Reduzierung nur noch 17 %. Dies und die Tatsache, dass in der Regel bei mehr als 1.000 Einsatzstunden pro Jahr keine wesentliche Kostensenkung mehr zu erreichen ist, spricht bei Schleppern eher für kleinere Gemeinschaften. Solche Schleppergemeinschaften sind dann aber häufig der Ausgangspunkt, um auch bei anderen Geräten miteinander zu kooperieren. Dadurch sind in der Regel weitere Einsparungen möglich.
Ein Allrad-Schlepper in der 100-PS-Klasse kostet derzeit etwa 50.000 €. Für viele Landwirte geht es daher um die Überlegung, ob nicht durch den Kauf von Billigfabrikaten Geld gespart werden kann. Derartige Schlepper werden in der 100-PS-Klasse für unter 30.000 € angeboten. Sie sind damit deutlich billiger als die gängigen Fabrikate und erscheinen deshalb im Hinblick auf die festen Kosten wie Abschreibung und Zinsen auch entsprechend günstiger. Dabei wird oftmals aber nicht bedacht, dass bei einer betriebswirtschaftlich korrekten Bewertung die zu erwartende kürzere Lebensdauer bzw. der geringere Wiederverkaufswert einen Teil der theoretischen Einsparungen wieder zunichte macht.
Den Einsparungen beim Kauf von Billigschleppern stehen aber einige Nachteile beim Betrieb gegenüber. So verursachen diese Schlepper in der Regel höhere Reparaturkosten und längere Ausfallzeiten. Außerdem verbrauchen sie mehr Kraftstoff. Da sie auch im Hinblick auf die Technik und den Komfort weniger bieten, werden sie meist nur dort als Alternative bevorzugt, wo der Schlepper weniger stark ausgelastet wird oder wo ansonsten der Kauf eines Gebrauchten ansteht. Nicht wenigen Landwirten sind Billigschlepper aber schon teuer zu stehen gekommen.
Gebrauchtschlepper
Die Zulassungsstatistik besagt, dass in der Bundesrepublik doppelt so viel Gebraucht- wie Neuschlepper gekauft werden. Das heißt, bei zwei Drittel aller Schlepperkäufe wird bereits von dieser Möglichkeit des Geldsparens gebrauch gemacht. Dabei sind die jüngeren Gebrauchten (bis etwa vier Jahre) besonders interessant, weil gerade zu Beginn eines Schlepperlebens der Wertverlust besonders hoch ist. So kosten vier bis fünf Jahre alte Gebrauchte meist nur halb soviel wie ein Neuschlepper.
Wer einen Gebrauchten kauft, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass er zwar am Kaufpreis erheblich spart, dass die laufenden Kosten aber höher sind. Das hängt mit der deutlichen Steigerung der Reparaturkosten bei zunehmendem Alter zusammen. Außerdem entstehen etwas größere Risiken, die sich aus fehlenden oder eingeschränkten Garantieansprüchen ergeben. Mitunter wird auch die einfache Tatsache vergessen, dass man beim Kauf eines Gebrauchten nach deutlich kürzerer Zeit wieder vor der Entscheidung eines Schlepperkaufs steht, als beim Kauf eines Neuschleppers. Problematisch kann auch sein, dass nicht immer ein „passender“ Gebrauchter angeboten wird. Dass man nicht immer auf dem neuesten technischen Stand ist, dürfte dagegen für die meisten Landwirte nicht mehr von so großer Bedeutung sein. So rasant ist der technische Fortschritt in diesem Bereich nicht mehr.
Aus alledem ergibt sich, dass der Kauf eines Gebrauchtschleppers dann interessant wird, wenn die Schlepper weniger stark ausgelastet sind und wenn Reparaturen in gewissem Umfang selbst durchgeführt werden können. An dieser Stelle sei aber darauf hingewiesen, dass der Wertverlust bei einigen Schlepperfabrikaten und speziell bei einigen Typen so gering ist. Hier lohnt der Kauf eines Gebrauchten nur selten, weil sie zu teuer sind.
Nur kaufen was nötig ist
In Zeiten stürmischer landtechnischer Entwicklungen war es sicherlich richtig, den Schlepper gleich eine Nummer größer zu kaufen. Diese Zeiten sind aber vorbei. Zu groß gekaufte Schlepper verursachen nicht nur einen unnötig hohen Kaufpreis und damit unnötig hohe Zinsen, sondern auch einen unnötig hohen Kraftstoffverbrauch. So verbrauchte z.B. bei Transporten ein doppelt so leistungsstarker Schlepper für die gleiche Arbeit etwa 40 % mehr Diesel als der Schlepper mit der geringeren Leistung.
Insgesamt lässt sich deshalb feststellen, dass durch den Kauf eines 120 PS statt eines 100 PS Schleppers im Verlauf des Schlepperlebens Mehrkosten von insgesamt etwa 20.000 € entstehen. Ob ein Schlepper zu groß oder angemessen ist, hängt oftmals von den Arbeiten ab, für die am wenigsten Zeit zur Verfügung steht. Wer im Notfall die Arbeitsspitzen von Lohnunternehmern oder Maschinenringen brechen lässt, kommt mit einem kleineren Schlepper aus und kann so beim Schlepperkauf und zusätzlich auch beim Einsatz Geld sparen. Die oftmals angeführte Arbeitszeitersparnis durch die leistungsstärkeren Schlepper wird meist überbewertet, weil die Schlepper nur selten an der Leistungsgrenze arbeiten.
Gespart werden kann aber auch durch den Verzicht auf nicht unbedingt benötigte Zusatzausrüstungen. Wer eine Fronthydraulik nur zum Ballasttragen nutzt, wer eine 50-km/h-Variante wählt, obwohl nur wenig Transportfahrten anfallen, wer ein Vorgewendemanagement kauft und dann nicht nutzt, der zahlt schnell 5.000 € mehr als nötig. Von vielen Schlepperherstellern werden außerdem in der gleichen PS-Klasse unterschiedlich ausgestattete Typen angeboten, mit denen man den verschiedenen Ansprüchen gut gerecht wird und trotzdem Geld spart.
Über Preise verhandeln
Schlepperhersteller und -händler beklagen zunehmend, dass Landwirte heute stärker über die Kaufpreise verhandeln als früher. Das mag aus ihrer Sicht bedauerlich sein und es mag auch vorkommen, dass Landwirte hier überziehen. Die Ursache für dieses Verhalten liegt aber bei den Herstellern bzw. Händlern selbst. Durch die von ihnen selbst zu verantwortende Preispolitik mit hohen Brutto-Listenpreisen und einem sehr breiten Rabattspielraum haben sie sich im Laufe der Zeit selbst in diese Schwierigkeiten gebracht.
Wer den gleichen Schlepper zu deutlich unterschiedlichen Preisen an verschiedene Landwirte verkauft, muss sich nicht wundern, wenn diese merken, dass handeln lohnt. Den Landwirten kann man deshalb auch für die Zukunft nur raten, sich Zeit bei ihrer Kaufentscheidung zu lassen, sich Angebote bei mehreren Händlern einzuholen und sich nicht von hohen Rabatten blenden zu lassen. Entscheidend ist letztlich die Summe, die zu zahlen ist und nicht die Höhe des Rabattes. In diese Überlegungen sind auch die unterschiedlichen Preise bei der Inzahlungnahme eines Gebrauchtschleppers einzubeziehen.
Aber auch bei der Finanzierung lässt sich Geld sparen. Wer z.B. bei einem Kredit nur 2 % weniger Zinsen zahlt, spart beim Abbezahlen eines 50.000 € teuren Schleppers im Verlauf von zehn Jahren etwa 5.000 €. Günstige Kredite bieten auch einige Schlepperhersteller. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass bei einer derartigen Finanzierung mitunter ein höherer Kaufpreis zu zahlen ist, weil kaum noch Rabatte gewährt werden.
Teuer wird es meist auch, einen Schlepper zu leasen. Leasing ist allenfalls interessant, wenn der Schlepper nur relativ kurze Zeit benötigt wird und der
Landwirt einen sehr hohen Steuersatz zu zahlen hat. Aus steuerlichen Gründen einen Schlepper zu kaufen, ist sicherlich falsch. Eine derartige Investition aber u.U. zeitlich etwas zu verschieben, um so Steuern zu sparen, kann durchaus sinnvoll sein.
Letztlich darf bei den Überlegungen zur Verringerung von Schlepperkosten die Werkstatt nicht unberücksichtigt bleiben. Man sollte schon wissen, was eine Inspektion kostet oder zu welchen Stundensätzen die Reparaturen durchgeführt werden. Eine gute Werkstatt in der Nähe kann einen etwas höheren Anschaffungspreis beim Schlepper aber durchaus rechtfertigen.
Der Kauf eines neuen Schleppers zählt für viele Landwirte zu den größten Investitionen, die zudem mit erheblichen Folgekosten verbunden ist. Es lohnt deshalb über alle Möglichkeiten zur Verringerung des Kaufpreises nachzudenken. Dazu zählt unter bestimmten Voraussetzungen der Kauf eines Gemeinschaftsschleppers ebenso wie das Ausweichen auf Gebrauchtschlepper. Aber auch durch den Verzicht auf unnötige Zusatzausstattung und durch stärkeres Verhandeln beim Kaufpreis und bei der Finanzierung lässt sich Geld beim Schlepperkauf sparen.
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky
LWK Niedersachsen