Die Dioxinkrise wirkt weiter nach und setzt Schweinehalter im Markt unter Druck: Die Preise für Ferkel sowie für Schlachtschweine gaben Ende Juli deutlich nach. Zusätzlich machen steigende Kosten zu schaffen.
Wann geht‘s mit den Preisen wieder aufwärts? Foto: landpixel
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müssten wir Preise von 1,80 Euro je kg Schlachtgewicht für Mastschweine beziehungsweise um die 60 Euro für ein Ferkel mit 25 kg erzielen“!, sagt Hermann Wester, Vorsitzender des Veredelungsausschusses im Landvolk Niedersachsen.Mäster und Ferkelerzeuger hätten die Kosten bereits kräftig optimiert, weitere Einsparungen ließen sich nicht realisieren, verdeutlicht der Emsländer. Ende Juli stürzten dagegen die Preise für ein 25-kg-Ferkel auf 36 Euro ab, bei den Schlachtschweinepreisen sackte die Notierung auf 1,53 Euro je kg Schlachtgewicht. Eine Stabilisierung zeichnet sich allenfalls auf niedrigem Niveau ab. „Der Kühlschrank wird wieder aufgemacht“, erklärt Wester und meint damit die Auslagerungen der in der Dioxinkrise vom Markt genommenen Partien. Zusätzlich fiel die Grillsaison quasi aus. Auch im Export fehlen wegen der Wirtschaftskrise Impulse, schließlich hat der Handel nach der Verunsicherung durch die Dioxinkrise Werbemaßnahmen zurückgefahren.
Zusätzlich belasten extrem hohe Futterkosten Ferkelerzeuger wie Mäster. Selbst absolute Spitzenbetriebe schreiben in der Ferkelerzeugung Verluste. Nur wenige Monate nach der Dioxinkrise und nach mehreren Jahren ohne längere Phasen mit zumindest kostendeckenden Erlösen, bringt diese Situation viele Ferkelerzeuger an den Rand ihrer Existenz.
Auch die Aussichten für die kommenden Wochen und Monate müssen eher ernüchternd beurteilt werden:
- Ein Rückgang der Futtermittel- und Energiekosten ist nicht in Sicht, eine spürbare Entlastung erst recht nicht.
- Kurzfristig steht in vielen Betrieben noch die Investition in die Gruppenhaltung für tragende Sauen an, wie sie die EU ab dem 1.1.2013 vorschreibt.
- Weitere Forderungen können in Sachen Tierschutz auf die Betriebe zukommen und weitere Investitionen erfordern.
Wester befürchtet, dass vor diesem Hintergrund noch mehr Betriebe aus der Ferkelerzeugung ausscheiden werden. Angesichts des in Deutschland herrschenden Ferkeldefizits wäre das sicherlich ein Signal in die falsche Richtung. Die viel zitierte „Erfolgsgeschichte“ der Schweineerzeugung, die Deutschland und speziell Niedersachsen in den vergangenen Jahren geschrieben haben, stünde damit auf dem Spiel. Gefragt ist jetzt der Zusammenhalt der gesamten Branche, um die Wertschöpfung für die Kette auf ein auskömmliches Niveau zu heben. Der Zusammenhalt in der Fleischbranche muss jeder Stufe in der Kette zumindest auf mittlere Sicht ausreichende Margen ermöglichen.
Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe müssen nach Einschätzung Westers gegenüber Handel und Verbrauchern klar machen, dass die Zeit der extrem niedrigen Fleischpreise angesichts galoppierender Kosten auf absehbare Zeit vorbei ist. Auch diese Argumentation muss Spielraum für höhere Erzeugerpreise schaffen: Immer höherer Standards in der Erzeugung verlangen ihren Preis. Das wäre auch ein in der Verbraucheraufklärung zu kommunizierender Auftrag für die Politik.
Ihr kommt noch eine weitere Rolle zu: Sie zeichnet in hohem Maß verantwortlich für die Planungssicherheit investitionswilliger Landwirte. Das Landvolk vermisst klare Bekenntnisse zur tierischen Veredlung und insbesondere zur Ferkelerzeugung in Deutschland und in Niedersachsen. Gefragt sind keine unverbindlichen Willensbekundungen und warmen Worte, sondern Taten! Nicht zuletzt geht es darum, europäische, nationale und immer stärker auch regionale Anforderungen an Tierschutz und Umweltstandards nicht stetig weiter hochzuschrauben - ohne Rücksicht auf die Kosten für die Betriebe, die das alles zu leisten haben.
Werden die Landwirte hier überfordert, büßen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit ein und verlieren Marktanteile an konkurrierende Wettbewerber - aus welchen Staaten auch immer. Tierschutz soll die Akzeptanz beim Verbraucher halten und mancherorts auch wieder herstellen, Veränderungen dürfen aber nicht willkürlich und in kurzen Fristen durchgepeitscht werden. Die Landwirte müssen die Chance erhalten, den Tierschutz kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Vereinzelte Hinweise, die die niedrigen Erlöse in der Schweinehaltung mit der Diskussion über die Akzeptanz der modernen Tierhaltung in Zusammenhang bringen, liegen in ihrer Einschätzung offensichtlich falsch, denn die aktuelle Krise betrifft auch den Bio-Bereich. Das Aktionsbündnis der Bioschweinehalter fordert ebenfalls deutliche Preiserhöhungen auf 3,40 Euro je kg, weil die Nachfrage das Angebot fortgesetzt übersteige. Neue Akteure am Markt könnten nicht ausreichend bedient werden. „Nur wir als Erzeuger, die Ferkelproduzenten und die Mäster, verdienen kein Geld dabei“, beklagte das Aktionsbündnis kürzlich in einer Pressemitteilung.