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[ » LAND & Forst » Content » Landleben » Soziales » Spielen, Stricken, Schnacken ]
Montag, 21.05.2012
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Soziales | 22.12.2011 Redaktion Land und Forst

Spielen, Stricken und Schnacken

„Was haben die Menschen an den Winterabenden gemacht, als viele Familien keinen Fernseher besaßen?“ lautete die Frage, die unsere LAND & Forst-Leser diesmal in der Nostalgie-Serie beantwortet haben. Gelangweilt haben sie sich ohne „Puschenkino“ jedenfalls nicht.
Adelheid Schmidt aus Edemissen erzählt über den Winter, wie er in ihrer Kindheit war: Es war während des Zweiten Weltkrieges. Radio, Fernseher, PC und Internet gab es damals noch nicht.© fotolia
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Adelheid Schmidt aus Edemissen erzählt über den Winter, wie er in ihrer Kindheit war: Es war während des Zweiten Weltkrieges. Radio, Fernseher, PC und Internet gab es damals noch nicht.
© fotolia
Vor dem Nach-Hause-Gehen gab es Kaffee oder Grog


Vor nicht einmal einem halben Jahrhundert war das Leben auf dem Dorf noch ganz anders als heute. Ich möchte nicht das Wort „gute alte Zeit“ benutzen, obwohl viel Wahres dran ist. Es war selbstverständlich, dass man sich gegenseitig bei schweren Arbeiten geholfen hat. Im Krankheitsfall sind verlässliche Nachbarn und gute Freunde eingesprungen. So jedenfalls ging es in meinem Heimatort Ostertimke zu. Ganz besonders schön waren die langen Winterabende. Das Miteinander am Feierabend wurde gepflegt, die Frauen und Mädchen banden sich die Sonntagsschürzen um, und dann traf sich die Familie bei den Nachbarn. Immer und überall war man herzlich willkommen.

Stören konnte man niemanden, denn ein Fernsehprogramm lief nicht, weil noch niemand eine Flimmerkiste besaß. Man  konnte sich nicht berieseln lassen, und die Leute gestalteten ihren Feierabend auf ihre eigene Art. Sie klönten gerne und sangen lustige Volkslieder. Und manchmal wurde auch Karten gespielt. Über die dicke, schwere Tischdecke auf dem Wohnzimmertisch wurde ein Wachstuch geworfen und dann spielten die Männer Skat oder Doppelkopf und die Frauen das besondere Spiel „Mauscheln“.

Wenn die Mädchen und Frauen beim Kartenspiel nicht dabei waren, dann setzten sie sich in die Ofennähe und strickten Strümpfe und Handschuhe. Es war kein Hindernis, dass die helle Lampe über dem Tisch diesen Winkel nicht gut erreichte, denn die Frauenhände waren so geübt, dass sie die Maschen - zwei schlicht, zwei kraus“ auch im Dämmerlich fanden.
Wir Kinder hielten uns meistens in der Küche auf und spielten „Schwarzer Peter“, „Mühle“ oder „Mensch ärgere Dich nicht“. Oder wir vertrieben und die Zeit auf der Diele und spielten „blinde Kuh“ oder wir tobten mit dem Hund oder den Katzen. In der Stube waren wir nicht wohlgelitten, denn wir durften nicht „na‘n Klang höörn“.

Mir ist es aber doch gelungen, mich rechtzeitig unter dem breiten Tisch mit der lang herunter hängenden Tischdecke zu verstecken. Das ging damals noch gut, denn ich war klein und gelenkig und rollte mich ein wie ein Igel. Nun konnte ich unbemerkt zuhören, was sich die „großen Leute“ so erzählten und was ganz und gar nicht für Kinderohren bestimmt war. Es gab aber bei uns zu Hause ein ungeschriebenes Gesetz, dass ich wenn die Wanduhr den neunten Gong tat, zu Bett zu gehen hatte. Ganz sachte musste ich nun aus meinem dunklen Versteck herauskriechen. Ih, oh, oh, da hätte es fast „langen Hafer“ gegeben.

Es hatte zur Folge, dass ich nun öfter bis neun Uhr mitspielen durfte. Lesen und schreiben hatte ich ja im Vorschulalter noch nicht gelernt, aber Karten spielen konnte ich. So um zehn Uhr mussten die Kartenspieler den Tisch räumen, denn vor dem Nach-Hause-Weg wurde noch Kaffee oder Grog getrunken und es wurde auch noch Kuchen dazu gereicht. Und dabei hat man noch viel Lustiges erzählt geschäkert und gelacht. Wenn die Kühe gekalbt hatten, mussten sie abends gegen zehn Uhr nochmal gemolken werden, da hieß es dann wieder „raus in den Kuhstall“.
 
Grete Hoops, Tarmstedt
 
 
Mein Uropa erzählte gerne aus der Kaiserzeit
 

Besonders in der Adventszeit muss ich an meine Kindheit denken. Es war während des Zweiten Weltkrieges. Radio, Fernseher, PC und Internet - all diese Dinge, die die Menschen heute bis in die Isolation drängen, gab es damals nicht. Da lebten noch drei Generationen unter einem Dach, dazu Knechte und Mägde. Oma und Opa hatten immer Zeit für uns Enkel. Oft spielten wir „Mensch ärgere dich nicht“, Mühle und Dame, Halma miteinander.

Am schönsten für mich waren die Dämmerstunden im Winter. Dazu zogen wir uns in die große Stube zurück. Mit den bescheidenen Mitteln, die meiner Mutter zur Verfügung standen, gestaltete sie für uns eine sehr schöne, vorweihnachtliche Zeit. Da es damalst keine Weihnachtsgeschenke zu kaufen gab, bastelte und nähte sie alles selbst. So wurde meine Puppe immer wieder neu eingekleidet. Für diese herzliche Liebe und Geborgenheit, in jener für Mutter besonders schweren Zeit, bin ich ihr noch heute sehr dankbar. Die Erinnerungen daran haben mich ein Leben lang begleitet. Man kann nur weitergeben, was man persönlich erfahren hat! Es wurde oft schon sehr früh dunkel und es schneite tagelang, was vom Himmel herunter wollte. Der anhaltende kalte Ostwind hatte die Straßen total zugeweht. Das elektrische Licht wurde abends aus Mangel an Kohlen in den Kraftwerken für einige Stunden abgeschaltet. Da behalfen wir uns mit Teelichtern und Petroleumlampen. Das brachte viel Gemütlichkeit.

Jeden Abend wurden die Kerzen angezündet. Im großen Kaminofen brutzelten die Bratäpfel. Das Gefühl des Zusammenhalts und der Geborgenheit war deutlich spürbar. Der Kaminofen spendete wohltuende Wärme. Trotzdem waren die Fensterscheiben mit Eisblumen bedeckt. Opa saß im Lehnstuhl und ich auf seinem Schoß. Dabei erzählte er spannende Geschichten aus seinem arbeitsreichem Leben als Bauer und Schäfer und der Kaiserzeit. Von Opa bekam ich abends meist das Brot, das er von der Feldarbeit wieder mit heimgebracht hatte. Es war das sogenannte „Hasenbrot,“es hatte einen eigenen wunderbaren Geschmack. Großvater strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus. Er war ein Vorbild in seiner Güte, Frömmigkeit und Bescheidenheit. In der gemütlichen, abendlichen Runde durfte mein Uropa Wilhelm nicht fehlen. Als gelernter Bäckermeister war er von 1886 bis 1890 - wie damals üblich - auf Schusters Rappen auf eine knapp vierjährige Wanderschaft durch Deutschland.
Der Gesprächsstoff ging niemals aus. Seine Erlebnisse und Geschichten waren eine Faszination besonderer Art für alle Zuhörer. Seine Devise lautete: „Deutschland ist so schön, da reicht das Leben nicht aus, um das alles kennenzulernen!“ Diese prägenden Winterabende sind bis heute unvergessen. In späteren Jahren habe ich noch oft meinen Kindern und Enkeln davon erzählt.
 
Adelheid Schmidt, Edemissen
 
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