Der Tierschutzplan der niedersächsischen Landesregierung und neue Abrechnungsmasken der Schlachthöfe treiben die Schweinehalter derzeit um. Wie groß die Unruhe ist, zeigte der enorme Zulauf zu der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Kreislandvolkverband, Ringgemeinschaft und Kammer-Bezirksstelle Oldenburg-Süd. Rund 250 Bauern waren am Montagabend nach Hausstette gekommen.
„Jede Maßnahme ist erst dann durchgeführt, wenn sie aufgeschrieben ist - sagt die EU.“ Veterinäramtsleiter Dr. Detlev Dierkes erläuterte vor rund 250 Schweinehaltern aus dem Landkreis Vechta die Pflichten der Betriebsleiter zur Dokumentation tierschutzrelevanter Maßnahmen. Foto: Stephan
Das politisch brisantere Thema behandelte Dr. Heiko Janssen, der die Landwirtschaftskammer in der Tierschutzplan-Arbeitsgruppe Schwein vertritt. Janssen stellte die heute schon gültigen gesetzlichen Regelungen und die im Tierschutzplan angestrebten Ziele gegenüber. Einige Themen überschneiden sich, was aus seiner Sicht besonders für Verunsicherung unter den Landwirten sorgt. Hier komme es mehr als bisher darauf an, politische Ziele und gesetzliche Realität auseinander zu halten, meinte Janssen.
Als problematisch bezeichnete der LWK-Fachreferent für Schweinehaltung die im Tierschutzplan genannten Zeiträume für die Umsetzung einzelner Maßnahmen in der Praxis. Zum Beispiel werde angestrebt, ab 2016 keine Ausnahmen mehr beim Verbot des Schwänzekupierens bei Ferkeln zuzulassen.
Dieses Vorhaben sieht Dirk Frahne, Vorsitzender der Ringgemeinschaft Vechta, als illusorisch an: „In nur vier Jahren sind keine grundsätzlich neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Haltungsmethoden zu erwarten. Das heißt, wir müssten bis dahin komplett neue Ställe bauen. Wie sollte das gehen?“ Aus Wettbewerbsgründen könne es ohnehin nur eine EU-einheitliche Lösung geben, weil kupierte Importferkel schließlich nicht vom niedersächsischen Markt ausgesperrt werden dürften, sagte er. Auch Norbert Meyer, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes, warnte davor, im derzeitigen „Hin und Her um ungelegte Eier“ die wirtschaftliche Bedeutung der Tierhaltung für die Region Vechta zu vernachlässigen. „Die politischen Absichten müssen aus einem Guss sein, und Ergebnisse dürfen nicht von vornherein feststehen“, forderte er.
Brandneue Informationen zu den neuen Abrechnungsmasken steuerte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Sachgebietes Markt der Landwirtschaftskammer, bei. Erst am Freitag hatte die Firma Tönnies ihre Maske vorgestellt. Sie will unter anderem die Schulter nicht mehr berücksichtigen, die übrigen Teilstücke dafür höher bewerten. Obwohl Vion und Danish Crown ihre Pläne noch nicht öffentlich gemacht haben, sieht Hortmann-Scholten eine klare Entwicklung: „Der Trend zu steigenden Schlachtgewichten, der aufgrund der aktuellen Futterkosten zu einer Verlustmaximierung bei den Mästern führte, wird mit den neuen Masken ein Ende haben.“
Weniger Transparenz
Die Hoffnung der Erzeuger nach Vereinfachung wird sich jedoch nicht erfüllen. Da praktisch jedes Schlachtunternehmen seine eigene Maske haben wird, lassen sich Preise kaum noch vergleichen. Der Marktexperte der Kammer sieht darin den Versuch der Abnehmer, sich der Markttransparenz zu entziehen. Werden die Erzeuger am Ende besser oder schlechter dastehen? Hortmann-Scholten zitierte Zusagen der Unternehmen, „erlösneutrale“ Masken zu schaffen, verwies aber darauf, dass frühere Umstellungen „die Spirale stets angezogen“ hätten. Insgesamt könnten die neuen Masken jedoch dazu beitragen, auf dem Markt die Fleischmenge spürbar zu verringern und die erkennbaren Hoffnungsschimmer zu verstärken.