Der intensive Maisanbau und das neue EEG standen Freitag- und Montagnachmittag auf dem Plan der Tarmstedter Gespräche. Die LAND & Forst und die Energiezeitschrift joule, beide vom Deutschen Landwirtschaftsverlag herausgegeben, griffen damit hoch aktuelle Themen auf. Maisanbau und Biogas sind und bleiben fest miteinander verbandelt. Das EEG fördert aber auch andere Substrate und Lösungen.
Mit dem Fachforum „Intensiver Maisanbau - Strategien gegen schlechtes Image“ ging die LAND & Forst bewusst in die Region, in der die Ausstellung alljährlich stattfindet. Denn hier wird Maisanbau seit Jahrzehnten intensiv betrieben. Wie Heinrich Romundt von der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Bremervörde darstellte, stehen im Landkreis Rotenburg über 120.000 ha Mais, davon sei jede zweite Maispflanze eine Biogaspflanze. Der Berater hält es „für eine Katastrophe für den Boden“, dass der Maisanbau nur ein Halbjahresgeschäft sei. Damit seien Lösungen zur Bodenbedeckung, Wasser- und Nährstoffkonservierung dringend anzuraten. Romundt stellte die Grasuntersaaten als eine gute und in seiner Region ausreichend getestete Lösung vor. Das Gras könne ertragsneutral in den Mais gesät werden und erfülle unter anderem nach der Ernte die gewünschten Funktionen.
Heinz Korte, Vizepräsident des Landvolk Niedersachsen und selber bald Biogaserzeuger, stellte die Landvolkinitiative „Bunte Felder“ vor. Sehr wichtig war dem Vorsitzenden des gleichnamigen Vereins, dass es sich bei der Initiative um eine rein freiwillige Maßnahme von mittlerweile 26 Biogasanlagenbetreibern handelt. Mit Blühstreifen entlang der Maisfelder wollen diese Landwirte etwas für das Landschaftsbild und vor allem für die Bienen tun. Das Geld für diese Blühstreifen zahlen die Landwirte selber ein. Ab 2012 wollen die Mitglieder den Verein auch für Nicht-Biogaserzeuger öffnen. Dr. Andreas von Felde von der KWS Saat AG aus Einbeck lenkte den Blick auf weitere Kulturen. Seine Botschaft: Gerade bei den Energiepflanzen muss es nicht immer der Mais sein. Alternativen seien vor allem die Zuckerrüben. Von Felde machte aber auch deutlich, dass es ohne den Mais auch nicht geht. „Die Alternativen müssen erstmal besser sein als der Mais“. Teilweise stecke deren Züchtung noch in den Kinderschuhen. Beim Mais seien noch beachtliche Zuchtfortschritte möglich, was letztendlich wieder Fläche einsparen hilft.
EEG - erste Bewertung
Hochkarätige Referenten hatte die Zeitschrift joule dann am Montagnachmittag zum Thema „EEG 2012 - für wen lohnt sich noch Bioenergie?“ auf das Podium geladen. Harald Wedemeyer vom Landvolk Niedersachsen stellte die neuen Vergütungsregelungen vor. Der Referent sieht vor allem Chancen bei der Güllevergärung, der Gaseinspeisung und der Direktvermarktung von Strom.
Peter Schünemann-Plag ging als Betriebswirtschaftler der Landwirtschaftskammer in Verden dann ins Detail. Da die Vergütung deutlich abfalle, rechnet der Referent nicht mehr mit einem Biogas-Boom. In Zukunft müsse schon mehr gerechnet werden. Interessant sei für große Milchviehbetriebe eine Gülleanlage bis 75 kW oder - wenn weitere Substrate zur Verfügung stehen - auch eine 500 kW-Anlage mit 60 % Gülle. Allerdings seien bei den Gülleanlagen noch die richtigen Baukonzepte zu entwickeln. Das neue EEG werde die Wettbewerbsstellung von Biogasanlagen mittlerer Größe in Ackerbauregionen in Zukunft wieder verbessern. Harm Grobrügge vom Fachverband Biogas sieht durch das neue EEG größere Anlagen eher begünstigt und befürchtet mehr Fremdinvestoren. Außerdem sei das EEG 2012 nicht einfacher geworden.