Referenten und Veranstalter (v. l.): Hermann Isensee, Sprecher der Volksbanken -Braunschweig/Wolfenbüttel, Ralf Stephan, Jens Gottsmann, Hilmar Gerdes, Andreas Freytag (LWK-Bezirksstelle Braunschweig) und Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel.
Dabei ging es um Abläufe auf den Finanzmärkten, die Wirkung der Medien und betriebsinterne Knackpunkte ebenso wie um die Frage, was geschieht, wenn der Betriebsleiter selbst zum Risiko wird.
Am Ende waren es die scheinbar ganz einfachen Fragen, die viele Zuhörer stutzen und ins Grübeln geraten ließ. „Was passiert in Ihrem Betrieb, wenn Sie morgen nicht zuhause, sondern unter einer OP-Lampe aufwachen?“, gab Hilmar Gerdes vom Fachbereich Betriebswirtschaft und Markt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen den fast 200 Teilnehmern des 3. Braunschweiger Unternehmerforums zugespitzt mit auf den Weg. Angesichts des Eisregens am Donnerstagmorgen war das aber eine alles andere als abwegige Frage.
Gefahr des Ausbrennens
Noch tiefer unter die Haut aber ging der Vortrag von Axel Dubinski, der sich mit dem „Risikofaktor Mensch“ befasste. Wie es ist und woran man erkennen kann, wenn Leistungsträger ausbrennen, schilderte der Personaltrainer aus München sehr eindringlich anhand seiner eigenen Erfahrungen mit einem Burnout.
Dubinski riet den Betriebsleitern, ihre Tagesabläufe unter die Lupe zu nehmen. „Die meisten von Ihnen wenden mehr Zeit für die Erhaltung von Maschinen und Gebäuden auf, als für die eigene Regeneration“, stellte er fest, während im Saal ein Mobiltelefon klingelte. Ständige Erreichbarkeit und eng getaktete Tagesabläufe ließen keine Zeit, auf sich selbst zu achten - obwohl mit höherem Alter auch der „Erhaltungsaufwand“ steige.
„Volle Leistung zu bringen, ist auch über längere Zeit kein Problem - solange danach eine Erholungsphase kommt“, sagte Dubinski. Wer dies vernachlässige, laufe Gefahr, allmählich auszu-brennen. Auf gespanntes Interesse stieß seine Übersicht über die verschiedenen Stufen des Burnouts. Am Anfang stehen der Zwang, sich zu beweisen, verstärkter Einsatz und die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse - am Ende Depression und totale Erschöpfung. „Vor allem Männer neigen dazu, so zu tun als würden sie weiter funktionieren. Das ist gefährlich. Achten Sie auf Alarmzeichen und gönnen Sie sich Pausen“, riet der Trainer, der sonst Führungskräfte in Großunternehmen schult.
Einfacher Schutz hilft
Über Risiken an Kapitalmärkten berichtete Jens Gottsmann, Portfoliomanager bei Union Investment. „Wer nach der alten Weisheit handelt, Aktien zu kaufen und einfach lange zu halten, wird nichts verdienen“, sagte Gottsmann und wies auf den Umstand hin, dass der Dax heute auf dem Stand von 1999 angekommen ist. Das Auf und Ab der Zwischenzeit habe man aber nutzen können.
Der Banker riet, vorab eine maximale Grenze für die Verluste zu definieren, die man in Kauf zu nehmen bereit ist, um ab einem kritischen Punkt das Kapital zu bewahren. Als Alternative nannte der Aktien mit einer Verlustversicherung (Put) zu kaufen. „Schon einfache Formen des Risikomanagements lohnen sich für private Anleger über einen längeren Zeitraum immer“, so Jens Gottsmann.
Regelmäßig prüfen
Hilmar Gerdes gab aus betriebswirtschaftlicher Sicht einen Überblick über mögliche interne und externe Risiken, die ein Betriebsleiter beachten muss. Je höher der Anteil an Fremdkapital, Lohnarbeitskräften oder Pachtflächen, desto schwieriger werde es, alle Faktoren auch unter komplizierten Bedingungen zu entlohnen. „Märkte und Erlöse schwanken zum Teil erheblich - und doch müssen die Vollkosten gedeckt werden“, brachte der Betriebswirtschaftler der Kammer das Problem auf den Punkt. Gerdes empfahl, regelmäßig die eigene Finanzplanung zu überprüfen, bei Wachstumsplanungen Krisenszenarien zu berücksichtigen und beispielsweise der Verpächterpflege einen höheren Stellenwert als bisher beizumessen.
Wider die Medienmacht
Welche Risiken für einen Betrieb aus der Medienberichterstattung über die Landwirtschaft erwachsen können, betrachtete Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst, in seinem Vortrag. „Medien beeinflussen Verbraucher und damit auch Märkte“, machte er eingangs deutlich. Am Beispiel von sogenannten Lebensmittelskandalen der jüngeren Vergangenheit legte er die Wirkmechanismen solcher medialen Kampagnen und ihre Auswirkungen auf Märkte dar.
„Verbraucher sind empfänglich für Meldungen, die sie vor angeblichen Risiken warnen. Ihre Sorgen und Ängste werden umso größer, je weniger sie darüber wissen“, stellte der Journalist fest. Seine Ableitung für die praktische Arbeit: Landwirte sollten die Verbreitung von Informationen über ihre Arbeit als Teil ihrer Betriebsaufgaben ansehen. Dafür bieten sich aus seiner Sicht zwei unterschiedliche Wege an: Erstens der Kontakt zu regionalen Medien, den abgestimmt haupt- und ehrenamtliche Landvolkmitarbeiter halten sollten, sowie zweitens eine möglichst vielgestaltige Öffentlichkeitsarbeit vor Ort. „Zeigen Sie, dass es nichts zu verbergen gibt, schaffen Sie aber auch positive Erlebnisse für Ihre Nachbarn und Kunden. Denn Vertrauen baut auf Wissen und auf Emotionen gleichermaßen.“ Dabei müsse nicht jeder Betrieb Schulklassen oder Seniorengruppen auf seinen Hof einladen. Der LAND & Forst-Chef regte an, Kollegen, die in dieser Hinsicht schon aktiv sind, gezielt zu unterstützen
Nicht nur Gas geben