Der Rapsanbau ist in den vergangenen Jahren auch in den östlichen EU-Staaten auf dem Vormarsch. Wie wettbewerbsfähig diese Betriebe im direkten Vergleich mit Rapsanbauern aus Deutschland und anderen EU-Staaten sind, zeigt eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung.
Den höchsten Durchschnittsertrag erreichte Dänemark mit 46 dt/ha, gefolgt von den beiden deutschen Betrieben mit 42 bzw. 43 dt/ha.
© Raupert
Mit der Unterstützung der UFOP wurde im Rahmen des Netzes Agribenchmark, dass unter Federführung des Thünen-Institutes (vTI) in Braunschweig jährlich einen internationalen Produktionskostenvergleich für Getreide und Ölsaaten durchführt, der Rapsanbau ausgewählter EU-Ländern der Jahre 2008 bis 2010 analysiert. Es wurden Betriebe aus Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Polen, Rumänien, Großbritannien und Deutschland verglichen. Aus Deutschland waren ein typischer Betrieb aus der Magdeburger Börde mit 1.300 ha und aus Mecklenburg-Vorpommern mit 1.600 ha in der Analyse. Im Folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse vorgestellt:
Erträge
Die Erträge schwankten zwischen den Ländern im dreijährigen Durchschnitt von 27 bis 46 dt/ha (Grafik 1). Den höchsten Durchschnittsertrag erreichte Dänemark mit 46 dt/ha, gefolgt von den beiden deutschen Betrieben mit 42 bzw. 43 dt/ha. Die niedrigsten Erträge erreichten die Betriebe aus Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien und Ungarn) mit 26 bis 28 dt/ha. Deutlich auseinander geht das Niveau in Polen. Während der intensiv geführte Betrieb auf Böden mit guter Grundnährstoffversorgung 38 dt/ha erzielte, erzielte der extensiv geführte Betrieb mit einer schwachen Nährstoffversorgung 28 dt/ha.
Bei der Mehrzahl der osteuropäischen Betriebe handelt es sich um überdurchschnittliche Betriebe. Nur diese Betriebe sind in der Lage, Jahr für Jahr ein konsistentes Zahlenwerk für einen Vergleich zu liefern. Ein weiterer Vorteil der überdurchschnittlichen Betriebe ist, dass sie das Potenzial der Standorte und damit die künftige Richtung aufzeigen. Vergleichsweise niedrige Erträge erzielten die beiden britischen Betriebe mit 30 bis 33 dt/ha.
Direktkosten
In den ausgewerteten Betrieben schwankten die Direktkosten von 100 bis 160 €/t, dabei wurde der niedrigste Wert vom bulgarischen Betrieb und der höchste vom rumänischen Betrieb erreicht. Beide Betriebe haben im dreijährigen Schnitt 28 dt/ha geerntet. Bulgarien ist die Ausnahme. Ansonsten gilt: „Ertrag ist der beste Kostenkiller“. So führten hohe Inputkosten pro Hektar aufgrund der vergleichsweise hohen Erträge zu den niedrigsten Direktkosten. Bei dem dänischen, den beiden deutschen Betrieben und dem polnischen Betrieb lagen die Direktkosten zwischen 110 und 125 €/t. Dagegen erreichten Betriebe mit niedrigen Erträgen Direktkosten von 138 bis 160 €/t.
Der Zusammenhang zwischen N-Effizienz und Ertrag ist in der Auswertung nicht eindeutig. Sowohl Betriebe mit niedrigem Ertrag (Bulgarien, Tschechien) als auch mit hohem Ertrag (Dänemark, Deutschland) benötigen 49 bis 55 kg Stickstoff für eine Tonne Raps. Vergleichsweise hoch ist der N-Einsatz in einem polnischen Betrieb, Rumänien einem britischen Betrieb mit 65 bis 72 kg pro t Raps. Die Auswertung zeigt, dass einzelbetrieblich europaweit in vielen Betrieben noch Einsparpotenziale für Raps bestehen.
Sehr weit auseinander geht auch der Pflanzenschutzeinsatz. Er schwankt zwischen 29 €/t bis 59 €/t. Die Höhe des Einsatzes hängt dabei nicht von dem zu erwartenden Ertrag des Standortes ab. Auffällig ist das in Osteuropa mit Ausnahme der polnischen Betriebe und des bulgarischen Betriebes der Einsatz recht hoch ist. Dies gilt vor allem für den Herbizideinsatz. Diese Standorte sind teilweise durch einen sehr hohen Unkrautdruck gekennzeichnet. Dagegen ist in Großbritannien aufgrund der nassen Witterung der Fungizideinsatz (21 bis 25 €/t) deutlich höher als auf den anderen Standorten (14 €/t). Der Insektzideinsatz betrug im Mittel 5,5 €/t mit einer Bandbreite von 3 €/t (Dänemark) bis 9 €/t (Ungarn). Alle übrigen Betriebe bewegen sich zwischen 4 und 7 €/t. Ein Zusammenhang zwischen Küstenstandorten und Kontinentalstandorten war in der Analyse nicht festzustellen.
Arbeitserledigung
Die Kosten der Arbeitserledigung schwanken in den Betrieben zwischen 54 €/t und 139 €/t. Die niedrigsten Kosten werden in Rumänien erzielt. Dort waren in dem 640 ha-Betrieb die Löhne mit 9 €/t sehr niedrig, des Weiteren führte die Nutzung von Altmaschinen zu niedrigen Abschreibungs- und Zinskosten. In diesem Betrieb werden die Kosten in den nächsten Jahren ansteigen. Hohe Kosten finden sich in den Betrieben aus Tschechien (144 €/t, Großbritannien (143 €/t), Dänemark (141 €/t), Mecklenburg-Vorpommern (139 €/t) und dem polnischen Betrieb mit 360 ha (141 €/t). Auffällig sind in diesen Betrieben die sehr hohen Maschinenkosten von 54 bis 73 €/t.
Im Gegensatz dazu stehen die Ergebnisse des sehr effizienten Betriebes in der Magdeburger Börde mit 98 €/t und der 2.000-ha-Betrieb in Polen mit 100 €/t. Beide Betriebe sind kosteneffizient und sehr ertragreich. Interessant sind noch die Lohnkosten pro Tonne. Sie schwanken innerhalb der EU-27 zwischen 9 und 55 €/t. Wobei die 9 €/t in Rumänien eine Ausnahme darstellen. Sie werden gefolgt vom ungarischen Betrieb mit 20 €/t und dem polnischen 200-ha-Betrieb mit 31 €/t. Die Mehrzahl der Betriebe liegt zwischen 30 und 40 €/t. Bei der Analyse fällt auf, dass in Dänemark, Deutschland und Großbritannien die hohen Lohnkosten durch Effizienz ausgeglichen werden.
Flächenkosten
Bekannter Weise ist Fläche in Westeuropa knapp. Aufgrund der starken Veredlung werden in Dänemark mit 137 €/t bzw. 630 €/ha die höchsten Pachten bezahlt. Auch in der Magdeburg Börde werden umgerechnet 86 €/t bzw. 360 €/ha im Vergleich hohe Pachten bezahlt. Dort werden bei Neuverpachtung mittlerweile auch 500 bis 600 €/ha bezahlt. Sehr günstig sind die Pachten immer noch in Osteuropa mit 23 bis 45 €/t (65 bis 170 €/ha). Die jüngste Entwicklung zeigt aber auch dort einen deutlichen Anstieg der Pachten auf guten Ackerbaustandorten.
Produktionskosten
Die Produktionskosten schwanken insgesamt zwischen 274 €/t bis 458 €/t. Das obere Ende stellt Dänemark dar. Dort sind es vor allem die hohen Kosten für die Fläche die trotz hoher Erträge die dänischen Landwirte belasten. Weiterhin sind dort die Kosten für die Arbeitserledigung ebenfalls hoch. Gefolgt wird Dänemark von dem 800-ha-Betrieb in Cambrigde. Dort ist der Input im Rapsanbau im Vergleich zum Ertrag von 3 t/ha zu hoch. Der zweite Betrieb in Großbritannien aus Suffolk mit 440 ha hat das Kostenniveau mit 318 €/t deutlich besser dem Ertragsniveau von 3,3 t/ha angepasst.
Die Mehrzahl der Betriebe erreicht in der Summe Produktionskosten zwischen 320 bis 350 €/t. Sehr günstig haben im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre die beiden südosteuropäischen Betriebe in Bulgarien und Rumänien abgeschnitten. Beide Betriebe haben es bei einem Ertrag von 2,8 t/ha geschafft, ihre Kosten auf einem niedrigen Niveau zu halten. Die günstige Relation zwischen Leistung und Kosten in diesen Ländern verdeutlicht auch die Flächenausweitung. Die sehr hohen
Rapspreise haben dazu geführt, dass in den vergangenen drei Jahren unter Berücksichtigung der EU-Flächenprämie mit Ausnahme des dänischen Betriebes (-43 €/t) alle Betriebe Gewinne im Rapsanbau erzielt haben. Die höchsten Gewinne wurden in der Magdeburger Börde (85 €/t), Mecklenburg-Vorpommern (94 €/t), Ungarn (100 €/t), dem polnischen 2.000-ha-Betrieb (92 €/t) sowie in Rumänien (92 €/t) und Bulgarien (69 €/t) erzielt. Niedrig fielen die Gewinne in Tschechien (36 €/t), dem polnischen 360 ha-Betrieb (24 €/t) und den beiden englischen Betrieben (18 €/t bzw. 48 €/t) aus.
Ertrags- und Preisrelation
Neben den Kosten und den Fruchtfolgewirkungen wird die Vorzüglichkeit im Anbau stark von der Ertrags- und Preisrelation zwischen Getreide und Ölsaaten bestimmt. In der Analyse wurde die Wirtschaftlichkeit des Weizen- und Rapsanbaus miteinander verglichen. Bei annähernd gleichen Kosten im Raps- und Weizenanbau auf vielen Standorten ist die Wirtschaftlichkeit bei einem Ertragsverhältnis zwischen Weizen und Raps von 2 zu 1 und einem Preisverhältnis von zwischen 1 zu 2 gleich. So erzielt z. B. ein Betrieb in Deutschland bei einem Weizenertrag von 80 dt/ha und einem Rapsertrag von 40 dt/ha bei einem Weizenpreis von 200 €/t und einem Rapspreis von 400 €/t den gleichen Erlös und damit bei gleichen Kosten den gleichen Gewinn.
In der Vergangenheit war dieses Ertrags- und Preisverhältnis für viele deutsche Regionen typisch. In der EU-27 schwankt dieses Verhältnis deutlich. Die Agribenchmark-Auswertung (Grafik 2) zeigt, dass im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre das Verhältnis zwischen den Ländern beim Ertrag von 1,6 bis 2,8 und beim Preis von 1,9 bis 2,5 schwankte. Während in den englischen Betrieben der Weizenertrag das 2,7 bis 2,8-fache des Rapsertrages und in Magdeburg das 2,1-fache betrug, erreichte der Weizenertrag in Bulgarien (1,6), Tschechien (1,7), Polen (1,8), Dänemark (1,8) Ungarn ((1,9) und Mecklenburg-Vorpommern (1,9) ein Verhältnis deutlich unter 1 zu 2.
Die letzten drei sehr guten Rapspreisjahre führten dazu, dass mit Ausnahme von Großbritannien (1,8 bis 1,9) das Preisverhältnis von Raps zu Weizen zwischen 2,1 bis 2,5 lag. Ein Preisverhältnis Raps zu Weizen größer 2 zu 1 bei einem gleichzeitigem Ertragsverhältnis von Weizen zu Raps von unter 2 zu 1 machen den Rapsanbau in den östlichen Mitgliedsländern der EU-27 wirtschaftlich attraktiv. Neben Osteuropa gilt die hohe Vorzüglichkeit besonders für die Rapsstandorte in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und in vielen Regionen Sachsen-Anhalt. Hinzukommt, dass Raps aufgrund der knappen Versorgung in der EU-27 jeden Tag verkauft werden kann. Daher ist er neben der sehr guten Wirtschaftlichkeit für viele Betriebe die „Liquiditätsfrucht“.
Auf den sehr guten Standorten in Westeuropa ist es umgekehrt. Dort erzielt Weizen häufig Erträge, die deutlich über dem zweifachen des Rapsertrages liegen. Auf diesen Standorten wird Raps in erster Linie aus Fruchtfolgegründen angebaut. Aufgrund der starken
Rapspreise und dem Rückgang des Rübenanbaus wurde in den letzten Jahren auch auf diesen Standorten der Anbau teilweise ausgedehnt.
Die Analyse zeigt, dass der Rapsanbau 2008 bis 2010 europaweit sehr wirtschaftlich war. Die Analyse zeigt auch die sehr unterschiedliche Ertrags- und Kostenstruktur. Während in den guten westeuropäischen Betrieben ein hoher Ertrag die Basis für ein gutes wirtschaftliches Ergebnis ist, sichern in den osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten die niedrigeren Produktionskosten die Wirtschaftlichkeit ab. Der Rapsanbau ist aufgrund der sehr günstigen Ertrags- und Preisverhältnissen zum Weizen in Osteuropa wirtschaftlich sehr attraktiv. In den kommenden Jahren ist mit einer weiteren Ausdehnung des Rapsanbaus in den südosteuropäischen Ländern zu rechnen.
Die Grafik 2 "Preis-/Ertragsverhältnis von Raps zu Weizen" finden Sie hier:
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Dr. Reimer Mohr