Deutschlandweit hat sich der Zustand des Waldes leicht verschlechtert. Den Negativtrend beobachtete die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt auch in den niedersächsichen Wäldern bei der Waldzustandserhebung.
Besonders die Laubbäume haben im vergangenen Jahr unter den Witterungsextremen gelitten und waren damit anfälliger gegenüber Schädlingen.
© Mitze
Der Messwert für die Vitalität der Bäume, die mittlere Kronenverlichtung, lag in Niedersachsen in den vergangenen 14 Jahren zwischen 13 % und 16 %. In diesem Jahr kam der Wert auf 17 % . Dabei reagieren die Baumarten unterschiedlich auf die verschiedenen Einflussfaktoren. So ist der Kronenzustand der Kiefer weiterhin markant besser als der von Fichte, Buche und Eiche. Die mittlere Kronenverlichtung der älteren Kiefer liegt wie im Vorjahr bei 14 %. Sie konnte damit ein relativ geringes Kronenverlichtungsniveau beibehalten. Dagegen wird bei der älteren Fichte seit Beginn der Zeitreihe der Waldzustandserhebung ein anhaltend hoher mittlerer Verlichtungsgrad festgestellt, In 2011 lag er bei 30 %.
Eiche und Buche stärker verlichtet
Während für Kiefer und Fichte seit Beginn der Erhebungen 1984 im Niveau der Kronenverlichtungen nur wenig Veränderungen zu beobachten sind, ist bei den Laubbaumarten Buche und Eiche eine Verschlechterung im Zeitverlauf eingetreten. Die Kronenverlichtungswerte liegen für beide Laubbaumarten derzeit etwa doppelt so hoch wie zu Beginn der Zeitreihe.
Bei der älteren Buche wird 2011 mit einer Kronenverlichtung von 33 % der bislang höchste Wert in der Zeitreihe ermittelt. Die Auswirkungen des trockenen Frühjahrs im vergangenen Jahr zeigen sich bei der Buche in Stressreaktionen wie Kleinblättrigkeit, Kronenverlichtungen und Absterben von Kronenteilen. Diese Symptome wurden durch eine intensive Fruchtbildung noch verstärkt. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung zeigen für die Buche seit Ende der 1980-er Jahre eine gegenüber früheren Jahren häufigere intensive Fruchtbildung mit einem rechnerischen Abstand von 2,3 Jahren zwischen zwei Masten.
Mit einer mittleren Kronenverlichtung von 34 % ist die ältere Eiche derzeit die am stärksten verlichtete Baumart in Niedersachsen. Fraßschäden durch die Eichenfraßgesellschaft haben sich wie im Vorjahr negativ auf den Kronenzustand der Baumart ausgewirkt. Weil sich die Schäden seit mehreren Jahren wiederholen, fehlen den Bäumen Erholungsphasen. In Kombination mit weiteren Belastungsfaktoren, wie der extremen Frühjahrstrockenheit hat dies zu Einbußen an Vitalität und lokal auch zu Absterbeerscheinungen geführt. Die Verlichtungswerte der anderen Laub- und Nadelbäume aller Altersstufen liegen bei 11 %. Der Anteil starker Schäden (2011: 1,9 %) und die Absterberate (2011: 0,2 %) liegen über den Mittelwerten der Zeitreihe, aber weiterhin auf einem insgesamt geringen Niveau.
Sowohl das Eschentriebsterben als auch in Kieferbeständen das Diplodia-Triebsterben sind inzwischen in Niedersachsen weit verbreitet und beeinträchtigen die Vitalität der Bäume.
Luftreinhaltungsmaßnahmen greifen
Im Rahmen der Erhebungen werden auch Messungen zum Stoffeintrag in Waldökosysteme durchgeführt. Dabei sind die Einträge von Schwefel und Stickstoff für die Waldökosysteme von besonderer ökologischer Bedeutung, da sie maßgeblich zur Bodenversauerung und zur Nährstoff auswaschung beitragen. Durch erfolgreiche Luftreinhaltemaßnahmen sind die Schwefeleinträge in die Wälder deutlich zurückgegangen, bei den Stickstoff einträgen wird eine leicht rückläufige Tendenz festgestellt. Dennoch übersteigen die Gesamtsäureeinträge, das nachhaltige Puffervermögen der meisten Waldstandorte.