Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte die Unternehmensergebnisse 2010/2011 vor. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen können auf ein zufrieden stellendes Wirtschaftsjahr 2010/2011 zurückblicken.
Viele Sauen haltende Betriebe erlitten Eigenkapitalverluste.
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Ein durchschnittlicher Haupterwerbsbetrieb erzielte ein Unternehmensergebnis von 56.700 Euro und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahl bedeutet für den Durchschnittsbetrieb eine hohe Rentabilität, denn Arbeitskraft und eingesetztes Kapital konnten angemessen entlohnt werden. Ein ähnlich gutes Ergebnis wurde das letzte Mal vor vier Jahren erzielt. Aus dem erwirtschafteten Unternehmensergebnis müssen noch private Steuern, Versicherungen, Lebenshaltungskosten und Altenteilleistungen sowie Neuinvestitionen bezahlt werden.
Niedrige Ferkelpreise und hohe Futterkosten
Ein Blick auf die Betriebsformen zeigt allerdings ein heterogenes Bild. Während Ackerbauern und Milchviehhalter zufrieden sein können, sind die Schweinehalter die großen Verlierer. Wie im Jahr 2008, so hat es auch dieses Jahr wieder die Veredlungsbetriebe getroffen. Sie mussten nunmehr in drei der letzten vier Jahre Eigenkapitalverluste hinnehmen. Dagegen stabilisierte sich das Einkommen der Ackerbau- und Futterbaubetriebe.
Das Dilemma schlechter Schlachtschweinepreise und katastrophaler Ferkelpreise wurde durch hohe Futtermittelkosten zusätzlich verstärkt. „Schweinehalter müssen im zweiten Jahr in Folge um ihre Existenz fürchten“, sagte Gerhard Schwetje, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf der Kammerversammlung vorige Woche in Oldenburg. „Die Volatilität der Märkte schafft eben nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer.“
Stark gestiegene Rohöl- und Düngemittelpreise
Für die Marktfruchtbetriebe begann das Wirtschaftsjahr überaus viel versprechend. Sommer und Herbst 2010 brachte den Ackerbauern zwar nur eine durchschnittliche Ernte. Die internationalen Märkte - im Osten besonders turbulent durch die damaligen Moorbrände in Russland - sorgten allerdings für gute Preise auf den Getreide- und Kartoffelmärkten.
Die Weizenerlöse lagen bei 260 Euro je Tonne und kamen damit dicht an das Spitzenjahr 2008 heran. Und ein fast 20 Prozent geringeres Kartoffelangebot hatte bereits in der Ernte 2010 die Preise auf 120 Euro für Industrie- und 240 Euro für Speisekartoffeln ansteigen lassen.
Geschmälert wurde die positive Bilanz nur durch die gestiegenen Rohöl- und Düngemittelpreise. Auf den Weltmärkten wurde bis zu 30 Prozent mehr als im Vorjahr dafür verlangt. In der Summe konnten die Marktfruchtbetriebe ihr Ergebnis um 45 Prozent steigern. Mit 77.700 Euro je Betrieb erwirtschafteten sie ein gutes Ergebnis.
Gut sieht es auch bei den Futterbaubetrieben aus: Der Rohstoff Milch war im vergangenen Milchwirtschaftsjahr weltweit begrenzt und begehrt. Das trieb den durchschnittlichen
Milchpreis auf 33,7 Cent/kg und damit auf etwa 27 Prozent über Vorjahresniveau. Das teure Getreide hatte allerdings dazu geführt, dass die Futtermittelkosten die Mehrerlöse aus der Milch zum Teil aufzehrten. Immerhin konnten die Milchviehhalter ein Unternehmensergebnis von 74.000 Euro erzielen. Das sind über 50 Prozent mehr als im Vorjahr.
Verbundbetriebe hielten das Vorjahresergebnis
Die nur wenig spezialisierten Verbundbetriebe, die sich hauptsächlich in der Region zwischen Börde und Ostheide weder auf Milch- noch auf Fleischproduktion festgelegt haben, konnten mit 39.500 Euro das nur durchschnittliche Vorjahresergebnis bestätigen. Man sieht, dass Vielfalt in den Betriebszweigen zwar eine gewisse Konstanz bringen kann, ob allerdings auf ausreichendem Niveau, das kommt auf den Betrachter an. Man kann aber sagen, dass ein Gewinn von 40.000 Euro nicht ausreicht, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben.
Veredlungsbetriebe sind in schwieriger Phase
Noch deutlich schlechter fällt die Bilanz bei den Veredelungsbetrieben aus. Sie bekamen die Folgen eines überaus wechselhaften Marktes, dessen Tendenz überwiegend nach unten zeigte, in seiner vollen Härte zu spüren. Hinzu kamen Ende vergangenen/Anfang dieses Jahres die verheerenden Auswirkungen einer Dioxindebatte.
Zu den Zahlen: Während sich die Erlöse pro Mastschein mit 131 Euro je Tier vom 125-Euro-Tiefpunkt des Vorjahres zumindest ein wenig erholen konnten, zeigte sich der Ferkelmarkt äußerst unbeständig. Der Durchschnittpreis lag mit 43 Euro je Tier um sieben Prozent unter dem auch schon viel zu geringen Vorjahreswert. Hinzu kamen immens hohe Futterkosten. Entsprechend ernüchternd fällt die Bilanz der Veredler aus: Die Betriebe mussten mit jeweils 28.700 Euro ein Minus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Die Dramatik dieses Wertes verdeutlicht die Tatsache, dass der durchschnittliche Veredlungsbetrieb dadurch Eigenkapitalverluste von etwa 15.000 Euro hinnehmen musste.
Mit Ausnahme der Veredlungsbetriebe haben die übrigen Betriebe rentabel gearbeitet. Das im Unternehmen gebundene Kapital wurde angemessen verzinst und die Betriebsleiterfamilie angemessen entlohnt. Die erwirtschafteten Überschüsse bringen Stabilität in die Betriebe und erlauben ein nach vorne gerichtetes, unternehmerisches Handeln. Das zeigt die gestiegene Investitionsfreude. Während in den Vorjahren Konsolidierung und Stabilisierung das Denken prägte, wird jetzt wieder kräftig investiert.
Das Geld ging häufig in die attraktiven gewerblichen Nebenbetriebe Biogas und Photovoltaik. Es konnten aber auch wieder Nettoinvestitionen in die landwirtschaftliche „Kernproduktion“ festgestellt werden. Beides ist Ausdruck von Optimismus und unternehmerischen Weitblick. Und beides muss trotz schwankender Märkte unbedingt erhalten werden, denn es ist die Basis für die Zukunft der Betriebe und für einen florierenden ländlichen Raum.
Ein Video zur Kammerversammlung der LWK Niedersachsen finden Sie hier:
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