Die Spezialisierung in der Landwirtschaft nimmt immer mehr zu - hin zu einer starken regionalen Differenzierung der Wirtschaftscluster.
Die Legehennenhaltung ist weiter im Aufwind.
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Viele Betriebe haben sich von der Tierhaltung verabschiedet und konzentrieren sich auf reinen Ackerbau; in der Börde vornehmlich auf Weizen- und in der Heide auf Kartoffelanbau. In der mittleren Weser-Ems Region hingegen stehen deutlich mehr Tiere in den Ställen.
Ganz offensichtlich wandert die Tierhaltung dorthin, wo die Veredlung traditionell verankert ist und wo entsprechende Wirtschaftsstrukturen in den vor- und nachgelagerten Bereichen vorhanden sind. Damit setzt sich der Trend zu einer spezialisierten Landwirtschaft mit einer starken regionalen Differenzierung der Wirtschaftscluster fort.
So haben sich die Landwirte in Südniedersachsen zunehmend viehlos ausgerichtet. Hauptgründe dieser Entwicklung sind die in Südniedersachsen vorherrschende hohe Bodengüte, wesentlich größere Betriebsstrukturen, die Möglichkeit des Ersatzes organischer Düngemittel durch Mineraldünger, der technische Fortschritt und natürlich das Bestreben, die daraus resultierenden Möglichkeiten zur Organisation einer viehlosen und dadurch weniger arbeitsintensiven Landwirtschaft zu nutzen.
Erst die Veredlung sicherte das Einkommen
Ganz anders die Verhältnisse in den Veredelungsregionen. Hier ist eine Tierhaltung unverzichtbar, weil die Betriebe gegenüber denen in Süd- und Ostniedersachsen um durchschnittlich 20 ha kleiner sind und deren Geestböden nur verhältnismäßig geringe Erträge ermöglichen, so dass erst die Veredelung zu Fleisch, Milch, Eiern usw. durch Tierhaltung eine Existenzbestreitung ermöglicht.
Auf den Grünlandstandorten der vorwiegend küstennahen Futterbauregionen mit alleinigem Grasaufwuchs setzt Landwirtschaft sogar grundsätzlich Viehhaltung voraus. Betriebliches Wachstum in diesem Teil Niedersachsens bedeutet insofern zwangsläufig eine Aufstockung der Viehbestände oder auch einen Einstieg in die Biogaserzeugung.
Die tabellarische Übersicht über die ehemaligen Regierungsbezirke und die nach den Daten der Landkreise erstellte Kartengrafik, geben anhand der Daten der Landwirtschaftszählung 1991 und der Daten der Agrarstrukturerhebung 2007 erschöpfenden Aufschluss über die Entwicklung der niedersächsischen Viehhaltung innerhalb dieser Periode und unterstreichen das oben Gesagte sehr deutlich.
So ist der Tierbesatz in der am höchsten bonitierten Region Braunschweig von 1991 bis 2007 um 39 % auf nur noch 0,27 GV/ha zurückgegangen. 2007 standen dort lediglich noch 4 % der Milchkühe, 3,6 % der Schweine und gerade einmal 0,9 % der niedersächsischen Hühner. Angesichts einer derartig gesunkenen Viehhaltung ist eine Trendumkehr wohl kaum denkbar. Alternative betriebliche Entwicklungen in dieser Region dürften nur selten in Richtung Stallbau gehen, sondern eher zur Biogaserzeugung hin.
Auch in der Region des ehemaligen Regierungsbezirks Hannover mit einer durchschnittlichen EMZ von 50 ist der Viehbesatz sehr deutlich von 0,83 auf 0,65 GV/ha um 22 % zurückgegangen. Wie in Braunschweig, ist der Rückgang in den besonders hoch bonitierten Landkreisen wie zum Beispiel in Hildesheim am höchsten ausgefallen.
Die Tierhaltung ist nicht in die Heide gewandert
Die Region Lüneburg liegt mit einer durchschnittlichen EMZ von 37 weit unter dem Niveau von Braunschweig und Hannover und sogar noch ganz knapp unterhalb von Weser-Ems. Da die Lüneburger Betriebe jedoch viel größer sind als in Weser-Ems, hat auch hier eine Spezialisierung auf
Ackerbau stattgefunden und die Viehhaltung nur in den nördlich gelegenen Landkreisen Stade und Cuxhaven zugenommen, wo an der Region gemessen unterdurchschnittliche Betriebsgrößenstrukturen anzutreffen sind und aufgrund des hohen Grünlandanteils die Milcherzeugung eine immer größere Rolle spielt.
Somit ist die Viehhaltung trotz niedriger Bonität nicht in die Heide gewandert. Gleichwohl aber hat sich speziell die Heideregion aufgrund ihrer bonitätsbedingten Nachteile neu ausgerichtet, denn dort liegt inzwischen die höchste Dichte der in Niedersachsen installierten elektrischen Leistung von Biogasanlagen vor.
In Weser-Ems ist die Tierhaltung seit jeher dominierend. Dementsprechend ist in den Veredelungszentren auch die erforderliche Infrastruktur im vor- und nachgelagerten Bereich vorhanden, so dass die gesamte Wertschöpfungskette der Region zugute kommt. Dadurch haben sich die ehemals standortbedingten Nachteile zum Vorteil entwickelt und die Folge ist, dass die Spezialisierung in den Veredlungsregionen weiter zunimmt. Die Landwirtschaftszählung 2010 zeigt inzwischen, dass sich dort der Trend einer ansteigenden Viehhaltung fortgesetzt hat.
Milchviehhaltung stark in Futterbauregionen
Außer der regionalen Wanderung der Tierbestände lassen sich anhand der Tabelle und Grafik Verschiebungen zwischen den Vieharten erkennen. Ganz deutlich sticht die Abnahme des Rindviehbestandes um etwa ein Viertel des Bestandes von 1991 hervor, die überall und ganz besonders in den Ackerbauregionen stattgefunden hat. Analog dazu ist auch der Milchviehbestand zurückgegangen und konzentriert sich heute zunehmend auf die Futterbauregionen, wo er allerdings allmählich sogar wieder ansteigt, weil sich hier in jüngster Zeit durch Quotentransfers die Milchkontingente anhäufen.
Der insgesamt sehr deutlichen Abnahme des Rindviehbestandes in sämtlichen Regionen stehen in den Regionen Lüneburg und Weser-Ems ebenso deutliche Zunahmen bei den Veredelungsvieharten gegenüber. Die Schweine haben in einigen Landkreisen des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg zugelegt und mit 28 % ganz besonders in Weser-Ems. Noch deutlicher fallen die Zunahmen bei den Hühnern, vor allem den Hähnchen bzw. Masthühnern aus. Speziell dieser Mastbereich der Viehhaltung war in den zurückliegenden Jahren ein Investitionsschwerpunkt.
Die Schweine- und Geflügelhaltung wandert im Zuge der Spezialisierung der Landwirtschaft vor allem in die Veredelungsregionen und die Rindviehhaltung hat sich in den küstennahen Landkreisen mit hohem Grünlandanteil allmählich wieder stabilisiert. Die in den Grünlandregionen neuerdings festzustellenden Zunahmen der Milchviehbestände gehen auf überregional möglich gewordenen Quotenkäufe zurück und es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend mit Beendigung der Milchquotenregelung verstärken wird.
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