Die Erträge für Zuckerrüben werden aller Voraussicht nach in diesem Jahr in neue Dimensionen vorstoßen. Wie die Kampagne aus Sicht der Nordzucker AG verläuft, hat die LAND & Forst nachgefragt.
Unser Interviewpartner war Volker Bückmann, Leiter Rohstoffbeschaffung Zentraleuropa, nachgefragt.
Mit welchen durchschnittlichen Erntemengen und Erträgen rechnet das Unternehmen in dieser Kampagne?
Die durchschnittlichen Zuckererträge bewegen sich in Richtung 13 t/ha und liegen damit deutlich über den Erträgen aus 2009. Dabei erfolgte der Start in die Kampagne besonders frühzeitig, so dass teilweise Schläge bereits in den ersten Septembertagen gerodet wurden. Mit Blick auf die letzte Kampagne haben unsere Rübenanbauer versucht, Risiken zu begrenzen und die Rodung zeitig abgeschlossen. Gleichmäßig entwickelte Rübenbestände mit hohen Bestandesdichten haben uns in diesem Jahr nicht nur sehr saubere, sondern zugleich Rüben mit einer hervorragenden inneren Rübenqualität beschert. Es macht geradezu Freude, diese Rüben zu verarbeiten. Unsere Rübenbauern haben wirklich das Optimale aus der diesjährigen Kampagne heraus geholt.
Wie läuft die Rübenverarbeitung und wie hoch sind die Gesamtabzüge? Gibt es Probleme durch schlecht geköpfte oder entblätterte Rüben?
Wir hatten keine nennenswerten Störungen. Wir liegen deutlich oberhalb der geplanten Verarbeitung. Das fordert die Transportgemeinschaften, dennoch läuft das Laden und Reinigen wie auch der Transport sehr ordentlich. Mit knapp acht Prozent Gesamtabzug, wobei gut die Hälfte Erdanhang ist, können alle Beteiligten bisher sehr zufrieden sein. Gelegentlich werden Partien mit einer schlechten Köpfqualität angeliefert. Insbesondere der hohe Anteil an Blattbestandteilen macht uns dann Sorge. Das gemeinsame Ziel ist, absolut blattfreie Rüben zu ernten. Dies gilt übrigens sowohl für geköpfte als auch entblattete Rüben. Diesem Thema werden sowohl Roderhersteller als auch viele Roderfahrer künftig noch mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Im Übrigen haben wir das Training 20.20.20 für Roderfahrer in diesem Jahr in vielen Veranstaltungen wiederholt. Mit sehr langen Kampagnen wächst das Risiko, dass Rüben in der Miete verderben.
Wollen Sie mit diesen Risiken leben oder gibt es Pläne, durch Kapazitätserweiterungen für Entlastung zu sorgen?
Das Kampagneende sehen wir zurzeit Mitte Januar. Auch dieser Zeitraum birgt unverändert Risiken, die uns sehr wohl bewusst sind. Wir stellen uns immer die Frage: Was können wir tun, um diese Risiken zu senken und wie sind wir vorbereitet? Eine Maßnahme in diesem Jahr war der zeitige Start in die Kampagne, sowie technische Optimierungen in den Fabriken. Zusätzlich haben wir gemeinsam mit unseren Rübenanbauern und Dienstleistern die flächendeckende Mietenpflege weiter verbessert. Ab der zweiten Dezemberwoche kommen Rüben ausschließlich aus abgedeckten Rübenmieten in die Verarbeitung. Zurzeit liegen sehr saubere und trockene Rüben in den Mieten - aus unserer Sicht die beste Voraussetzung für eine verlustarme längere Lagerung.
Es wird berichtet, dass Nordzucker die Basispreise für Quotenrüben auf 30 €/t erhöhen will und die Überrüben zu Quotenpreisbedingungen bezahlen wird. Ist das mehr als ein Gerücht?
Dies ist kein Gerücht. Wir stehen zu unserem Angebot, sämtliche Überrüben - und das ist in diesem Jahr eine enor me Menge - zum Quotenrübenmindestpreis zu bezahlen. Das sind am Feldrand, inklusive Zuckergehaltszuschlag und Nebenleistungen, voraussichtlich mehr als 36 €/t Rüben. Für Quotenrüben sprechen wir sogar über mehr als 40 €/t, inklusive der genannten Nebenleistungen. Es ist selbstverständlich für uns, bei hervorragenden Kampagnen und in einem positiven Marktumfeld unsere Rübenanbauer am Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen. Dadurch wird deutlich, dass wir alles dafür tun, dass die Zuckerrübe eine sehr attraktive Frucht bleibt. Wichtig in diesem Zusammenhang: Der Zuckermarkt bleibt relativ eng versorgt. Das zeigt sich auch an den Zuckerpreisen im Lebensmitteleinzelhandel. Auch die Verarbeiter haben die Preise für die „süßen Dinge des Lebens“ angepasst. Unsere wichtigste Aufgabe bleibt es, unsere Kunden mit dem benötigten Zucker zu versorgen. Deshalb begrüßen wir die Entscheidung der EU- Kommission, 400.000 t Zucker aus Nichtquotenrüben für den Lebensmittelbereich freizugeben.
Welche Marktsignale sehen Sie für 2012? Was kann der Rübenanbauer für das nächste Anbaujahr daraus schließen?
Wir leben in etwas längeren Zyklen, wenn wir die Zuckermärkte beobachten. Von Vorteil ist dabei für uns, dass wir mit dem Rohstoff Rübe flexibler auf Marktanforderungen reagieren können als mit Zuckerrohr. Unser Zucker aus dem Anbaujahr 2012 wird vor allem in 2013 in die Märkte fließen. Für diese Periode sind wir weiterhin davon überzeugt, dass es sich lohnt, auf Wachstum zu setzen. Wir haben deshalb frühzeitig in unserer Anbauempfehlung dafür geworben, die Flächen für 2012 zumindest beizubehalten. Wir untermauern diese Aussage, indem wir jetzt die Überrübenmenge 1 von 15 auf 20 % ausdehnen. Die Preiszusage erhöhen wir von 16,50 €/t Rübe bei 16 % Zuckergehalt auf mindestens 22,50 €/t. Unter Berücksichtigung der erwarteten Nebenleistungen und der durchschnittlichen Zuckergehalte sind das mehr als 30 €/t für Nichtquotenrüben. Damit werden unsere erfolgreichen Rübenanbauer einen höheren Deckungsbeitrag als mit Weizen oder vielen Sommerungen erzielen.